Härtetest in der Werkstatt

Wie hart ist meine Werkzeugschneide wirklich? Ein Satz ganz besonderer Feilen verrät es.

60 HRC, 62 HRC, 64 HRC gar – Hersteller von Hobeln und Stechbeiteln preisen ihre Produkte gerne mit sehr hohen Werten auf der Rockwell-Härteskala. Doch wer kann das schon überprüfen? Niemand hat einen Prüfapparat zur Hand, der eine 120°-Diamantkegelspitze mit aufs Newton genau definierter Kraft in den Stahl drückt. Und die dabei misst, wie weit sich die Spitze eindrückt. Genau so aber wird nach der Methode "HRC" gemessen.

(Falls unter unseren Usern ein holzwerkender Materialprüfer mit Schwerpunkt Metallurgie ist – wir freuen uns auf Ihren Anruf! Wir hätten da einige Ideen für eine Zusammenarbeit.)

Heißt es bei kommerziell hergestellten Werkzeugen, dass man die Angaben einfach akzeptieren muss, stehen Hobby-Werkzeugmacher vor einem weitergehenden Problem. Ist das neue Hobeleisen oder der selbst gefertigte Drechselstahl ungefähr bei der Härte angelangt, die ich anstrebe?

Diese Frage stellt sich auch unser Autor Jan Hovens, der viele seiner Werkzeuge selbst herstellt. In Ausgabe 56 von HolzWerken zeigt er, wie er mit einfachsten Mitteln Kohlenstoffstahl selber härtet und anlässt. Das kann jeder ausprobieren – es macht wirklich Spaß! Hovens nutzt einen Satz Härteprüffeilen, um die Ergebnisse seiner Arbeit abschätzen zu können.

Jede der sechs Feilen hat eine definierte Härte. Beim Testen wird die härteste (mit ihren 64 bis 66 HRC) zuerst über den zu testenden Stahl geschoben. Greift sie nicht, ist der Stahl gleich hart oder gar härter – was beim Härten in Heimarbeit zunächst nicht zu erwarten ist. Greift sie, ist der Stahl weicher. Dann folgt die nächst weichere Prüffeile (60 bis 62 HRC) – und so weiter, bis eine Testfeile am Stahl abgleitet. Dieser liegt dann in der gleichen Härtezone wie die Härteprüffeile, und die ist über einen Farbcode am Werkzeug ablesbar.

Richtig exakt ist es nicht, aber für einen praxisorientierten Hobby-Härter reicht diese Prüfung: Über 55 HRC ist gut, über 60 sehr gut – alles nach dem Anlassen, versteht sich. Ist das Werkzeug nach dem Anlassen noch sehr hart, spricht übrigens einiges dafür, dass das Anlassen nicht geklappt hat (und der Stahl glashart und entsprechend spröde ist).

Ein Satz Härteprüffeilen ist nicht billig. Beim einzigen uns bekannten deutschen Anbieter des Satzes, den Jan Hovens in seinem Artikel für HolzWerken nutzt, kostet er über 200 Euro. Doch enthusiastischen Werkzeugmachern unter den Holzwerkern wollen wir diese Möglichkeit nicht vorenthalten.

Wissen. Planen. Machen. Das ist das Motto der Zeitschrift HolzWerken, dem Magazin für den Holzwerker.
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