Ausweg aus dem Oberflächen-Dschungel

Pure Herstellerfantasie: Melanie Kirchlechner spricht über ihr Buchprojekt "Oberflächen behandeln".

Die HolzWerken-Leser kennen die Tischlerin, Restauratorin und Holzkünstlerin Melanie Kirchlechner bereits seit langem als Autorin zahlreicher Artikel im Heft. Hier kann sie natürlich immer nur punktuell auf das Thema "Oberflächen behandeln" eingehen. Aus ihrer Erfahrung als Kursleiterin heraus merkte sie aber, dass es an der Zeit für sie ist, Ihr Wissen und Ihre Erfahrung geballt in einem gleichnamigen Buch zusammenzufassen. Im Interview, geführt von Redakteurin Redaktion HolzWerken, erfahren Sie einige spannende Details zu Kirchlechners erstem Buchprojekt.

HolzWerken: Melanie, im Herbst wird dein neues Buch "Oberflächen behandeln" im HolzWerken-Buchprogramm erscheinen. Kannst du kurz umreißen, welche Schwerpunkte das Buch behandelt?

Kirchlechner: Die Menge an Mitteln zur Oberflächenbehandlung von Holz ist riesig und für den Holzwerker ziemlich unübersichtlich. Meist ist man angesichts der Fülle in den  Bau- und Fachmärkten etwas ratlos, zu welchem der 100 Mittel man nun greifen soll. Mein Buch soll einen Überblick über die auf dem hiesigen Markt befindlichen Produkte geben, was durch genaue Beschreibung der unterschiedlichen Kategorien und Abgrenzung untereinander geschieht. Im Praxisteil wird in jedem Kapitel dann die optimale Arbeitsweise anhand von typischen Anwendungen genau erläutert.

HolzWerken: Was hat dich bewogen, ein Buch über dieses Thema zu schreiben?

Kirchlechner: Vor einigen Jahren begann ich, Kurse mit dem Thema: "Holzoberflächen behandeln, aber richtig!" zu halten und war selber erstaunt, wie groß das Interesse daran war und dauerhaft ist. Selbst Holzprofis, die fantastische Maschinenkurse geben, können ihren Kursteilnehmern nicht immer sagen, wie sie eine ganz bestimmte Oberflächenbehandlung hinbekommen. Da ich mich selber seit langem intensiv mit dem Thema Oberflächenbehandlung von Holz beschäftige, als Schreinerin, Restauratorin, Holzkünstlerin und Dozentin, ist es mir ein Anliegen, mein lange erworbenes Wissen zu teilen. Denn nichts ist schöner für mich, als andere auch für das wunderbare Material Holz zu begeistern und nichts frustrierender, als fertige Projekte mit der falschen Oberflächenbehandlung zu "verhunzen"!

HolzWerken: Welches Thema in deinem Buch begeistert dich am meisten?

Kirchlechner: Ich finde, dass mir das Kapitel "Öl" besonders gut gelungen ist. Denn diese Oberflächenbehandlung liegt mir besonders am Herzen, da sie die natürliche Schönheit von Holz betont. Aber auch das Kapitel "Holzeigenschaften" halte ich für elementar, denn wenn das Basiswissen über Holz fehlt, ist eine passende Verarbeitung viel schwieriger. Ich konnte auch einen sehr begabten jungen Künstler dafür gewinnen, mir einige aufschlussreiche Zeichnungen zur Struktur und zum Arbeiten von Holz zu machen, wie ich sie so noch in keinem anderen Fachbuch gesehen habe.

HolzWerken: Gibt es Oberflächen-Fragen, die du in deiner Tätigkeit als Kursleiterin immer wieder gestellt bekommst?

Kirchlechner: Ja, die gibt es tatsächlich. Viele Kursteilnehmer haben das Problem, dass ihre Oberflächenmuster und Versuche so gar nicht mit den Musterbrettchen der Hersteller übereinstimmen. Und das ist kein Wunder, denn die Proben werden meistens auf furnierten Sperrholzstücken präsentiert. Aber der "normale" Holzwerker arbeitet viel mehr mit Massivholz beziehungsweise mit Leimholz. Und da liegt dann das Problem, denn bei Leimholz treffen so unterschiedliche Holzstrukturen aufeinander, dass ein und dasselbe Oberflächenmittel auf jedem Holzstückchen anders reagiert und aussieht. Aber mit der entsprechenden Vorgehensweise und Vorbereitung des Holzes muss das alles kein Problem sein.

Foto: Johannes Kirchlechner

HolzWerken: Was ist das Erstaunlichste, auf das du bei deinen Recherchen zum Buch gestoßen bist?

Kirchlechner: Da gäbe es viel zu erzählen, aber am meisten wundert mich wohl, wie fantasievoll die Hersteller bei der Namensgebung ihrer Oberflächenmittel sind. Mir hat sich oft der Eindruck aufgedrängt, dass sie den Verbraucher nicht wirklich aufklären wollen über ihr Produkt, sondern eher verwirren, damit er keine Möglichkeit sieht, ihr Mittel mit dem anderer Hersteller zu vergleichen. Deswegen habe ich diesem Thema "Dschungel der Begriffe" auch ein eigenes Kapitel gewidmet.

HolzWerken: Was war die größte Herausforderung, vor die dich dein Buch gestellt hat?

Kirchlechner: Die größte Herausforderung war für mich, nicht nur meine Erfahrungen niederzuschreiben, sondern sie auch immer wieder auf ihre fachliche Richtigkeit und Allgemeingültigkeit zu überprüfen. Denn was sich in meiner Praxis als wirkungsvoll herausgestellt hat, muss nicht auf jeden anderen Fall übertragbar sein. Glücklicherweise waren viele Spezialisten renommierter Firmen bereit, mich an ihrem Spezialwissen teilhaben zu lassen, so dass, wie ich glaube, mein Buch eine "runde Sache" geworden ist.

HolzWerken: Dann freuen wir uns schon auf das Ergebnis deiner Arbeit! Vielen Dank, Melanie!

Hinweis: Das Buch "Oberflächen behandeln" kann ab sofort im HolzWerken-Webshop bestellt werden.

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