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Mit Schiene oder mit Tisch?

Verfasst von: Heiko Rech, Tischlermeister | 03.01.2017

Vor dieser Frage stehen die meisten Holzwerker irgendwann einmal: Welche elektrische Säge macht am Anfang mehr Sinn. Muss es gleich die teure und platzraubende Tischkreissäge oder gar Formatkreissäge sein, oder reicht nicht doch die Handkreissäge mit Führungsschiene erst einmal aus?

Handkreissäge oder Tischkreissäge, oder beides? Diese Frage zu beantworten ist nicht einfach.

Handkreissäge oder Tischkreissäge, oder beides? Diese Frage zu beantworten ist nicht einfach.

Vor allem in Onlineforen wird oft zu einer Handkreissäge/ Tauchsäge mit Führungsschiene geraten. Schließlich kann man damit ja locker 80-90% der anfallende Arbeiten erledigen. Natürlich geht das dann nicht ganz so komfortabel, wie mit der Tischkreissäge, dafür aber eventuell billiger und mit geringerem Platzbedarf. Und so ist es auch. Das Problem sind aber die restlichen 10-20% der Arbeiten, die sich eben nicht mit der Handkreissäge erledigen lassen. Das wären zum Beispiel das Schneiden schmaler Leisten und kleiner Teile. Das geht nur mit entsprechenden Hilfsvorrichtungen oder eben recht wackelig und unsicher. Das Gleiche gilt für das Zuschneiden mehrerer gleicher Teile. Auch das erfordert eine Vorrichtung wie zum Beispiel ein sogenanntes Zuschnittbrett. So sammeln sich dann mit der Zeit die Vorrichtungen und das mitunter teure Zubehör, damit die Handkreissäge einen halbwegs vernünftigen Ersatz für die Tischkreissäge bietet.

Mit dem richtigen Zubehör kann man mit einer Handkreissäge schon so einiges machen.

Mit dem richtigen Zubehör kann man mit einer Handkreissäge schon so einiges machen.

Für manches Zubehör braucht man aber auch Platz zum Arbeten, wie zum Beispiel bei diesem Anschlagsystem.

Für manches Zubehör braucht man aber auch Platz zum Arbeten, wie zum Beispiel bei diesem Anschlagsystem.

Am Ende steht dann nicht selten der Frust und die Entscheidung, dass nun doch eine stationäre Säge her muss. Obwohl, oder gerade weil ich lange Zeit auch keine Tischkreissäge hatte, rate ich inzwischen nicht mehr dazu die Tischkreissäge durch eine Handkreissäge ersetzen zu wollen. Zu den bereits genannten Nachteilen und Einschränkungen kommt nämlich noch, dass man sich mit dem Verzicht auf eine Tischkreissäge, auch vieler Möglichkeiten in der Gestaltung beraubt. Schmale Rahmen, schlanke Tischbeine oder perfekte Gehrungsschnitte sind mit der schienengeführten Handkreissäge nun einmal extrem schwierig oder eben nur mit hohem Aufwand zu bewerkstelligen. Also verzichtet man oft darauf.

Viele Holzwerker nutzen auch nicht das volle Potenzial, das eine Tisch- oder Formatkreissäge bietet. Da geht nämlich so einiges mehr als nur auf Maß schneiden und diverse Schrägschnitte. Nuten und Fälze können oft schneller gesägt, als gefräst werden. Schräge Nuten und Fälze stellen auch kein wirkliches Problem dar. Mit einem einfachen Hilfsanschlag kann man mit einer Schablone "Bündigsägen" und Fasen schneiden. Auch Winkelschnitte über 45 Grad sind auf der Tischkreissäge machbar. Dazu bedarf es aber einer Vorrichtung wie dieser hier:

http://www.holzwerken.net/Wissen/Top-Thema/Schraege-Rampe-hilft-bei-schweren-Schnitten

Aus so etwas geht mit der Tischkreissäge: Fasen schneiden mit Hilfsanschlag.

Aus so etwas geht mit der Tischkreissäge: Fasen schneiden mit Hilfsanschlag.

Aber es gibt an der Sache mit der Tischkreissäge einen entscheidenden Haken und das ist der Preis. Für eine halbwegs brauchbare Tischkreissäge muss man wesentlich mehr ausgeben, als für eine richtig gute Handkreissäge. Und dummerweise braucht man die Handkreissäge ja eigentlich trotzdem. Denn wer kann schon in seiner Hobbywerkstatt schwere Platten alleine durch die Gegend wuchten. Die zerteilt man besser in handliche Stücke und legt sie dann auf die Tischkreissäge. Auch das Besäumen von Bohlen geht mit einer schienengeführten Handkreissäge einfacher als auf einer einfachen Tischkreissäge ohne Besäumschlitten. Für diese Arbeitsgänge reicht aber in der Regel eine günstige Handkreissäge vollkommen aus. Man benötigt außer einer Führungsschiene und passenden Schraubzwingen auch kein weiteres Zubehör. Das gesparte Geld kann man dann wieder mehr für die Tischkreissäge ausgeben.

 

Große Platten lassen sich mit der Handkreissäge einfach zerlegen.

Große Platten lassen sich mit der Handkreissäge einfach zerlegen.

Das Besäumen von Bohlen erfordert nicht unbedingt eine Formatkreissäge.

Das Besäumen von Bohlen erfordert nicht unbedingt eine Formatkreissäge.

Meine Empfehlung geht also ganz klar in Richtung Tisch- oder Formatkreissäge, statt zu versuchen alles irgendwie mit der Handkreissäge zu erledigen. Wenn Sie gute Gründe haben, die gegen eine Tischkreissäge in Ihrer Werkstatt sprechen, sollten Sie sich im Klaren sein, dass Sie mit keiner Handkreissäge der Welt eine Tischkreissäge zu 100% ersetzen können.

Und was ist mit dem Einbau einer Handkreissäge in einen Tisch, um diese als Tischkreissäge zu nutzen? Diese Frage stellt sich natürlich unweigerlich. Ich gebe zu, dass ich damit keine eigenen Erfahrungen habe. Die im Internet kursierenden Selbstbauten machen zum großen Teil einen sehr unsicheren Eindruck. Wenn eine solche Lösung schon sein soll, dann aber bitte mit Spaltkeil und Schutzhaube. Vielleicht haben Sie einen Systemtisch, in dem Sie ihre Handkreissäge einbauen können. Wenn ja, wäre es sicherlich für viele Leser interessant, wenn Sie Ihre Erfahrungen damit hier teilen. Ich stehe diesen Lösungen sehr skeptisch gegenüber, lasse mich aber gerne eines besseren belehren.

Ebenso würden mich Ihre Erfahrungen interessieren, vor allem dann, wenn Sie keine Tischkreissäge haben. Wie gehen Sie beim Zuschnitt vor, welche Hilfsmittel nutzen Sie und welche Einschränkungen nehmen Sie in Kauf. Das Thema Tisch- und Handkreissäge beschäftigt meiner Erfahrung nach fast alle Holzwerker und ich würde mich freuen mich mit Ihnen über dieses Thema austauschen zu können.

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