Die Sägeblattschutzhaube und der Sägeblattoberschutz

Die Schutzhaube über dem Sägeblatt ist – zusammen mit dem Spaltkeil (dazu mehr im nächsten Blogbeitrag) – die mit Abstand wichtigste Sicherheitseinrichtung auf einer Tisch- oder Formatkreissäge. Sie verdeckt den gefährlichsten Teil der Säge und verhindert so schon mal wirkungsvoll eine Vielzahl von möglichen Berührungen mit dem Sägeblatt. Außerdem sorgt sie dafür, dass Werkstücke, Späne oder Splitter nicht zurück in die Richtung des Anwenders geschleudert werden. Damit die Haube ihre Schutzfunktion erfüllen kann, sollte der Abstand zwischen Werkstück und Schutzhaube nur maximal 5 mm betragen.

Bei kleineren Formatsägen ist die Schutzhaube in der Regel direkt am Spaltkeil befestigt (siehe Bild 1). Diese Schutzhaube dürfen Sie nur in ganz seltenen Ausnahmefällen (zum Beispiel verdeckte Sägeschnitte) entfernen. Gewöhnen Sie sich aber unbedingt an, die Haube sofort nach Beendigung dieser Ausnahmearbeiten wieder fest am Spaltkeil zu montieren.

Bei größeren Formatsägen ist ein sogenannter Oberschutz Vorschrift (siehe Bild 2). Der „schwebt“ an einem massiven Auslegerrohr (Absaugrohr) über dem Sägeblatt und hat keinerlei Verbindung zum Spaltkeil. Das hat den Vorteil, dass Sie die Höhe der Schutzhaube völlig unabhängig von der Sägeblatthöhe einstellen können. Ein weiterer Vorteil: Bei verdeckten Sägeschnitten (falzen und nuten) kann die Schutzhaube auch weiterhin über dem Werkstück schweben. Und verfügt die Formatsäge über eine digital und elektromotorisch einstellbare Schnitthöhe, dann muss der Oberschutz nicht mal bei Einsetzschnitten weggeschwenkt werden. Er kann bis auf das Werkstück abgesenkt werden und auf diese Weise sogar als nützliche Andruckvorrichtung fungieren (siehe auch Bild 2 und 3).
Wer also auf seiner Tisch- oder Formatkreissäge wirklich sicher arbeiten möchte, der sollte auf gar keinen Fall die Schutzhaube dauerhaft entfernen. Das Gleiche gilt natürlich auch (und ganz besonders!) für den Spaltkeil. Es gibt im Übrigen überhaupt keinen Grund im privaten Umfeld nicht auch die hohen Sicherheitsstandards des gewerblichen Alltags zu beachten. Denn die Maschine macht ja auch keinen sicherheitsrelevanten Unterschied, ob Sie gerade privat oder gewerblich damit arbeiten. Ohne Spaltkeil und Schutzhaube zu arbeiten birgt jedenfalls ein extrem hohes Sicherheitsrisiko. Machen Sie sich das immer wieder bewusst und nehmen Sie sich vor allem kein Beispiel an YouTube-Videos, in denen ohne Spaltkeil und Schutzhaube gearbeitet wird.

Nur bei Maschinen, die Sägeblätter bis maximal 315 mm Durchmesser aufnehmen können, darf die Schutzhaube direkt am oberen Ende des Spaltkeils befestigt sein.
Bei Maschinen, die auch größere Sägeblätter (über Ø 315 mm) aufnehmen können, ist zwingend ein getrennt vom Spaltkeil montierter höhenverstellbarer Oberschutz vorgeschrieben.

Hat der Oberschutz eine Einlaufrolle, kann die bis auf das Werkstück abgesenkt und als Andruckrolle genutzt werden. Das verhindert wirkungsvoll ein „Hochschlagen“ des Werkstücks beim Sägen.
Wird das Sägeblatt zur Seite bis auf 45 Grad geschwenkt, bietet die schmale Schutzhaube dem Sägeblatt nicht mehr genügend Platz und muss gegen eine breitere Schutzhaube getauscht werden.
Der Oberschutz kann eigentlich immer über dem Sägeblatt „schweben“ – selbst bei verdeckten Sägeschnitten. Sollte er aber tatsächlich mal stören, lässt er sich auch problemlos wegschwenken. Dazu muss bei dieser Maschine lediglich ein Hebel bewegt werden. Der entriegelt den Auslegerarm, an dem die Schutzhaube hängt.

So das war’s mal wieder für heute. In zwei Wochen geht es dann um den Spaltkeil direkt hinter dem Sägeblatt. Bis dahin wünsche ich Ihnen wieder allzeit unfallfreies Holzwerken.

Herzlichst, Ihr
Guido Henn

Wichtiger Hinweis zur Produktneutralität: Ich habe die in den Bildern zu sehenden Maschinen und Zubehör regulär und zu den üblichen Konditionen im Handel gekauft. Sie wurden mir weder verbilligt noch kostenlos zur Verfügung gestellt. Ich versichere Ihnen eine absolut neutrale Bewertung der Produkte ohne jegliche Einflussnahme der Hersteller.

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Kommentare

21.02.2020

Hallo Herr Henn, da sagen Sie wahrlich gute und treffende Worte. Aber leider hat Gott nicht allen denen, die Youtuben können, soviel Hirnmasse mitgegeben, als das sie dies verstehen könnten. Selbst, wenn sie darauf hingewiesen werden, werden sie noch recht aggressiv und ungehalten. So ist dies in einer Zeit, in der jeder, der auf einer Maus ausrutschen kann, auch noch sich profilieren darf. Lassen Sie sich nicht abbringen, denn es ist immer wieder schön Ihre Beiträge zu lesen. Danke und Gruß Tommy

02.03.2020

Hallo Herr Henn, was leider auch oft beim Arbeiten vergessen wird, ist das Ablegen von Ringen und Uhren, ggf. auch Ketten. Dies ist ein Muss an allen rotieren Teilen! Ist manchmal auch in Fachzeitschriften und sehr oft bei YouTube Videos zu sehen und mögen alle ihre Finger behalten. Danke für den Beitrag. Mit freundlichen Grüßen Heinz Haecker

02.03.2020

Hallo Herr Nau und Herr Häcker, völlig richtig, leider nehmen viele YouTuber die Sicherheit beim Holzwerken auf die leichte Schulter. Manche sogar wissentlich und das ist mehr als ärgerlich! Und selbst bei einem frisch gebackenen Tischlermeister auf YouTube winkte mir schon mal beim Arbeiten an Formatsäge und Abricht-Dickte sein lustig baumelndes Handkettchen zu. Beste Grüße Guido Henn

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