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Selbstentzündung: Nur ein Ammenmärchen?

Verfasst von: Heiko Rech, Tischlermeister | 21.03.2017

Auf den meisten Ölen, mit denen man die Oberfläche von Holz behandeln kann, steht ein Hinweis zur Selbstentzündung. Manche Hersteller positionieren diesen Hinweis sehr auffallend, andere hingegen verstecken ihn regelrecht im Kleingedruckten. Viele Holzwerker sind sich der Gefahr, auf die dort hingewiesen wird nicht wirklich bewusst, oder handeln diese Selbstentzündung als Ammenmärchen ab. 

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Manche Hersteller machen die Gefahr sehr deutlich auf der Dose sichtbar. Manchmal muss man aber auch suchen.

Manche Hersteller machen die Gefahr sehr deutlich auf der Dose sichtbar. Manchmal muss man aber auch suchen.

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Aber was steckt nun wirklich dahinter und was ist mit der Selbstentzündung genau gemeint? Das ist eigentlich recht einfach. Aushärtende Öle wie zum Beispiel Leinöl oder Tungöl trocknen nicht, sondern sie vernetzen. Bei diesem Prozess entsteht Wärme. Bei einem Lack, der durch die Verdunstung von Lösemitteln trocknet, ist das beispielsweise nicht der Fall. Kann die entstehende Wärme nicht entweichen, entsteht unter Umständen ein Schwelbrand. Daher schreiben die Hersteller auf die Öldosen immer den Hinweis, dass man durchtränkte Lappen nicht zusammengeknüllt irgendwo liegen lassen soll. Denn genau das ist der typische Fall, bei dem der beschriebene Wärmestau entstehen kann. 

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Halböl ist gefährlicher als reines Öl

Halböl ist gefährlicher als reines Öl

Meine einzige eigene Erfahrung war dieser verschmorte Schwamm.

Meine einzige eigene Erfahrung war dieser verschmorte Schwamm.

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Noch gefährlicher sind Schwämme. Sie haben eine viel größere Oberfläche als Tücher und Lappen. Bisher hatte ich nur einmal einmal selbst einen Fall der Selbstentzündung beim Ölen. Und das war ein Schwamm, der mit Halböl, also einer Mischung aus Leinölfirnis und Balsamterpentin getränkt war. Lappen haben sich bei mir bisher nie entzündet oder gefährlich erwärmt. Jeder Versuch die Selbstentzündung absichtlich herbeizuführen scheiterte bei mir jedoch immer. Und genau das ist das wirklich gefährliche. Es müssen scheinbar ganz bestimmte Bedingungen erfüllt sein, damit sich ölgetränkte Lappen entzünden. Es passiert nur sehr selten. Daher unterschätzen viele Holzwerker die Gefahr. Es nutzt aber nichts, wenn ein Brand durch ölgetränkte Lappen statistisch gesehen sehr selten vorkommt, wenn es Sie dennoch erwischt.  

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Aufgetragenes Öl ist ungefährlich.

Aufgetragenes Öl ist ungefährlich.

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Ungefährlich sind übrigens geölte Flächen oder offenstehende Öldosen. Ein Wärmestau kann hier nicht entstehen. Ich habe einen Bekannten, der hauptberuflich bei der Feuerwehr tätig ist gefragt, ob es Zahlen dazu gibt, wie oft Brände durch ölgetränkte Lappen entstehen. Er konnte leider keine genauen Werte erfahren, aber er hatte bereits einige wenige Einsätze, bei denen sich im Nachhinein herausstellte, dass ölgetränkte Lappen die Brandursache waren. Seien Sie also dennoch immer vorsichtig und unterschätzen Sie die Gefahr der Selbstentzündung nicht. Es gibt einfache Mittel diese Gefahr zu bannen. 

  • Wenn Sie ölgetränkte Lappen noch einmal verwenden möchten, stecken Sie diese in ein luftdicht verschlossenes und nicht brennbares Gefäß. Ein Glas mit Schraubverschluss ist dazu gut geeignet.
  • Lappen, die nicht mehr verwendet werden sollen, trocknen am besten ausgebreitet an der Luft. Sind sie nach etwa einem Tag trocken, können sie im Hausmüll entsorgt werden.
  • Ein brandsicherer Mülleiner, wie man ihn von Tankstellen her kennt ist eine gute Investition für die Werkstatt. Darin können ölgetränkte Lappen kein Feuer fangen, da sich entwickelnder Rauch wieder nach unten geleitet wird und den Brand erstickt.
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Lappen und Schwämme können sich selbst entzünden.

Lappen und Schwämme können sich selbst entzünden.

Lappen kann man in einem verschlossenen Glas aufbewahren.

Lappen kann man in einem verschlossenen Glas aufbewahren.

Ein solcher Mülleimer erstickt jedes Feuer.

Ein solcher Mülleimer erstickt jedes Feuer.

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Es wird manchmal empfohlen, dass man die öligen Tücher in Wasser einweicht und dann entsorgt. Davon halte ich persönlich recht wenig, da es eine recht große Sauerei ist. Auch das Verbrennen im Werkstattofen lasse ich inzwischen sein, da ich mir nicht sicher bin, ob das gut für die Umwelt und den Kamin ist. Was ich bei größeren Mengen an getränkten Lappen schon mehrmals problemlos gemacht habe ist, dass ich die Tücher und Lappen in einen Müllbeutel gesteckt habe. Diesen habe ich so zugebunden, dass möglichst wenig Luft im Inneren war. Zur Sicherheit lagerte ich diesen Sack dann noch einige Tage im Freien an einem sicheren Platz. Danach kam der Sack dann in den Hausmüll.

Seit dem brennenden Schwamm vor einigen Jahren bin ich mit ölgetränkten Lappen und Schwämmen äußerst vorsichtig. Seither ist auch nie mehr etwas damit in meiner Werkstatt passiert. Es würde mich sehr interessieren, ob Sie vielleicht schon mal etwas ähnliches erlebt haben und wie Sie mit ihren öligen Lappen umgehen.

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