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Mut zur Lücke!

Verfasst von: Heiko Rech, Tischlermeister | 01.12.2015

Sicherlich ist ihnen das auch schon passiert. Trotz größter Sorgfalt wurde eine Gehrung nicht dicht. Beispielsweise an einem Rahmen. Nun kann man die Bauteile neu anfertigen, oder versuchen die Fuge mit irgend etwas zu verschließen. Vor allem das Verschließen funktioniert meist nicht sehr gut. Farbiges Wachs, Holzkitt oder gar Leim-Staub-Gemisch wird nur kurzzeitig den Fehler verdecken, aber später umso stärker auffallen. Denn das Holz dunkelt nach, das Füllmittel nicht.

Diese Gehrung ist nicht gelungen, kann aber noch ein wenig verbessert werden.

Diese Gehrung ist nicht gelungen, kann aber noch ein wenig verbessert werden.

Meist ist es bei solch einem Fall besser nach dem Wahlspruch "Was man nicht verstecken kann, sollte man hervorheben" vorzugehen. Im Falle der Gehrung bedeutet das, eine sogenannte Schattenfuge zu verwenden. Bei einer Schattenfuge wird die Leimfuge der Gehrung betont. Das kann man zum Beispiel dadurch erreichen, dass man an beide Stoßkanten eine Fase anbringt. Eine kleine Abrundung funktioniert auch. Das geht sogar noch nach dem Verleimen. Man braucht dazu einen Simshobel, den man vorsichtig im Winkel von ca. 45 ° durch die Fuge hindurchführt.

Mit einem Simshobel kann man auch nachträglich noch eine Schattenfuge erzeugen.

Mit einem Simshobel kann man auch nachträglich noch eine Schattenfuge erzeugen.

Mit einer Oberfräse und einem V-Nut-Fräser könnte man die Fuge ebenfalls bearbeiten. Man muss dann aber für eine gute und sichere Führung der Maschine sorgen. Wird die gefräste Fuge nicht gerade, hat man den Fehler sogar noch verschlimmert. Egal, ob Sie die Fuge mit der Maschine oder von Hand erzeugen, der Fehler ist natürlich immer noch vorhanden, aber er wird ein wenig kaschiert und fällt weniger auf.

Nicht wirklich schön, aber zumindest ein wenig besser als zuvor.

Nicht wirklich schön, aber zumindest ein wenig besser als zuvor.

Solche Schattenfugen verwenden Tischler sehr gerne. Auch wenn kein Fehler passiert ist. Denn vor allem bei Massivholz ist es oft schwierig, Bauteile ganz genau bündig zu machen. Wenn das Holz arbeitet, fallen bereits wenige zehntel Millimeter Versatz auf, die durch eben dieses Arbeiten entstehen können.

Eine betonte Fuge wirkt dann sozusagen vorbeugend. Die kleine V-Fuge sorgt dafür, dass auch minimale Versätze nicht mehr sichtbar sind. Auch ertasten kann man sie nicht mehr. Gleichzeitig kann man mit diesen Fugen auch eine Eckverbindung ganz bewusst betonen.

Bei diesem Rahmen ist die V-Fuge auch ein Gestaltungselement und hebt  den Verlauf der Rahmenhölzer deutlich hervor.

Bei diesem Rahmen ist die V-Fuge auch ein Gestaltungselement und hebt den Verlauf der Rahmenhölzer deutlich hervor.

Kleine Fugen und bewusst eingesetzter Versatz von Bauteilen ist auch ein gutes Stilelement um Konturen eines Möbels hervorzuheben. Der kleine Schatten, der an solchen Stellen entsteht, macht Konturen und Formen sichtbar, die ansonsten vom Holz und seiner Maserung regelrecht verschluckt würden.

Hier betont ein kleiner Falz die Schublade und die Füllung. Gleichzeitig fällt die notwendige Luft um die Schublade herum nicht mehr auf.

Hier betont ein kleiner Falz die Schublade und die Füllung. Gleichzeitig fällt die notwendige Luft um die Schublade herum nicht mehr auf.

Wenn sie sich einmal hochwertige Möbel, auch vergangener Epochen, ansehen, so werden Sie sehr oft Schattenfugen, kleine Falze und Rücksprünge entdecken. Denn dieses Stilmittel ist nicht neu. Bereits die alten Meister wussten um die Wirkung der Schattenfugen.

Zeigen sie also ruhig einmal "Mut zur Lücke"

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