Grundwissen Drechseln
Wie bringt man einen Holzrohling in eine perfekte, runde Form?
Hier lesen Sie alles zu den wichtigsten Drechselwerkzeugen und Techniken. Außerdem zeigen wir Ihnen, wie die Drechselbank aufgebaut ist und wie Sie das Holz sicher spannen.
Inhaltsverzeichnis
- Der Aufbau der Drechselbank
- Richtig Spannen
- Quer- und Langholzdrechseln
- Die wichtigsten Werkzeuge
- feine Oberflächen
- Spannende Drechselprojekte
- 5 handwerkliche Kniffe für die Drechselbank
- Seitenweise Technik und Inspiration

Mit dem richtigen Wissen entstehen auch auf Ihrer Drechselbank elegante Werkstücke.
Der Aufbau der Drechselbank
Jede Drechselbank, egal wie groß oder klein, besteht im Wesentlichen aus den gleichen Teilen:
Das Bankbett
Das plane Bankbett führt und hält Spindelstock, Reitstock und Werkzeugauflage in Position. Reitstock und Werkzeugauflage lassen sich darauf verschieben, bei einigen Bänken auch der Spindelstock.
Der Spindelstock
Im Spindelstock ist die Antriebseinheit und die Aufnahme für die Drechselfutter verbaut – er ist das, was alles in Bewegung bringt. Der Spindelstock hat in den meisten Fällen eine Aufnahme (M33-Gewinde), auf das ein Spannfutter oder ein Planscheibe geschraubt werden können. Diese Achse ist konisch hohl, sodass ein Mitnehmer mit konischem Schaft eingesteckt werde. Er krallt sich dann ins Holz.
Der Reitstock
Der Reitstock ist die „Klemmvorrichtung“ für die Arbeit zwischen den Spitzen. Er nimmt dabei die mitlaufende Körnerspitze auf, die der Mitte des Spindelstock-Gewindes gegenüber liegt. Hier kann auch ein Bohrfutter befestigt werden. Die „Pinole“ (der bewegliche Teil des Reitstocks) ist ebenfalls konisch hohl, sodass die genannten Helfer hier eingesteckt und nur durch die Reibung gehalten und angetrieben werden.
Die Werkzeugauflage
Die Werkzeugauflage (auch Handauflage genannt) ist parallel zum Bankbett und dient dem Abstützen des Werkzeugs. Die Werkzeugauflage kann verschiedene Formen und Längen haben. Ihr Unterteil lässt sich völlig frei auf dem Bankbett positionieren.
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Um das Holz fest mit der Drechselbank zu verbinden, gibt es je nach Art der Bearbeitung unterschiedliche Techniken.
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Spannen zwischen den Spitzen
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Das Holz kann zwischen Spindelstock, in dem ein Mitnehmer das Holz greift und antreibt, und Reitstock eingeklemmt werden. Diese Technik wird in der Regel beim Langholzdrechseln eingesetzt, bei dem längere, aber schmale Stücke bearbeitet werden.

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Spannen im Vierbackenfutter
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Gerade wenn eine Stirnseite der Werkstücks bearbeitet werden soll (zum Beispiel, um es auszuhöhlen), wird das Holz nur einseitig fixiert („fliegend“ drechseln). Das „Einklemmen“ zwischen Spindel- und Reistock ist dann nicht mehr möglich. Deshalb geht man hier anders vor: Das Spannen geschieht durch das Aufschrauben eines Futters auf das M33-Gewinde des Spindelstocks. Die verstellbaren Backen des Futters können das Holz dann greifen und festspannen.

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Die Planscheibe
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Alternativ – vor allem wenn der Rohling ganz zu Beginn noch keinen Rezess oder Zapfen zur Aufnahme im Futter hat – kommt die Planscheibe zum Einsatz. Sie verfügt ebenfalls über ein M33-Gewinde. Sie wird mit Holzschrauben auf den Rohling geschraubt. So kann eine dauerhafte Verbindung zwischen Spindelstock und Werkstück geschaffen werden. Bei der Arbeit mit Planscheiben ist es wichtig, nicht in die Schrauben zu schneiden und die Schraubenlöcher nur in späteres Abfallholz zu bohren.

Quer- und Langholzdrechseln
Es gibt zwei grundsätzliche Möglichkeiten, das Holz zu bearbeiten: Längs der Wuchsrichtung oder quer dazu.
Das Drechseln längs der Wuchsrichtung ist das Langholzdrechseln. Die Lage der Fasern zum Werkzeug ändert sich bei der Rotation nicht. Gerade für Einsteiger ist das Langholzdrechseln deshalb etwas einfacher, da das Schnittverhalten homogener ist. Werkzeuge wie die Formröhre und insbesondere der Meißel dürfen nur für das Langholzdrechseln eingesetzt werden. Typische Werkstücke sind Kerzenständer, Stifte und die Griffe der Drechselwerkzeuge selbst.
Beim Querholzdrechseln verändert sich die Position der Fasern zum Werkzeug ständig. Der Schnitt erfolgt parallel zur Faser, schräg dazu und dann durch das Hirnholz – und das alles in einer einzigen Umdrehung schon zwei Mal. Für das Querholzdrechseln sind deshalb ausschließlich geeignetes Werkzeug zugelassen, das in der Regel deutlich größer dimensioniert und anders angeschliffen ist. Eine klassische Spielart des Querholzdrechselns ist das Schalendrechseln.
Die wichtigsten Werkzeuge
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Die Schruppröhre
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Mit ihr fängt (in der Regel) alles an. Die Schruppröhre bringt den (noch relativ unrunden) Rohling in Form. Sie ist dickwandig, und nimmt viel Holz auf einmal ab. Die Oberflächengüte lässt aber zu wünschen übrig, weshalb danach mit anderen Werkzeugen weitergearbeitet wird.
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Die Formröhre
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Der Name ist Programm: Mit der Formröhre bringen Sie im Längsholz alle erdenklichen Formen an. Konvexe und konkave Formen sind mit ihr möglich. Eine gut geschärfte Formröhre hinterlässt eine feine Oberfläche.
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Der Meißel
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Um den Meißel ranken sich viele Mythen. Von allen (Grund-)Werkzeugen ist er wohl die größte Diva und verzeiht keine Fehler. Die meist gerade Schneide schafft aber einzigartige glatte Oberflächen, die man mit keinem anderen Werkzeug erreicht. Geschickt eingesetzt können mit Ihm auch fast alle erdenklichen Formen ins Holz gebracht werden. Der Meißel ist deshalb eines der vielseitigsten Drechselwerkzeuge. Der Meißel darf ausschließlich beim Langholzdrechseln eingesetzt werden.
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Der Schaber
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Beim Schaber werden Sie lange nach einer scharfen Schneide suchen. Das Arbeitsprinzip ist ein ganz anderes: Ein feiner Grat an der Oberseite der Fase schabt kleinste Späne vom Holz. Ein Einhaken des Werkzeugs ist so weniger wahrscheinlich. Den Schaber gibt es in vielen verschiedenen Formen.
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Der Abstecher
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Der Abstecher arbeitet ebenfalls schabend. Er wird dafür eingesetzt, Nuten im 90°-Winkel zur Drehachse des Werkstücks ins Holz zu bringen. Daher auch der Name: Führt man diese bis zur ganzen Materialtiefe aus, trennt man das Werkstück – zum Beispiel vom Rest, der im Futter verbleibt. Der Abstecher kommt so bei fast jedem Projekt zum Einsatz.
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Die Schalenröhre
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Die Schalenröhre ähnelt in ihrer Form der Formröhre. Die Flanken sind allerdings höher, die Röhre ist meist dicker und länger. Auch der Griff ist deutlich größer als bei anderen Drechselwerkzeugen. Diese Eigenschaften sind dem Einsatzgebiet der Schalenröhre im widerspenstigeren Querholz mit seinen unterschiedlichen Faserrichtungen geschuldet.
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Drehzahl: Volle Kraft voraus? Beim Drechseln gilt in der Regel, dass schneller oft besser ist – es kommt, wie so oft, auf das Holz an. Ein guter Daumenwert als Ziel-Schnittgeschwindigkeit ist zwischen 7 und 10 Meter pro Sekunde. Die Schnittgeschwindigkeit, also das Tempo, mit dem der äußerste Bereich der künftigen Schale am Werkzeug vorbeirast, ist leicht zu berechnen. Die Formel nimmt unsere gewohnten Maße Millimeter (für den Werkstückdurchmesser) und Umdrehungen pro Minute auf, wie wir sie an der Drechselbank messen und ablesen. Multiplizieren Sie zunächst den Durchmesser (mm), die Drehzahl (U/min) und 3,142 (die Kreiszahl Pi) miteinander. Teilen Sie das Ergebnis dann durch 60.000: Das Ergebnis ist die Schnittgeschwindigkeit in Metern pro Sekunde.
Feine Oberflächen
Ist alles in Form, soll die Oberfläche natürlich (in der Regel) so gleichmäßig wie möglich werden. Gerade Drechselobjekte wie Schalen laden dazu ein, Sie auch anzufassen und mit den Fingern zu berühren. Da falle Kratzer und Unebenheiten schnell auf. Mit den richtigen Techniken sind sie aber gar nicht erst zu finden:
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Schleifen
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In den meisten Fällen wird die Oberfläche nach dem Drechseln geschliffen. Hier arbeiten Sie sich nach und nach durch die Körnungen hoch. Reduzieren Sie dabei aber die Geschwindigkeit der Drechselbank, wenige Hundert Umdrehungen pro Minute reichen. Das schafft feinere Oberflächen, vermindert die Bildung von Riefen und Brandspuren.
Beim Schleifen müssen Sie unbedingt absaugen. Außerdem sollten Sie eine rotierende Schleifscheibe einsetzen. Diese kann entweder in einen Akkuschrauber gespannt werden oder durch die Rotation des Werkstücks angetrieben werden. Eine sich bewegende Schleifscheibe verhindert die Riefenbildung im Holz, indem die Schleifkörner immer wieder in einer neuen Position mit dem Werkstoff in Kontakt kommen.
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Finaler Schnitt
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Eine sehr gut geschärfte Röhre oder ein fein geschliffener Meißel (im Langholz): Wenn alles in Form ist, können Sie mit dem „finalen Schnitt“ auch ohne Schleifmittel fein glänzende Oberflächen schaffen. Die Fase wird dabei mit etwas Druck auf dem Holz geführt. Dann nehmen Sie nur noch einmal einen Hauch Material ab, die dabei entstehenden Späne nennt man auch „Engelshaar“: Sie sollten so fein sein, dass sie beinahe durch die Werkstatt fliegen. Diese Technik braucht etwas Übung, frisch geschärftes Werkzeug und etwas Drechselerfahrung. Dann aber ist die Oberflächengüte unübertroffen.
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