Lesergalerie Tischlern

Flurschranktür

Ersetzung einer alten Schranktür eines Einbauschrankes.

0 / 5. 0

Zu den vielen Umbaumaßnahmen der letzten Jahre, mit denen meine Familie beschäftigt war, gehörte auch das Versprechen vom Papa an die Tochter, dass sie eine neue Tür für den Einbauschrank im Flur bekommt. Als wir das Schlafzimmer / Arbeitszimmer umgebaut haben (s.a.: https://www.holzwerken.net/lesergalerie/tischlern/schlafzimmer-4/), haben wir uns Eiche-Vollholz-Parkett (20mm) verlegen lassen. Aus diesen Restbeständen (ca. 2–3 qm²) plante ich eigentlich(!) eine neue Etagentür zu unserem Wohnbereich herzustellen. Es sollte anders kommen. Meine Tochter hatte eine sehr klare Vorstellung, wie die neue Tür des Einbauschrankes aussehen soll. Senkrechte Lamellen, beschränkte Anzahl von Lamellen, die Kanten nicht abgerundet etc. Bei einer Türhöhe von 2.5 Meter, einer Parkettlänge von ca. 2.2 Meter war es sehr offensichtlich, dass es keine durchgehenden Lamellen geben würde (zudem hatten wir nur ganz wenige durchgehende Parkettdielen). Da der Einbauschrank aus zwei Teilen besteht, reifte kurz die Überlegung, dass es auch zwei Türen geben könnte. Diese Idee wurde wieder gestrichen. Der Tür-Anschlag sollte nicht links sein, wie bisher, sondern rechts. Hierfür habe ich 170° Topfbandscharniere eingeplant und letztendlich verbaut. Ich muss zugeben, dass man sich durch diese gewaltige Türöffnung nicht beengt fühlt - gerade bei einem langen schmalen Flur mit entsprechender Anzahl von Zimmertüren – sondern man eher den Eindruck bekommt, besser in/an das Schrankinnere zukommen. Der Bau der Tür war Aufgrund des Materials nicht einfach und ich habe sehr oft Zweifel gehegt, ob ich das Projekt so überhaupt umsetzen kann. Das Parkett auf der einen Seite gefast und geölt, die Rückseite entsprechend für den Kleber am Boden vorbereitet. Dickenhobeln war angesagt. Von 20mm blieb so nur ca. 16mm übrig. 16mm Stärke war für den Rahmen zu dünn, also aus zwei mach eins – Presszeit gleich Wartezeit! Alle 7 Rahmenteile bestehen aus jeweils zwei Teilen, die miteinander verleimt sind (unterstützt von Dominodübeln). Hierbei musste ich immer auf die Struktur des Holzes aufpassen. Die Rahmenteile habe ich anschließen noch einmal auf Endmaß gehobelt. Diese sind an ihren Stoßstellen jeweils mit zwei großen Dominodübeln verleimt worden. Bevor ich den Rahmen allerdings verleimen konnte, musste ich für die Lamellen noch regelmäßige Nuten in die Querholme einfräsen. Hierfür habe ich mir eine entsprechende Frässchablone hergestellt. Beim Fräsen musste ich enorm aufpassen, dass ich die Nuten an der richtigen Stelle und richtige Richtung platzierte. Das Schneiden der Lamellen war eine Sache für sich. Nicht nur das Auftrennen der Bohle (damit aus einem Stück zwei Lamellen entstehen, ca. 6-7 mm dick), sondern auch der 20° -Schnitt auf der schmalen Lamellenseite, war für mich eine Geduldsprobe. Das Absägen der eigentlichen Auflagefläche ist bekanntlich nicht gerade gesund. Letztendlich habe ich ein 2 Meter langes Vierkantholz (40mm x 40mm) genommen, es auf der einen Seite mit einem 20° Gradschnitt (70° Gegenwinkel) versehen. Die jeweilige Lamelle habe ich dann an der Schrägen angeschraubt, und zwar so, dass eine Kante der Lamelle bündig mit der Kante des Kantholzes (Schräge) anliegt. Somit konnte ich ohne Bedenken die entsprechende Lamelle durch die Tischkreissage ziehen. Nachdem ich gesehen hatte, dass alle Teile passten, habe ich die außenliegenden und die zwei innenliegenden Kanten gefast, die Löcher der Topfscharniere gebohrt, die Griffmulde anhand einer Frässchablone gefräst und den Rahmen letztendlich zusammengesetzt. Ich gebe zu, dass das Zwingen solch langer Teile nicht ganz einfach ist. Die Lamellen habe ich dann, nachdem der Rahmen fest verleimt war, entsprechend eingeklebt. Den letzten Rest der Lamellen-Nut habe ich dann entsprechend mit einem Stück Restholz zugemacht, sauber an der Kante abgesägt und verschliffen. Da ich wusste, dass ich später nicht mehr so ohne weiteres an alle Stellen drankomme, habe ich alle Lamellen und Teile des fertigen Rahmens vorher geölt und nach dem Zusammenbau entsprechend nachbehandelt (erneut an den Leimstellen verschliffen und geölt). Natürlich trat das ein, was ich vorher befürchtet hatte und ich meiner Tochter schon avisierte. Die langen Lamellen bogen sich durch, entweder nach außen oder nach innen. Meine Tochter wollte eigentlich keine Querstreben. Diese waren aber jetzt unabdingbar. So habe ich in einem weiteren Arbeitsschritt die Querstreben hergestellt und diese auf der Rückseite montiert. Mit kleinen Nägelchen (1mm x 15mm) – vorgebohrt - habe ich die Lamellen an die Querstreben angenagelt, die Nagelköpfe versenkt und mit Holzkitt zugemacht.
Fazit: Für diese Einbauschranktür habe ich ca. 70h gebraucht und ich habe jede Menge Erfahrungen sammeln dürfen. Ich denke, dass ich so eine Tür nicht noch einmal bauen würde – zumindest nicht unter dem Aspekt, dass man Holz verwendet, welches nicht 100% dafür geschaffen ist. Der resultierende Aufwand ist dadurch nicht ganz gerechtfertigt. Dennoch hat es viel Spaß gemacht – und ich habe eine zufriedene Tochter. Was will das Herz vom Papa noch mehr?

Planungszeit 11/12.2024
Umsetzung Juni – Oktober 2025

Benötigte Zeit: 70
Verwendetes Material
  • Eiche - Vollholz (ehemals Parkett)
Verwendetes Werkzeug
  • Tischkreissäge
  • Oberfräse
  • Dominofräse
  • Tischbohrmaschine
  • Bohrmaschine
  • Bandsäge
  • Sander

Möbelbau

Möbelbau

Möbelbau

DAS führende Möbelbau-Buch! Von der grundlegenden Konstruktion von Schränken und Kästen geht es durch wirklich ALLE Bereiche des Möbelbaus.

48,00 

Mehr Erfahren

Zeitschriftenabo HolzWerken

Zeitschriftenabo HolzWerken

Wissen. Planen. Machen. Das ist das Motto der Zeitschrift HolzWerken, dem Magazin für den Holzwerker. Zeitschriftenabo HolzWerken gleich hier bestellen!

Preisspanne: 67,00 € bis 86,00 €

Mehr Erfahren

Kommentare