Lesergalerie Tischlern

Flying Humidors Tea-Time

Bau eines Humidors - als Auftragsarbeit.

4 / 5. 7

Dieses Projekt beginnt seine Entstehungsgeschichte im Mai 2025 mit einer Mail aus der Holzwerken-Redaktion (es ging um die Kramkiste meiner Frau - https://www.holzwerken.net/lesergalerie/tischlern/kramkiste/). Eine Arbeitskollegin hatte dies nebenbei mitbekommen und fragte mich, ob ich nicht auch so eine Kiste für sie bauen könnte - eher für Ihren Mann, zum 50'igsten Geburtstag. Am Anfang war mir nicht klar, dass es sich hier um eine Zigarrenkiste handelte, sprich: Um einen Humidor. Dennoch war der Name des Projektes schnell gefunden, eine erste Idee kurz skizziert (mit einem angedeuteten Flugzeugheck seiner Lieblingsmaschine (er ist Pilot)), ich hatte noch Teak-Holz von unserm Gartentisch; wäre eigentlich perfekt!
Aber während einer kleinen Abwesenheit meinerseits fand ich die notwendige Ruhe, um mich einzulesen in den Bau eines Humidors. Das änderte recht viel. Ich rief meine Kollegin um Beistand. Es ging um das entsprechende Holz (span. Zeder und Mahagoni), um entsprechende Scharniere, um Befeuchtungssysteme, Hygrometer etc. - Mir wurde ganz schwindelig. Allein die Kosten für das Holz und ob man überhaupt noch Mahagoni verarbeiten sollte etc.
Meine Kollegin vertraute mir und Sie gab mir letztendlich das GO für den Bau, nachdem ich ihr die ersten Planungen, Zeichnungen und Kostenaufstellung präsentiert hatte. Ich bestellte das Mahagoni, das span. Zedernholz und die Scharniere. Nach dem Eintreffen ging es zuerst um den groben Zuschnitt der innenliegen Kiste. Der Boden der Innenkiste besteht aus Mahagoni, die Seitenteile aus span. Zedernholz, welches aber mit Mahagoni verkleidet ist – 110mm x 30mm x 2mm (die Zigarre darf nur das Aroma des Zedernholzes aufnehmen, aber es nicht berühren!). Der Deckel der Innenkiste ist aus span. Zedernholz und hat zusätzlich einen sep. Rand, der den überstehenden Rand der Innenkiste umschließt. Die Seitenteile sind mit dem Boden verleimt und mit kleinen Schrauben fixiert. Danach kam das Teakholz dran. Es wurde entsprechend zugeschnitten und dickengehobelt. Die Außenbretter so zusammengestellt und miteinander verleimt (Verleimfräser), dass ich ein durchgehendes Außenbrett für die Kiste und Deckel hatte. Nachdem die Außenbretter fertig waren (Kiste und Deckel entsprechend aufgetrennt), habe ich diese mit der Innenkiste verleimt. 3 Seitenteile gingen einwandfrei, aber das letzte Seitenteil hat sich beim Anpressen leicht verschoben. Seitdem hat die Kiste eine Schattenfuge. Zusätzlich steht sie auf 4 Schranktürpuffern. Ich muss sagen, dass Sie dadurch ein bisschen gefälliger wirkt. Durch den geschwungenen Deckel benötigte ich eine Schablone für die kurzen Seitenteile. Nachdem ich die kurzen Seitenteile anhand der Schablone entsprechend gefräst habe, wurden die Deckelseitenteile mit dem innenliegenden Deckel verleimt. Eine Mittelstrebe auf dem innenliegenden Deckel unterstützt als zusätzliche Auflage die Bretter der Deckeloberseite. Die Bretter der Deckeloberseite habe ich jeweils auf einer der Längsseite 5° konisch geschnitten und mit den Deckelseitenteilen verleimt. Dann schleifen, schleifen und nochmals schleifen. Die Krux am Bau des Humidors war, dass der innenliegenden Kiste nichts mehr passieren durfte. Das schlimmste waren aber die Quadrantscharniere. Diese haben mich buchstäblich in den Wahnsinn getrieben, sodass sogar mein Chef den Finger schon drohend hob… Ich wusste nicht mehr ein noch aus. Schablone hier, Schablone da? Ausstemmen? Nun ja, da fehlt mir so einiges – Das entsprechende Werkzeug und die Schärf-Mittel, das fehlende Knowhow. Ich schrieb Johanna Röh an. Was für ein Glück. Ein Tag Urlaub genommen, insgesamt 500 km gefahren, 2,5h mit Johanna und mit ihrer Sharper Origin die Quadrantscharniere eingefräst – wie soll ich es sagen? Wir reden hier von einer Tiefe von 1,5mm bis 1,8mm bei einem Radius von 3,5mm, jeweils 42mm Länge und einer Breite von 8mm. Rantasten in 0,1mm – 0,3mm Schritte und das 8 mal! Es war einfach super – Hier noch einmal ein ganz herzliches Dankeschön an Johanna! Eine Last wurde mir von den Schultern genommen, aber ich habe auch noch kleine Anregungen erhalten, die ich versprochen habe, umzusetzen. Die Zigarrenkiste habe ich anschließend von außen geölt.
Allerdings… diese Quadrantscharnier, so schön, wie sie sind, haben ihre Macken. Es ist eigentlich(!) alles fertig. Der Humidor soll ausgeliefert werden, aber ich bin mit diesen Scharnieren nicht glücklich, weil das Öffnen nicht so einfach ist, wie bei herkömmlichen Scharnieren – sie bocken. Erst wenn der Bügel an einer bestimmten Stelle ist, bekommen ich den Deckel einfach auf. Evtl. muss ich die Bügel im Nachhinein noch ausbauen, was Schade wäre.


Planungszeit: Mai – Dez./2025
Umsetzung: 12/2025 - 03/2026

Benötigte Zeit: ca. 60h
Verwendetes Material
  • Teakholz
  • Mahagoni
  • spanisches Zedernholz
Verwendetes Werkzeug
  • Abricht/Dickenhobel (klein und groß)
  • Shaper Origin
  • Oberfräse
  • Bandsäge
  • Tischbohrmaschine, Bohrmaschine
  • Sander, Exzenterschleifer
  • Tischkreissäge

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