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Aber bitte ohne Fransen!

Verfasst von: Heiko Rech, Tischlermeister | 05.12.2017

Tischler, die oft furnierte oder mit Kunststoff beschichtete Platten zu sägen haben, nehmen dafür meist Formatkreissägen oder Plattensägen mit Vorritzfunktion. Das sorgt für einen sauberen Schnitt. In Hobbywerkstätten sind solche Maschinen aber eher selten anzutreffen. Dennoch will man aber auch gelegentlich mit solchen Platten arbeiten und auch gute Ergebnisse bekommen. Und das geht auch. Allerdings muss man für den perfekten, ausrissfreien Schnitt einige Dinge beachten.

Richtiges Blatt, richtige Einstellung

Zunächst einmal gilt es das richtige Sägeblatt zu nehmen. Je mehr Zähne, umso besser – im Prinzip. Mehr als 60 Zähne bei einem Blatt mit einem Durchmesser von 250 Millimetern müssen es aber nicht sein. Noch mehr Zähne erhöhen den Schnittdruck und verschlechtern die Spanabfuhr. Es drohen unschöne Brandspuren. Bei der Zahngeometrie streiten sich die Geister. Es gibt spezielle Blätter mit sogenannter Hohl-Dachzahn-Geometrie, die für beschichtete Platten optimal geeignet sind. Diese Blätter sind aber teuer, nicht in allen Größen zu bekommen, sehr empfindlich und auch teurer im Schärfen, als herkömmliche Blätter. Die nachfolgenden Arbeitsweisen funktionieren bei mir alle mit herkömmlichen Wechselzahn-Blättern.

Auch die Vorschubgeschwindigkeit wirkt sich aus. Zu ungeduldig sollten Sie beim Sägen nicht sein. Sägen Sie lieber zu langsam, als zu schnell. Und hier kommt wieder das Argument für nicht zu feine Sägeblätter zum Tragen. Bei einem zu feinen Sägeblatt (Beispielsweise 80 Zähne bei einem Durchmesser von 250 mm) kann es schneller Brandspuren geben, als bei einem Blatt mit "nur” 60 Zähnen.

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Ein feines Sägeblatt ist bei Beschichtungen immer die bessere Wahl

Ein feines Sägeblatt ist bei Beschichtungen immer die bessere Wahl

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Ein weiterer wichtiger Punkt ist die richtige Einstellung der Hand- oder Tischkreissäge. Verfügt diese über eine Drehzahlvorwahl, wählt man die höchste Stufe, also die maximal mögliche Drehzahl. He höher die Drehzahl, umso besser das Ergebnis. Aber auch die eingestellte Schnitthöhe wirkt sich auf die Ergebnisse aus. Je flacher die Zähne des Sägeblattes aus dem Material austreten, umso weniger Ausrisse sind zu befürchten.

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Das Sägeblatt steht nur fünf Millimeter über

Das Sägeblatt steht nur fünf Millimeter über

Ergebnis bei niedrigem Sägeblatt und Furnier

Ergebnis bei niedrigem Sägeblatt und Furnier

Ergebnis bei niedrigem Sägeblatt und HPL-Beschichtung

Ergebnis bei niedrigem Sägeblatt und HPL-Beschichtung

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Bei einem sehr hoch eingestellten Sägeblatt treten die Zähne in einem steileren Winkel aus und es entstehen mehr Ausrisse. Das gilt sowohl bei der Hand- als auch bei der Tischkreissäge. Überdies ist ein weit herausstehendes Sägeblatt auch viel gefährlicher und die Späne werden schlechter abgesaugt.

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Ein sehr weit überstehendes Blatt sollte man vermeiden.

Ein sehr weit überstehendes Blatt sollte man vermeiden.

Ergebnis weit überstehendes Sägeblatt bei Furnier

Ergebnis weit überstehendes Sägeblatt bei Furnier

Ergebnis weit überstehendes Sägeblatt bei HPL

Ergebnis weit überstehendes Sägeblatt bei HPL

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Was man tunlichst vermeiden sollte, sind sehr knappe Schnitte oder das Nachschneiden von Platten. Läuft das Sägeblatt nicht ganz im Holz, sondern nur zum Teil, entstehen wieder mehr und stärkere Ausrisse. Das Holz und vor allem die Beschichtung werden dann nicht sauber durchtrennt, sondern teilweise heruntergedrückt.

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Ein solcher Schnitt führt meist zu unschönen Ausrissen.

Ein solcher Schnitt führt meist zu unschönen Ausrissen.

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Abkleben hilft auch

Sehr umstritten ist das Abkleben des Schnittes auf der Austrittsseite mit Klebeband. Bis ich durch Versuche herausgefunden habe, dass es auf das richtige Klebeband ankommt, dachte ich auch, dass es nicht funktioniert. Nimmt man ein PE- oder PVC-Klebeband, wie es im Trockenbau verwendet wird, hilft das wirklich Ausrisse zu verringern oder sogar ganz zu vermeiden. Und das funktioniert auch hervorragend bei sehr harten Beschichtungen und dem Sägen auf der Tischkreissäge.

Kaum eine Veränderung konnte ich feststellen, wenn ich den Schnitt mit Paketband oder Malerkrepp abgeklebt habe. Im Gegenteil, manche Klebebänder sind so hartnäckig, dass man die Rückstände kaum noch vom Holz bekommt.

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Nicht jedes Klebeband bringt wirklich eine Verbesserung

Nicht jedes Klebeband bringt wirklich eine Verbesserung

Ergebnis Klebeband bei furnierter Oberfläche.

Ergebnis Klebeband bei furnierter Oberfläche.

Ergebnis Klebeband auf HPL

Ergebnis Klebeband auf HPL

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Vorritzen: Die Geheimwaffe bei Handkreissägen

Bei einer Handkreissäge mit Führungsschiene ist das Vorritzen der Beschichtung die beste, mit bekannte Methode für wirklich saubere Schnitte. Dabei stellt man eine Schnitttiefe von maximal zwei Millimetern ein und sägt erst einmal rückwärts.

Sägen Sie auf keinen Fall rückwärts mit mehr als zwei Millimetern Schnitttiefe, das wäre viel zu gefährlich!

Nachdem dieser Schnitt gemacht ist, erfolgt der Trennschnitt wie gewohnt. Der Effekt ist, dass die austretenden Zähne des Sägeblattes keinen Kontakt mehr mit der Beschichtung bekommen und diese daher nicht ausreißt. Beim Vorritzen müssen Sie unbedingt sicherstellen, dass die Führungsschiene zwischen den beiden Schnitten nicht verrutschen kann. Durch das Vorritzen erhalten Sie sogar mit groben Sägeblättern ein sauberes Ergebnis. Das funktioniert aber nur mit der Handkreissäge.

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Die Schnitttiefe wird auf zwei Millimeter eingestellt

Die Schnitttiefe wird auf zwei Millimeter eingestellt

Der nur zwei Millimeter tiefe Schnitt wird im Gleichlauf gemacht.

Der nur zwei Millimeter tiefe Schnitt wird im Gleichlauf gemacht.

So sieht das Ergebnis des ersten Schnittes aus.

So sieht das Ergebnis des ersten Schnittes aus.

Nach dem Durchtrennen ist der Schnitt beidseitig splitterfrei.

Nach dem Durchtrennen ist der Schnitt beidseitig splitterfrei.

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Spezielle Funktionen bei Handkreissägen

Es gibt Handkreissägen, die spezielle Funktionen für das Sägen von empfindlichen Materialien bieten. So kann man bei den Sägen von Festool einen speziellen Splitterschutz montieren. Beim ersten eintauchen mit dem Sägeblatt, wird dieser eingeschnitten und verhindert Ausrisse auf der rechten Maschinenseite. Auf der Linken Seite des Sägeblattes soll der Splitterschutz der Führungsschiene Ausrisse verhindern. Ein Splitterschutz ist immer ein Verschleißteil und muss regelmäßig gegen einen neuen ersetzt werden.

Bei der Mafell MT55 gibt es eine Vorritzfunktion, die wie bei einer großen Formatkreissäge arbeitet. Beim Vorritzen entsteht ein Schnitt, der minimal (etwa 0,1 mm) breiter ist, als der Trennschnitt. Die austretenden Zähne des Sägeblattes haben dann keinen Kontakt zur Beschichtung. Der Schnitt ist beidseitig ausrissfrei. Der minimale Absatz an der Sägekante wirkt sich in der Praxis nicht aus. Mit einem kleinen Hebel kann man bequem zwischen Vorritzen und Trennen umschalten, ohne ständig die Schnitttiefe verändern zu müssen. Leider ist die Mafell MT55 die wohl teuerste Säge ihrer Klasse. Die Makita SP6000 hat auch einen solchen Umschalthebel, aber keinen breiteren Vorritz-Schnitt.

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Splitterschutz bei Festool Handkreissägen

Splitterschutz bei Festool Handkreissägen

Schneller Wechsel zwischen Vorritzen und Trennen.

Schneller Wechsel zwischen Vorritzen und Trennen.

Vorritzen wie bei einer Formatkreissäge: Das kann derzeit nur die Mafell MT55.

Vorritzen wie bei einer Formatkreissäge: Das kann derzeit nur die Mafell MT55.

Das Ergebnis beim Vorritzen mit der Mafell MT55

Das Ergebnis beim Vorritzen mit der Mafell MT55

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Dicht abschließende Tischeinlagen

Tischeinlagen aus Holz, welche das Sägeblatt dicht umschließen helfen ebenfalls Ausrisse zu vermeiden. Allerdings ist es nicht bei jeder Tischkreissäge möglich eine solche Tischeinlage zu benutzen. Auch bei Formatkreissägen kann man solche Einlagen nicht einsetzen. Darüber hinaus sind auch diese Einlagen als Verschleißteil zu sehen und müssen gelegentlich erneuert werden.

Vielleicht konnte ich Ihnen hier einige Tipps geben, wie Sie sich in Zukunft weniger über Ausrisse ärgern müssen. Es gibt noch weitere Möglichkeiten, wie das Vorritzen der Schnittkante mit einem scharfen Messer oder das Einschieben einer dünnen Sperrholzplatte in das laufende Sägeblatt an Stelle einer dicht schließenden Tischeinlage. Ich wollte Ihnen aber ganz bewusst Möglichkeiten aufzeigen, die unabhängig von der verwendeten Maschine funktionieren und sich in der Praxis bei mir bewährt haben. Wenn sie aber noch weitere Möglichkeiten kennen um ausrisse beim Sägen zu vermeiden, schreiben Sie es mir und den anderen Lesern als Kommentar.

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