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So fräsen Sie immer sicher im Gegenlauf

Verfasst von: Guido Henn | 31.01.2020

Wenn Sie die Oberfräse nicht gerade zwangsgeführt auf einer Führungsschiene oder spielfrei auf einer zur Kopierhülse passenden Schablone einsetzen, dann spielt die Führungsrichtung der Oberfräse eine ganz entscheidende Rolle, um präzise und ruckelfreie Fräsungen herzustellen. Wird nämlich ein einfacher Parallelanschlag oder ein Fräser mit Kugellager eingesetzt, dann können Sie die Fliehkraft des Fräsers dazu benutzen, um das Werkstück immer dicht am Anschlag oder dem Kugellager zu halten. Und das ohne nennenswerte Kraftanstrengungen seitens des Anwenders.

Bereits 2003 habe ich in der alten Festool-KursWerkstatt Broschüre "Oberfräse Workshop 1" auf Seite 25 in Bild 3 einen Praxistipp dazu veröffentlicht, den Sie natürlich auch in meinem Handbuch Oberfräse auf Seite 87 in Bild 3 finden. Leider gehen solche Mini-Tipps in der Informationsfülle eines Buches gerne unter und nur die wenigsten erkennen das große Potenzial eines solchen Tipps. Das war auch der Grund für mich, diesen Praxistipp nach 17 Jahren noch einmal rauszukramen und ihn hier auf diesem Blog einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen. Und damit man mir jetzt nicht vorwerfen kann ich würde hier "olle Kamellen bringen", habe ich das Ganze auch noch mit weiteren Fotos und interessanten Hinweisen ergänzt. Es lohnt sich also auch für die, die diesen Tipp aus meinem Oberfräsenbuch bereits kennen. Also schauen wir uns die Problematik einmal etwas genauer an.



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Falzen und nuten kann man sehr gut mit einer Oberfräse, einem Nutfräser und einem Parallelanschlag. Führt man die Maschine jedoch von der falschen Seite (von rechts nach links in Pfeilrichtung) ans Werkstück heran, sorgt die hohe Fliehkraft des Fräser dafür, dass die Maschine samt Parallelanschlag von der Werkstückkante wegdriftet und nicht mehr dicht anliegt. Bei einem Falz (links im Bild) wäre das jetzt nicht weiter schlimm, weil ja nur zu wenig weggefräst wurde und da kann man ja bekanntlich von der anderen Seite aus noch mal nachfräsen. Bei einer Nut (rechts im Bild) wäre das Werkstück jedoch ruiniert und beispielsweise das Einlegen einer 17 mm breiten T-Nut-Schiene nicht mehr möglich. Selbst die ruhigsten Zeitgenossen werden sich bei so einem blöden Fehler das laute Fluchen nicht verkneifen können. Und damit Ihnen genau das nie wieder passiert, zeige ich Ihnen, wie einfach man mit einem simplen Trick die korrekte Fräsrichtung bestimmen kann. 


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Und so gehts: Zeigen Sie mit dem Daumen der rechten Hand gegen die Kante, an dem der Parallelanschlag anliegen soll (Führungskante). Die restlichen Finger, oder hier noch deutlicher der Zeigefinger, zeigen jetzt automatisch genau in die Richtung, in die Sie auch die Maschine bewegen müssen, um im sicheren Gegenlauf zu fräsen. Wichtig: Es muss der rechte Daumen sein und der Handrücken muss nach oben zeigen, denn der symbolisiert quasi die Position der Oberfräse. Diese Methode würde nämlich auch auf einem Frästisch funktionieren. Dafür muss dann nur die rechte Hand gedreht werden und der Handrücken nach unten zur Frästischfläche zeigen.


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Auch wenn Sie eine Nut mit dem Parallelanschlag einfräsen möchten, funktioniert die "Rechte-Hand-Methode". Genauso natürlich auch, wenn Sie eine Schablonenkanten mit einem Kugellager oder, wie im rechten Bild zu sehen, mit einer Kopierhülse abfahren. Einfach rechten Daumen gegen die Führungskante und der Zeigefinger weist dann automatisch auf die korrekte Schieberichtung der Oberfräse hin. Genial einfach und einfach genial!    


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Sogar wenn Sie eine bestehende Nut verbreitern möchten, hilft die rechte Hand dabei, dass Sie wieder korrekt im sicheren Gegenlauf fräsen. In diesem Fall ist aber nicht die Führungskante ausschlaggebend, sondern die Bearbeitungs- bzw. Fräskante. Denn der Parallelanschlag soll ja immer an der gleichen Führungskante (s. Pfeil) anliegen. Es verändert sich also lediglich die Bearbeitungskante: Einmal kann man die Nut an der hinteren Nutwange verbreitern (Bild links) und einmal an der vorderen (Bild rechts). Und genau dort wo man die Nut verbreitern möchte, muss auch der rechte Daumen hinzeigen. Denn das ist die Kante, die gefräst wird - also die Bearbeitungskante.  


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Um die hintere Nutwange zu verbreitern wird, die Maschine also von links nach rechts geführt (roter Pfeil) und wenn die vordere Nutwange verbreitert werden soll von rechts nach links (blauer Pfeil). Schon eine tolle Sache die Rechte-Hand-Methode, denn die Hände hat man ja immer dabei ;-)  


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Hier noch mal im Überblick: Bei Außenkanten fräst man immer gegen den Uhrzeigersinn an den Kanten entlang (linkes Bild) und bei Innenkanten immer im Uhrzeigersinn (rechtes Bild). Beide Fräsrichtungen lassen sich perfekt und immer sicher mit der "Rechten-Hand-Methode" ermitteln und darstellen. 


So das war’s mal wieder für heute. In zwei Wochen geht es dann um eine wichtige Sicherheitseinrichtung bei Tisch- und Formatkreissägen. Bis dahin wünsche ich Ihnen wieder allzeit unfallfreies Holzwerken. 


Herzlichst,

Ihr Guido Henn

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Guido Henn

Guido Henn ist Tischlermeister wie schon sein Vater und Großvater vor ihm. Seit der Gründung von HolzWerken Ende 2006, findet sich in nahezu jeder Ausgabe ein Artikel von ihm und in vielen Fällen auch ein dazu passendes Video auf HolzWerkenTV.
Artikel und Videos von Henn sind echte Renner im Netz und werden millionenfach angeklickt. Verständlich. Schließlich versteht es kaum jemand, Maschinen, ihre Bedienung und passende Vorrichtungen so zu vermitteln, wie er.

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