Lesergalerie Tischlern
Umhängetasche
Tasche mit Klappdeckel aus Rüster mit Lederriemen zum Umhängen und Innenauskleidung aus Leder
Als Holzwerker will man natürlich auch eine Tasche aus Holz haben, auch wenn Taschen aus Leder oder Stoff leichter, bequemer und üblicher sind. Ich brauchte einen stabilen Transportschutz für ein Laptop.
Ich hatte einen kleineren Stammabschnitt aus selten gewordenem Ulmenholz (Rüster) bekommen. Mit der Bandsäge schnitt ich im Quartalschnitt dünne Brettchen daraus und verleimte diese aneinander. Alle erforderlichen Bretter wurden auf 11 mm Endstärke gehobelt. Es waren auch Äste im Holz, die in meinen Augen keine unerwünschten Fehlstellen bilden, wenn es sich nicht um abgestorbene Ausfalläste handelt.
Die Rückseite der Holztasche ist durchgehend, die Vorderseite hat etwa mittig ein Klappe, die sich nach unten öffnet, so dass man von oben an den Inhalt der Tasche herankommt. Die Schmalseiten sind konisch ausgeführt (115 mm unten, 93 mm oben) und über sichtbare Zinkenverbindungen mit der Vorderseite und der Rückseite verbunden. Der Boden ist in die Seiten eingenutet und wird mit dem Verleimen der Zinkenverbindungen unlösbar mit dem Korpus verbunden.
Die Oberseite ist zu fast zwei Dritteln mit einem an die Rückseite angeleimten und mit den Schmalseiten verzapften Brettchen verschlossen. Die Klappe ist über zwei angearbeitete, aus dem Vollen hergestellte 6-mm-Holzzapfen drehbar in den Seiten gelagert, die hierfür Bohrungen mit 5 mm Abstand zum Rand erhalten haben. Der Deckel hat noch ein angeleimtes Bettchen erhalten, das die Oberseite im geschlossenen Zustand um das fehlende Drittel ergänzt.
Die Tasche wurde mit einem 4 cm breiten Lederriemen zum Umhängen ausgestattet, der an den Schmalseiten eingelassen wurde. Hierzu wurden in die Schmalseiten Vertiefungen in etwa der doppelten Stärke des Leders eingelassen, die die Enden der Lederriemen komplementär aufnehmen. Die Riemenenden wurden schwalbenschwanzförmig zugeschnitten. Auf das Leder wurde ein dünnes Holzplättchen aufgelegt, das ebenfalls der Kontur des Lederriemenendes entspricht. Mit Glutinleim wurden die Riemenenden in die Vertiefung geleimt und gleichzeitig wurden die Holzplättchen mit dem Leder und dem Rand der Vertiefung verleimt. Nach dem Aushärten des Leims wurden die Holzplättchen eben gehobelt.
Die Holztasche bekam auch eine Innenauskleidung mit hellem Leder, das ebenfalls mit Glutinleim auf die Holzflächen aufgeklebt wurde. Das Leder wurde mit dem Furnierhammer angepresst und glatt gestrichen. Nach dem Aushärten des Leims wurde das Leder an den Innenecken des Korpus mit einem scharfen Messer unter Linealführung in einem Winkel von etwa 45° angeschrägt, so dass die Verzinkung trotz des Leders tadellos zusammenpasste. Die Nut zur Aufnahme des umlaufenden Falzes am Boden wurde um die Lederstärke breiter ausgeführt, so dass der Boden einschließlich aufgeklebtem Leder sauber in der Nut aufgenommen wird.
Zunächst war beabsichtigt, einen Zuhaltemechanismus in Form eines Magneten anzubringen, damit sich die Klappe nicht von alleine öffnet. Ich habe schließlich darauf verzichtet, weil der Deckel so ausgeführt werden konnte, dass er an den Schmalseiten etwas reibt und auch im oberen Doppelfalz etwas klemmt, so dass er nicht einfach von selbst öffnet. Außerdem wird der Deckel wegen der konischen Form durch seine Gewichtskraft zugehalten, wenn die Tasche senkrecht steht. Es hat sich als praktikabel erwiesen, die Tasche so umzuhängen, dass die Klappe gegen den Körper gerichtet ist und sich beim Tragen nicht unbeabsichtigt öffnen kann. Die Tasche wurde mit Schellack mehrfach überzogen. Sie ist sicher schwerer als eine Leder- oder Stofftasche und muss sorgfältig transportiert werden, um nirgends damit anzustoßen und keine Passanten zu verletzen. Die Schutzfunktion für den Laptop dürfte ausreichen.
- Ulmenholz
- Helles Rindsleder
- Lederriemen 4 cm
- Diverse Handwerkzeuge
- Bandsäge
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