19 oder 20 Millimeter

Auf der Messe "Holzhandwerk" vor einigen Wochen habe ich am Stand der HolzWerken einige einfache Spannmöglichkeiten für Hobel- und Werkbänke vorgeführt. Wenn Sie nicht zur Messe kommen konnten, sehen Sie sich doch einfach dieses Video an. Darin sehen Sie einige Dinge, die ich auch in Nürnberg gezeigt habe. 

 

Eine Frage, die mir nicht nur am Messestand immer wieder gestellt wurde ist die, für welchen Bohrdurchmesser man sich bei den runden Bankhakenlöchern entscheiden sollte.  19mm (3/4 Zoll) oder besser 20mm. Mit dieser Frage plagen sich viele Holzwerker herum, die eine Hobel- oder Werkbank bauen wollen. Warum diese Frage schwer zu beantworten ist, liegt zum Teil auch daran, dass man diese Frage so nicht stellen sollte. Vielmehr sollte die Frage lauten "Dicke oder dünne Bankplatte".

Vielleicht fragen Sie sich jetzt gerade, was die Plattenstärke mit dem Durchmesser der Bohrlöcher zu tun hat. Dazu muss ich etwas weiter ausholen.  Die 20 Millimeter rühren vom Multifunktionstisch von Festool her. Dieser ist sehr beliebt und dient als Ideengeber für viele selbstgebaute Werkbänke und Arbeitstische. In diesem haben die Bohrungen des Lochrasters einen Durchmesser von 20 Millimetern. Es gibt passende Exzenterspanner und man kann Schraubzwingen für Führungsschienen durch die Bohrungen einfädeln und damit Werkstücke befestigen. Das Einfädeln der Schraubzwingen gelingt aber nur dann, wenn die Platte nicht zu dick ist. Bei einer Plattenstärke von 19 Millimetern lassen sich die Zwingen am einfachsten benutzen.  Wird die Platte dicker, funktionieren auch die Spannelemente nicht mehr ganz so wie gedacht, da sie von unten mit einer Schraube gesichert werden können. Wer dieses System also uneingeschränkt bei einer dickeren Platte verwenden will, der muss sich längere Schrauben für die Spannelemente anfertigen und die Unterseite der Werkbankplatte entsprechend ausfräsen, damit die Zwingen passen. Sie sehen also, dieses System ist nicht wirklich für dicke Werkbankplatten oder gar Hobelbänke geeignet.  

Dünne Werkbankplatten bieten ganz andere Spannmöglichkeiten als dicke Platten.

Dünne Werkbankplatten bieten ganz andere Spannmöglichkeiten als dicke Platten.

Bohrungen mit einem Durchmesser von 19 Millimetern haben ihren Ursprung in England und Nordamerika. Es sind streng genommen 19,05 Millimeter, da es sich um ¾ Zoll handelt. Diese Bankhakenlöcher findet man in der Regel bei Hobelbänken. Man kann dort verschiedene Hilfsmittel einsetzen, angefangen beim einfachen Bankhaken, bis hin zum Niederhalter oder Hobelstopp. Viele dieser Hilfsmittel funktionieren aber erst vernünftig bei Plattenstärken von 40 – 100 Millimetern. Die Auswahl ist inzwischen auch recht groß. Man findet für jedes Befestigungsproblem eine Lösung. 

Für das ¾ Zoll-System gibt es inzwischen eine große Auswahl an Span- und Hilfsnmitteln.

Für das ¾ Zoll-System gibt es inzwischen eine große Auswahl an Span- und Hilfsnmitteln.

Nun könnte man erst einmal zu dem Schluss kommen, dass Bohrungen mit 19 Millimeter Durchmesser für Hobelbänke ideal sind. Bohrungen mit 20 Millimetern macht man hingegen in Werkbänke. Aber wäre das nicht eine viel zu einfache Lösung? Wenn dem so wäre, würden sich nicht so viele Holzwerker so lange Zeit lassen, bis Sie den Bohrer ansetzen. Denn eine Frage steht ja noch im Raum: Warum soll man denn eine Werkbank nicht mit einer dicken Platte bauen? Eine dicke Platte hat viele Vorteile. Sie ist stabil, schwingt weniger, gibt Gewicht. In einer dicken Platte kann man aber die beliebten Führungsschienenzwingen nicht mehr einsetzen. Das ist richtig, macht aber nichts. Denn statt Zwingen einzufädeln, nehmen Sie Steckzwingen oder einen Niederhalter. Das geht auch viel einfacher und schneller.

Und das bringt mich nun zu einer weiteren Frage: Was spricht für dünne Werkbankplatten? Meiner Meinung nach nur das geringere Gewicht. Das ist aber nur dann ausschlaggebend, wenn die Werkbank transportabel sein soll. Bleibt Ihre Werkbank immer an Ort und Stelle, spricht nichts gegen eine dicke und Stabile Platte.

Die eigentliche Überlegung wäre also nicht "19 oder 20 Millimeter", sondern "muss meine Werkbank mobil sein?".

Als kleine Anmerkung möchte ich aber noch erwähnen, dass es inzwischen einige Spannelemente der des kanadischen Herstellers Lee Valley (eher bekannt für seine Marke "Veritas") sowohl in 20mm als auch in 19mm Ausführung gibt. Darüber hinaus können die Festool Winkelspanner problemlos dünner gemacht werden, damit sie in Bohrungen mit 19mm passen. Na,sind Sie nun immer noch unsicher, welchen Bohrer Sie kaufen sollen um Ihre Bankhakenlöcher zu bohren? Geben Sie nicht mir die Schuld, ich habe ja gleich am Anfang geschrieben, dass ich nur Denkanstöße geben kann.

Ich werde Ihnen also keine konkrete Empfehlung geben. Aber meine ganz persönliche Meinung bleibe ich Ihnen nicht schuldig. Ich würde die 20-Millimeter-Variante nur bei einem mobilen Werktisch nehmen. Alles was in der Werkstatt fest stehen bleibt, mag ich lieber mit dicken Bankplatten. Da kann man dann 19 Millimeter bohren und hat die Möglichkeit auf ein großes Sortiment an Spannelementen zuzugreifen.

Wissen. Planen. Machen. Das ist das Motto der Zeitschrift HolzWerken, dem Magazin für den Holzwerker.
ab 65,00 
Mehr Erfahren

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

08.04.2016

bei einer 38 mm Arbeitsplatte müssen die Bohrungen für die Festool zwingen schon 35 mm haben

19.04.2016

Danke!!! Da ich gerade erst angefangen habe, mich mit dem Thema zu beschäftigen und sich entsprechend große Fragezeichen auftaten, habe ich jetzt eine klare Richtung. Vielen Dank für die Erläuterung!

31.05.2016

Hallo an alle, bin ebenfalls Neuling im Oberfräsenbereich. Will mir als erstes einen Werktisch bauen und 2o mm Löcher fräsen. Frage: 1. wie genau ist die Fräserbezeichnung, damit ich durch eine Platte fräsen kann und 2. kann ich auch einen 24 Kopierring nehmen, da ich für meine Bosch pof 1400 ace keinen 20 Ring finde. Ich würde mir auch gerne eine Lochschablone fertigen. Gruß Paulhagen

31.05.2016

Hallo Herr Paulhagen, Fräser mit denen man die Löcher bohren kann müssen eine sogenannte Grundschneide haben. Vor einigen Wochen habe ich dazu was geschrieben: https://www.holzwerken.net/Blog/Heiko-Rech/Welcher-Fraeser-taucht-hier Für einen 20mm Fräser benötigt man einen Kopierring, der einen Außendurchmesser von ca. 24mm hat. Das würde also passen. Gruß Heiko Rech

16.06.2016

Danke für den aufschlussreichen Artikel. Genau diese Fragen haben mich bei der Planung bewegt. Jetzt kann ich ruhigen Gewissens meine stabile stationäre Werkbank mit 19mm System planen und entsprechende Befestigungen anschaffen. Gruß Thomas L.

23.03.2017

Hallo Herr Rech, bevor ich mich als Neulung an die Herstellung einer Werkbank wage, würde ich gerne auf ein vorhandenes Eisengestell eine 38 mm dicke Küchenplatte anschrauben und in diese dann mit meiner Bosch-Oberfräse 19 mm Löcher fräsen. Dazu stellen sich mir drei Fragen: 1. Sie schreiben, dass viele der hier vorgestellten Hilfsmittel erst ab einer Plattenstärke von 40 mm vernünftig funktionieren. Würden trotzdem die 38 mm reichen oder soll ich darunter noch eine Span-, MDF- oder Multiplexplatte befestigen? 2. Zum Fräsen der Löcher würde ich wohl diesen Fräser nehmen: www.amazon.de/Festool-490970-HW-Nutfr%C3%A4ser-D19/dp/B003KN3UL0. Der hat allerdings nur eine Nutzlänge von 20 mm und eine Gesamtlänge von 65 mm. Würde ich damit durch die Platte(n) kommen? 3. Ich habe für die Fräse einen Kopierring mit 30 mm. Ich denke, die würde auch passen. Viele Grüße Josef Haberl

24.03.2017

Hallo Herr Haberl, bei einer Plattenstärke von 38mm sollten alle gängigen Spannelemente funktionieren. Zur Sicherheit können Sie ja noch einmal beim Händler nachfragen. Den gezeigten Fräser würde ich nicht nehmen, da er zu kurz ist. Bei einer Länge von 65mm, einer Frästiefe von 40mm und einer minimalen Schablonendicke von etwa 9mm bleibt noch eine Einspanntiefe des Schaftes von 16mm. Das wäre mir zu wenig. Es spricht meiner Meinung nach nichts dagegen, die Löcher mit einem passenden Bohrer zu machen. Wenn die Bohrungen nicht 100% gerade zur Platte werden ist das für die Nutzung mit Spannelementen nicht so schlimm. Gruß

26.03.2017

Hallo Herr Rech, vielen Dank für die Antwort. Da werde ich dann also bohren. Der bei https://www.feinewerkzeuge.de/holzspiralbohrer.html angebotene Schlagenbohrer ist mir aber für erste Versuche doch etwas zu teuer. Dieser Forsterbohrer sollte es auch tun: https://www.sautershop.de/holzbohrer/forstnerbohrer/forstnerbohrer-ws-stahl/6406/bormax-der-rasante-forstnerbohrer?c=14755 Was meinen Sie? Viele Grüße Josef Haberl

27.03.2017

Hallo Herr Haberl, ich kenne genau diesem Bohrer von Famag jetzt nicht aus der Praxis. Mit anderen Bohrern dieses Herstellers habe ich aber durchweg gute Erfahrungen gemacht. Gruß Heiko Rech

28.03.2017

Hallo Herr Rech, dann werde ich mir mal den Forstnerbohrer bestellen. Übrigens: Vielen Dank auch für Ihre ausgezeichneten Beiträge hier, in der Zeitschrift Holzwerken und auch auf Youtube! Viele Grüße Josef Haberl

01.12.2017

Hallo Herr Rech, welchen 19mm Bohrer benutzen Sie denn, bzw. können sie empfehlen? Grüße Paul Kratz

02.12.2017

Hallo Herr Kratz, ich benutze sehr gerne Bohrer von STAR-M. Sie nennen sich "Clean Exit" und sind inzwischen schwer zu bekommen. Bei Westfalia gibt es sie, aber auch in England bei Workshopheaven.com Gruß Heiko Rech

18.08.2019

Hallo Heiko, 1000Dank für den Tipp mit den Star-M Bohrern - ich habe bei wh gleich einen 19er und 20er bestellt und den 20er gleich für mein allererstes Projekt verwendet (ein mobiler "Werkzeugwagen" mit 60x80cm Arbeitsplatte) - der Bohrer funktioniert echt suuper! Danke & LG Herbert

11.02.2020

Hallo Herrr Rech, Warum benutzen Sie den Schlangenbohrer ohne Spirale? Welchen Voteil hat das? Viele Grüße, Jürgen

11.02.2020

Hallo Herr Muß, diese Bohrer ziehen sich nicht unkontrolliert in das harte Holz. Gruß Heiko Rech

Kommentar verfassen