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19 oder 20 Millimeter

Verfasst von: Heiko Rech, Tischlermeister | 05.04.2016

Auf der Messe "Holzhandwerk" vor einigen Wochen habe ich am Stand der HolzWerken einige einfache Spannmöglichkeiten für Hobel- und Werkbänke vorgeführt. Wenn Sie nicht zur Messe kommen konnten, sehen Sie sich doch einfach dieses Video an. Darin sehen Sie einige Dinge, die ich auch in Nürnberg gezeigt habe. 

 

Eine Frage, die mir nicht nur am Messestand immer wieder gestellt wurde ist die, für welchen Bohrdurchmesser man sich bei den runden Bankhakenlöchern entscheiden sollte.  19mm (3/4 Zoll) oder besser 20mm. Mit dieser Frage plagen sich viele Holzwerker herum, die eine Hobel- oder Werkbank bauen wollen. Warum diese Frage schwer zu beantworten ist, liegt zum Teil auch daran, dass man diese Frage so nicht stellen sollte. Vielmehr sollte die Frage lauten "Dicke oder dünne Bankplatte".

Vielleicht fragen Sie sich jetzt gerade, was die Plattenstärke mit dem Durchmesser der Bohrlöcher zu tun hat. Dazu muss ich etwas weiter ausholen.  Die 20 Millimeter rühren vom Multifunktionstisch von Festool her. Dieser ist sehr beliebt und dient als Ideengeber für viele selbstgebaute Werkbänke und Arbeitstische. In diesem haben die Bohrungen des Lochrasters einen Durchmesser von 20 Millimetern. Es gibt passende Exzenterspanner und man kann Schraubzwingen für Führungsschienen durch die Bohrungen einfädeln und damit Werkstücke befestigen. Das Einfädeln der Schraubzwingen gelingt aber nur dann, wenn die Platte nicht zu dick ist. Bei einer Plattenstärke von 19 Millimetern lassen sich die Zwingen am einfachsten benutzen.  Wird die Platte dicker, funktionieren auch die Spannelemente nicht mehr ganz so wie gedacht, da sie von unten mit einer Schraube gesichert werden können. Wer dieses System also uneingeschränkt bei einer dickeren Platte verwenden will, der muss sich längere Schrauben für die Spannelemente anfertigen und die Unterseite der Werkbankplatte entsprechend ausfräsen, damit die Zwingen passen. Sie sehen also, dieses System ist nicht wirklich für dicke Werkbankplatten oder gar Hobelbänke geeignet.  

Dünne Werkbankplatten bieten ganz andere Spannmöglichkeiten als dicke Platten.

Dünne Werkbankplatten bieten ganz andere Spannmöglichkeiten als dicke Platten.

Bohrungen mit einem Durchmesser von 19 Millimetern haben ihren Ursprung in England und Nordamerika. Es sind streng genommen 19,05 Millimeter, da es sich um ¾ Zoll handelt. Diese Bankhakenlöcher findet man in der Regel bei Hobelbänken. Man kann dort verschiedene Hilfsmittel einsetzen, angefangen beim einfachen Bankhaken, bis hin zum Niederhalter oder Hobelstopp. Viele dieser Hilfsmittel funktionieren aber erst vernünftig bei Plattenstärken von 40 – 100 Millimetern. Die Auswahl ist inzwischen auch recht groß. Man findet für jedes Befestigungsproblem eine Lösung. 

Für das ¾ Zoll-System gibt es inzwischen eine große Auswahl an Span- und Hilfsnmitteln.

Für das ¾ Zoll-System gibt es inzwischen eine große Auswahl an Span- und Hilfsnmitteln.

Nun könnte man erst einmal zu dem Schluss kommen, dass Bohrungen mit 19 Millimeter Durchmesser für Hobelbänke ideal sind. Bohrungen mit 20 Millimetern macht man hingegen in Werkbänke. Aber wäre das nicht eine viel zu einfache Lösung? Wenn dem so wäre, würden sich nicht so viele Holzwerker so lange Zeit lassen, bis Sie den Bohrer ansetzen. Denn eine Frage steht ja noch im Raum: Warum soll man denn eine Werkbank nicht mit einer dicken Platte bauen? Eine dicke Platte hat viele Vorteile. Sie ist stabil, schwingt weniger, gibt Gewicht. In einer dicken Platte kann man aber die beliebten Führungsschienenzwingen nicht mehr einsetzen. Das ist richtig, macht aber nichts. Denn statt Zwingen einzufädeln, nehmen Sie Steckzwingen oder einen Niederhalter. Das geht auch viel einfacher und schneller.

Und das bringt mich nun zu einer weiteren Frage: Was spricht für dünne Werkbankplatten? Meiner Meinung nach nur das geringere Gewicht. Das ist aber nur dann ausschlaggebend, wenn die Werkbank transportabel sein soll. Bleibt Ihre Werkbank immer an Ort und Stelle, spricht nichts gegen eine dicke und Stabile Platte.

Die eigentliche Überlegung wäre also nicht "19 oder 20 Millimeter", sondern "muss meine Werkbank mobil sein?".

Als kleine Anmerkung möchte ich aber noch erwähnen, dass es inzwischen einige Spannelemente der des kanadischen Herstellers Lee Valley (eher bekannt für seine Marke "Veritas") sowohl in 20mm als auch in 19mm Ausführung gibt. Darüber hinaus können die Festool Winkelspanner problemlos dünner gemacht werden, damit sie in Bohrungen mit 19mm passen. Na,sind Sie nun immer noch unsicher, welchen Bohrer Sie kaufen sollen um Ihre Bankhakenlöcher zu bohren? Geben Sie nicht mir die Schuld, ich habe ja gleich am Anfang geschrieben, dass ich nur Denkanstöße geben kann.

Ich werde Ihnen also keine konkrete Empfehlung geben. Aber meine ganz persönliche Meinung bleibe ich Ihnen nicht schuldig. Ich würde die 20-Millimeter-Variante nur bei einem mobilen Werktisch nehmen. Alles was in der Werkstatt fest stehen bleibt, mag ich lieber mit dicken Bankplatten. Da kann man dann 19 Millimeter bohren und hat die Möglichkeit auf ein großes Sortiment an Spannelementen zuzugreifen.

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