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Schleifen unter Zwang

Verfasst von: Heiko Rech, Tischlermeister | 24.05.2016

Zwei Rotations-Exzenterschleifer

Zwei Rotations-Exzenterschleifer

Wer Holz bearbeitet kommt meist um das Schleifen nicht herum. In der Regel heißt das dann maschinelles Schleifen. Bei der Vielzahl der unterschiedlichen Schleifmaschinen sorgt ein ganz spezieller Typ gerne für Verwirrung: Der Rotationsschleifer.  Ich werde sehr oft gefragt, was denn nun der Unterschied zwischen diesen Maschinen und einem herkömmlichen Exzenterschleifer ist.  Eine weitere Frage ist dann meist im Anschluss noch "brauche ich sowas?".  Während die erste Frage noch recht einfach zu beantworten ist, kann die zweite Frage am einfachsten beantwortet werden, wenn man die Vor- und Nachteile dieser Maschinen gegeneinander abwägt. 

Links ein herkömmlicher Exzenterschleifer (Mafell EVA 150), rechts ein Rotationsschleifer (Festool Rotex 150)

Links ein herkömmlicher Exzenterschleifer (Mafell EVA 150), rechts ein Rotationsschleifer (Festool Rotex 150)

Der auffälligste Unterschied zwischen einem Exzenterschleifer und einem Rotationsschleifer ist zunächst einmal die Bauform. Der Rotationsschleifer (ich bleibe in diesem Artikel einfach mal bei dieser Bezeichnung) hat einen um 90 Grad abgewinkelten Motor mit einem Winkelgetriebe, während der Motor beim Exzenterschleifer direkt über dem Schleifteller sitzt. Bei den meisten Rotationsschleifern kann man vom Getriebemodus in einen Exzentermodus umschalten. Im Getriebemodus wird die Schleifscheibe unmittelbar über den Motor und das Winkelgetriebe zur Bewegung gebracht. Im Exzentermodus arbeitet auch ein Getriebeschleifer wie ein herkömmlicher Exzenterschleifer. In diesem Modus wird die Schleifscheibe nicht unmittelbar angetrieben, sondern läuft frei und schwingt dabei. 

Vereinfacht ausgedrückt gibt es einen Grobschliff-Modus und einen Feinschliffmodus. Bei zugeschaltetem Getriebe erreicht eine solche Maschine einen sehr hohen Abtrag. Die Oberflächengüte ist jedoch nicht so gut wie im Feinschliffmodus. Beide Betriebsmodi lassen sich jedoch kombinieren. Eine in der Praxis übliche Vorgehensweise ist die, dass man bei Nutzung eines groben Schleifpapieres den Rotations (Grobschliff)- Modus einschaltet und bei den feineren Körnungen dann den Zwangsantrieb abschaltet. So hat man eine schnell und dennoch sauber geschliffene Holzoberfläche.

Ein typischer Arbeitsablauf: Bis zur Körnung 120 mit Zwangsantrieb, Korn 240 und Korn 320 bei abgeschalteter Rotation.

Ein typischer Arbeitsablauf: Bis zur Körnung 120 mit Zwangsantrieb, Korn 240 und Korn 320 bei abgeschalteter Rotation.

Das klingt erst einmal toll. Man kann mit nur einer Maschine grob und fein- schnell und vorsichtig schleifen. Wären da nicht ein paar gravierende Nachteile. Ein Nachteil, der schon vor dem ersten Einschalten auffällt, nämlich beim Kauf, ist der Preis. Rotationsschleifer sind teurer, als herkömmliche Exzenterschleifer. Darüber hinaus sind sie schwerer, da sie einen stärkeren Motor benötigen und das erwähnte Getriebe. Bauartbedingt laufen sie auch nicht gerade ruhig. Wenn Sie zum ersten Mal eine solche Maschine einsetzen werden Sie sich vielleicht wundern, wie fest sie gehalten werden muss. Das lockere Führen mit nur einer Hand wird Ihnen dabei nicht gelingen. Wenn man nicht aufpasst können kleine Werkstücke sogar von der Maschine weggeschleudert werden. Man muss sich also erst einmal an die Handhabung gewöhnen. 

Beim Grobschliff muss man die Maschine schon ordentlich festhalten.

Beim Grobschliff muss man die Maschine schon ordentlich festhalten.

Durch den unruhigen Lauf ist es auch nicht ganz angenehm über lange Zeit mit einem Rotationsschleifer zu arbeiten. Hände und Arme ermüden recht schnell. Die Anschaffung einer solchen Schleifmaschine sollte also gut überlegt werden. Vor allem auch vor dem Hintergrund, dass ein üblicher Rotationsschleifer mit einem Tellerdurchmesser von 150 Millimetern absolut ungeeignet ist, wenn es um das Bearbeiten schmaler Kanten oder kleiner Werkstücke geht.

Als alleinige Schleifmaschine ist ein solcher Rotationsschleifer also eher ungeeignet.  Auf lange Sicht macht ein kleiner Schwingschleifer als Ergänzung daher schon Sinn. Das gilt meiner Meinung nach aber auch für den Exzenterschleifer ohne Zwangsantrieb.

Eine gute Kombination: Rotationsschleifer für große Flächen, ein kleiner Schwingschleifer für Kanten und Kleinteile.

Eine gute Kombination: Rotationsschleifer für große Flächen, ein kleiner Schwingschleifer für Kanten und Kleinteile.

Wenn Sie nach diesen ganzen Ausführungen noch immer unsicher sind, ob ein Rotationsschleifer für Ihre Werkstatt eine sinnvolle Ergänzung darstellt, hilft Ihnen vielleicht meine ganz persönliche Einschätzung noch ein wenig weiter:

Meiner Meinung nach lohnt eine solche Maschine sich dann, wenn Sie oft größere Massivholzflächen schleifen wolle, alte Anstriche entfernt werden müssen oder wenn Sie die Maschine zum Polieren von Flächen jedweder Art, auch am Auto, verwenden wollen.  Bearbeiten Sie eher Plattenmaterial und vorgeschliffene Leimholzplatten, wird sich die teure Anschaffung nicht lohnen.

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