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Aus zwei mach eins

Verfasst von: Heiko Rech, Tischlermeister | 04.07.2017

Sicherlich kennen Sie das auch: Sie haben noch Holz, das aber für den gedachten Einsatz zu dünn ist. Es liegt natürlich nahe zwei dünne Hölzer aufeinander zu leimen, die Holzreste zu verarbeiten und dabei Material und Geld einzusparen. Vor allem dann, wenn die Optik nicht so wichtig ist, macht das durchaus Sinn. Für das Untergestell einer Werkbank habe ich das gerade erst gemacht. Ich zeige Ihnen einfach einmal, wie ich dabei vorgegangen bin.

Zuschnitt mit Aufmaß

Der erste Schritt ist der Zuschnitt. Dabei lasse ich die zu verleimenden Teile noch gut einen Zentimeter breiter, als sie später gebraucht werden. Das endgültige Maß entsteht erst später durch das Aushobeln. Der Zuschnitt muss also nicht sonderlich präzise sein.

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Der Zuschnitt erfolgt nur grob und mit Aufmaß. Ein grobes Zuschnittblatt für die Kreissäge ist daher auch die richtige Wahl.

Der Zuschnitt erfolgt nur grob und mit Aufmaß. Ein grobes Zuschnittblatt für die Kreissäge ist daher auch die richtige Wahl.

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Ein genauer Blick auf die Maserung.

Die beiden Hölzer werden nicht willkürlich aufeinandergeleimt. Es gibt Regeln, die mann dabei beachten sollte. Tut man das nicht, kann es später zur Rissbildung und zur ungewünschten Verformung kommen. In meinem Fall hatte ich Seitenbretter zur Verfügung. Diese wurden nach Möglichkeit mit den beiden linken Seiten zusammengeleimt. Eine weitere Verleimregel kann auch angewendet werden: Kern an Kern. Das mindert den Verzug, die Gefahr, dass sich kleine Risse im Bereich der Leimfuge bilden ist jedoch etwas größer. Bei Seitenbrettern und Holz mit Fehlern muss man daher schon mal einen Kompromiss eingehen.

Linke und rechte Seite:

  • Linke Seite = Seite des Brettes, die am Baum zur Rinde gewandt war.
  • Rechte Seite = Seite des Brettes, die am Baum dem Kern hin gewandt war.

Siehe auch:

Ich musste bei meinen Hölzern teilweise von diesen Regeln abweichen, da auf der linken Seite schwere Holzfehler wie Harzgallen und lose Äste waren. Es gilt also im Zweifel das kleinere Übel zu wählen.

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Durch eine solche Verleimung (Kern an Kern) vermeidet man Rissbildung.

Die Verleimregel "Kern an Kern" wurde berücksichtigt. Das beißt sich allerdings mit der Empfehlung die beiden linken Seiten aufeinander zu leimen.

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Sauberes Abrichten der Leimflächen

Erst jetzt erfolgt das Abrichten der Leimflächen auf der Hobelmaschine. besonders bei solchen Flächenverleimung ist es sehr wichtig, dass die beiden Flächen wirklich plan aufeinanderliegen. Tun sie das nicht, bringt man unnötig Spannung ins Bauteil. Zum Verleimen reicht es, wenn erst einmal nur die Leimfläche abgerichtet wird. Um die anderen Flächen kümmert man sich später. Sollte Ihr Holz stark verdreht sein, so dass Sie nur die dem Kern abgewandte Seite abrichten können, tun Sie das und bobeln Sie die Kernseite dann mit Hilfe des Dickenhobels Plan.

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Die dem Kern zugewandte Seite des Holzes wird abgerichtet. Das Dickenhobeln können Sie sich jetzt meist noch sparen.

Die dem Kern zugewandte Seite des Holzes wird abgerichtet. Das Dickenhobeln können Sie sich jetzt meist noch sparen.

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Leimauftrag

Die richtige Leimmenge abzuschätzen ist etwas, das auch erfahrenen Holzwerkern manchmal schwerfällt. Ich habe mir inzwischen angewöhnt bei Flächenverleimungen eine Schaumstoffrolle zu verwenden. Ein spezieller Leimroller war mir bisher zu teuer und zu aufwendig bei der anschließenden Reinigung. Den Leim trage ich mit der Leimflasche auf das Holz auf. Verteilt wird er dann mit der Rolle. Die Rolle muss man auch nicht ständig reinigen. Möglichst luftdicht eingewickelt in eine Tüte trocknet sie auch über mehrere Tage hinweg nicht ein. 

Gegen das Verrutschen der beiden Teile hilf eine Prise Salz. Das funktioniert auch mit Sand, aber Salz hat man eigentlich immer im Haus. Die Feuchtigkeit des Leims löst das Salz auf und es hat keinerlei negative Auswirkungen auf die Verleimung. Im Gegensatz zu Sand stumpft es auch die Werkzeuge nicht ab.

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Mit der Leimflasche wird die benötigte Leimmenge aufgetragen. Das geht schnell, einfach und vor allem sauber.

Mit der Leimflasche wird die benötigte Leimmenge aufgetragen. Das geht schnell, einfach und vor allem sauber.

Eine schmale Schaumstoffrolle und ein kurzer Rollenhalter sind bei mir im Einsatz.

Eine schmale Schaumstoffrolle und ein kurzer Rollenhalter sind bei mir im Einsatz.

Das gibt Grip: Eine Prise Salz verhindert das Verrutschen der Bretter beim Anziehen der Zwingen.

Das gibt Grip: Eine Prise Salz verhindert das Verrutschen der Bretter beim Anziehen der Zwingen.

Nach getaner Arbeit wird die Rolle in eine Tüte gesteckt. So kann man sich das Reinigen über mehrere Tage hinweg sparen.

Nach getaner Arbeit wird die Rolle in eine Tüte gesteckt. So kann man sich das Reinigen über mehrere Tage hinweg sparen.

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Zu viele Zwingen gibt es nicht

Bei gut abgerichteten Leimflächen braucht es keinen immensen Pressdruck. Dennoch sollte man nicht mit den Zwingen sparen. Da das Holz noch nicht gehobelt ist, braucht man auch keine Zulagen zum Schutz der Oberfläche. Werden jedoch Hölzer mit einer Stärke von unter 20 Millimetern verleimt, helfen dicke Zulagen den Pressdruck besser zu verteilen. Ob viele Zwingen ohne Zulagen, oder weniger mit Zulagen ist so gesehen erst einmal nicht so wichtig. Was am Ende zählt, ist eine dichte Leimfuge. Kontrollieren Sie diese und setzen Sie bei Bedarf noch Zwingen dazu.

 

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Je mehr Zwingen, umso besser. Welche Zwingen das sind, spielt fast keine Rolle. Viel Pressdruck wird nicht benötigt.

Je mehr Zwingen, umso besser. Welche Zwingen das sind, spielt fast keine Rolle. Viel Pressdruck wird nicht benötigt.

Die Zwingen werden gleichmäßig verteilt angesetzt, bis die Leimfuge überall dicht ist.

Die Zwingen werden gleichmäßig verteilt angesetzt, bis die Leimfuge überall dicht ist.

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Lassen Sie dem Leim Zeit

Leim trocknet durch Verdunstung und das Abwandern des Wassers ins Holz. Das braucht bei Flächenverleimungen seine Zeit. Eine ausreichende Haftung hat ein "normaler Holzleim" meist schon nach einer halben Stunde. Voll belastbar ist die Verleimung dann aber noch noch nicht. Vor den nächsten Arbeitsschritten ist es zu empfehlen den Leim etwa zwei Stunden durchhärten zu lassen.

Gleichmäßig hobeln

Das fertig verleimte Werkstück wir nun auf die benötigten Maße gebracht. Das geschieht im konkreten Fall durch hobeln. Aber auch hier gibt es einen kleinen Fallstrick. Hobelt man nur einseitig kann sich das Holz nach dem Hobeln verziehen. Holz ist kein homogener Werkstoff. Entsteht durch das ungleichmäßige Hobeln ein Bauteil, das aus zwei verschieden dicken Lagen aufgebaut ist, arbeiten diese Lagen meist auch unterschiedlich, was den Verzug bewirkt. Es geht hierbei nicht um halbe Millimeter, nicht mal um Millimeter. Versuchen Sie einfach einen möglichst symmetrischen Schichtaufbau zu bekommen.

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Nach dem Aushärten des Leims wird wieder abgerichtet.

Nach dem Aushärten des Leims wird wieder abgerichtet.

Beim Dickenhobeln sollten Sie darauf achten, dass die Leimfuge möglichst in der Mitte bleibt.

Beim Dickenhobeln sollten Sie darauf achten, dass die Leimfuge möglichst in der Mitte bleibt.

Im Zweifel sollten Sie messen!

Im Zweifel sollten Sie messen!

So sollte der Holzquerschnitt nicht aussehen. So verliemte Schichten werden vermutlich zum Verzug des Bauteils führen.

So sollte der Holzquerschnitt nicht aussehen. So verliemte Schichten werden vermutlich zum Verzug des Bauteils führen.

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Auf die gezeigte Weise habe ich schon so manches Restholz noch sinnvoll verwenden können. Die so verleimten Hölzer sind mindestens genau so stabil, wie unverleimtes Holz. Durch den wechselnden Faserverlauf meist sogar eher noch stabiler und formbeständiger.

Fertig: Aus vorhandenen, nur  35mm starken Bohlen sind stabile Pfosten mit einem Querschnitt von 80 x 60mm entstanden.

Fertig: Aus vorhandenen, nur 35mm starken Bohlen sind stabile Pfosten mit einem Querschnitt von 80 x 60mm entstanden.

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