Lesergalerie Tischlern
Werkzeugvitrine
Eigentlich sollte es eine einfache und schlichte Werzeugvitrine werden aber es kam völlig anders.
Moin miteinander, ich begann mit meinem Projekt Hängevitriene im Herbst 2023.
Ich habe mich damals ein bisschen schwer getan mit der Planung der Vitrine weil einfach zuviele Ideen in meinem Kopf herrumschwierten.
Nach reiflicher Überlegung sollte es dann eine einfache und schlichte Werkzeugvitrine (in Weiß) zum aufhängen werden, aber wie so oft im Leben kam es dann völlig anders.
Da ich meine Projekte zu über 90 Prozent aus Altholz jeglicher Art baue habe ich das Holz von Nachbarn, Freunden, Verwandten und Be /Nichtbekannten überlassen bekommen.
Den Korpus der Vitrine wollte ich eigentlich schlicht halten wäre da nicht die schöne alte 22mm dicke Leimholzplatte aus Buche gewesen die ich kurz vorher geschenkt bekommen hatte.
Das war auch der Zeitpunkt wo sich der Plan einer schlichten Vitrine verabschiedet hatte weil wieder zu viele Ideen in meinem Kopf herumschwierten.
Eigentlich sollten nach dem Plan die Korpus Elemente per Dübel auf Stoß miteinander verbunden werden.
Wegen der Buche Vollholzplatte die ich bekommen hatte habe ich mich dann für Schwalbenschwanzverbindungen entschieden die zu allen Seiten des Korpus 5mm überstehen und unter 45° Grad von mir abgeschrägt wurden.
Sieht im Nachhinein gesehen wirklich toll aus, ist aber auch ein deutlich höherer Arbeitsaufwand für mich gewesen.
Leider passierte dann ca. 1,5 Jahre nichts mehr bis ich im April diesen Jahres die Korpusteile der Vitrine wieder hervorkrammte.
Leider hatte sich das Holz inzwischen etwas verzogen so das ich das Holz und die dazugehörenden Holzverbindungen nacharbeiten musste.
Mit einem Geizfuss habe ich Risse in die Seitenwände der Vitrine geschnitz.
Sie sollen Risse im Holz andeuten die mit Schmetterlingen aus Mahagoni zusammen gehalten werden.
Zusätzlich habe ich die Risse mit einer schwarzen K2 Spachtelmasse verfüllt.
Nachdem die Spachtelmasse getrocknet war habe ich die Seitenteile bis zur 120K. hochgeschliffen.
120 Körnung weil ich keine zu glatte oder rauhe Oberfläche haben wollte.
Danach habe ich die Seitenteile nur einmal mit Kirsche Antik u. ein bisschen Schwarz gebeizt.
Das gleiche habe ich mit den Ober- und Unterteilen der Vitrine gemacht allerdings nur in Schwarz.
Nachdem die Beize getrocknet war habe ich mit ein wenig Rosshaar die überschüßigen Pigmente von den Holzoberflächen entfernt.
Danach habe ich die Korpusteile der Vitrine mit einander verleimt und in einen rechten Winkel gezwungen. Den überschüssigen Leim habe ich sofort sorgfältig entfernt.
Während der Leim am Abbinden war hatte ich Zeit um mich um die Rückwand zu kümmern.
Ich besorgte mir eine auf Maß geschnittene 22mm dicke Multipplexplatte aus Birke.
Ich hatte die Idee das die Regalböden freischwebend in der Vitrine hängen.
Um das umsetzen zu können habe ich Nuten im Abstand von 17cm und einer Breite von 10mm und Tiefe 13mm in die Multiplexplatte gefrässt.
Die Aussenflächen der Vitrine habe ich anschließend mit einen Öl behandelt dass zum einen das Holz befeuert und wenn es abgetrocknet ist auch überstreichbar ist.
Nachdem die Flächen trocken waren habe ich hier und da mit einem Pinsel satt Olivgrün Farbe aufgetragen.
Es haben sich nach dem auftagen Farbnasen gebildet, was auch so gewollt war und mit einem Spachtel habe ich zusätzlich die Farbe verteilt.
Als auch dieser Farbauftrag abgebunden war habe ich mit einen stark ausgetupfften Pinsel den Farbton Eigelb leicht über die vorherige Farbe gestrichen.
Das habe ich so oft wiederholt bis ich zufrieden war.
In dem schon erwähnten Farbton Eigelb habe ich auch die Innenseiten der Vitrine dreimal lakiert.
Damit wollte ich einen warmen gelbton erreichen wenn die Innenbeleuchtung eingeschaltet ist, was mir auch gut gelungen ist.
Al nächstes habe ich mich um die Türrahmen gekümmert.
Hierfür habe eine gebrauchte 30mm Dicke Tischplatte aufgetrennt.
Nachdem ich den alten Klarlack mit einem Scraper no.80 entfernt hatte, habe ich die Rahmenteile von Hand auf Maß gehobelt.
Im nächsten Schritt habe ich wegen der Stabilität den Rahmenteilen eine Schlitz u. Zapfen Verbindung zukommen lassen.
Danach habe ich mit dem Falzhobel ein paar Falze für das Klavierband und die Fensterscheiben die später eingebaut wurden gehobelt.
Als die fertigen Rahmenteile für die Vitrienentüren im rechten Winkel miteinander Verleimt waren habe ich mit einem Stanley no.66 halbrund Profile an den Außenseiten der Vitrienentüren geschabt.
Eigentlich ist der Stanley no.66 zum Konturenschaben in Kiefernholz nicht so gut geeignet weil er hier und da wegen den Weichholzfasern in der Kiefer zu leichten Ausrissen neigt.
Aber genau das wollte ich hier erreichen, es sollte nicht genau und vor allem auch nicht neu aussehen.
Zur weiteren Veredelung der Vitrienentüren habe ich mir geschnitzte Holzaplikationen aus dem Versandhandel besorgt und an die Türrahmen geleimt.
Anschließend habe ich die Oberflächen der Türrahmen genauso veredelt wie die Oberflächen vom Vitrinenkorpus.
Die Türscheiben und Regalböden bestehen nicht Glas sondern aus Makralon.
Makralon hat ein paar tolle Eigenschaften:
1. Es ist deutlich leichter und stoßfester als Glas.
2. Es ist UV beständig und deutlich kratzfester als Plexiglas.
Als die Hängevitrine fertig an ihrem Platz hing gefiel sie mir Optisch nicht so gut.
Irgend etwas fehlte noch und ich fing wieder an darüber nachzudenken was das wohl sein könnte.
Nach einiger Zeit hatte ich die Idee einen Unterschrank unter die Hängevitrine zu bauen.
Es sollte ein kompletter Stihlbruch zum Oberschrank werden, alt sollte er aussehen aber edel.
Ich hatte vor einigen Jahren vier Tischbeine von einem alten Kartenspieltisch (Jugendstil) geschenkt bekommen. Ich wollte unbedingt zwei Beine davon für den Unterschrank verwenden.
Der Korpus vom Unterschrank sollte drei Schubladen beherbergen.
Außen vom Unterschrank jeweils eine kleine Schublade ohne Schubladengriffe und mittig vom Schrank eine große mit zwei Griffen.
Ausserdem sollte die mittlere Lade 2cm
tiefer eingelassen sein als die äußeren Schubläden.
Darum habe ich die Wandungen und die Schubladenblenden der beiden äußeren Schubläden auf Gährung geschnitten.
Das hat den Vorteil das ich die mittlere und eng eingepasste und nach hinten versetzte Schublade ausziehen kann ohne das sie seitlich Kontakt mit den beiden äußeren Schubladen bekommt und diese im ungünstigsten Fall mit rauszieht.
Ein weiterer Vorteil dieser Bauweise ist das die beiden äußeren Schubläden wegen Gährungsschnitte und der fehlenden Griffe nicht als Schubläden erkannt werden.
Um das zu erreichen muss man sehr genau arbeiten.
Bevor es an die Umsetzung ging habe ich von alten Kieferplatten die ich vom Sperrmüll hatte den alten Lack sehr gründlich entfernt weil ich den Unterschrank komplett in Schwarz beizen wollte.
Nachdem ich den Unterschrank zusammen gesetzt hatte musste ich mit zwischenschliffen das Holz vier mal mit schwarzer Beize beizen.
Das lag daran das dass harzhaltige Holz der Kiefer nicht sofort die Beize annahm sonder erst nach und nach.
Trotzdem sah man nach dem trocknen der Beize hellere und dunklere Stellen im Holz.
Um einen einheitlichen Farbton zu erreichen habe ich anschließend den Unterschrank zweimal mit einen stark farbbefeuernden Öl eingerieben und das Ergebnis ist einfach toll, jetzt hatte ich eine einheitlich schöne tiefschwarze Oberfäche.
Um ein wenig Kontrast in die schwarzen Oberflächen zu bekommen habe ich wieder geschnitzte Holzaplikationen verwendet. Bevor ich sie anbrachte habe ich sie farblich so gestaltet das eine Verbindung zur Vitrine bestand.
Die Umrandung der Schubladenfronten habe ich mit einem Profilhobel aus Eiche hergestellt und anschließend wie die Holzaplikationen farblich angepasst und verbaut.
Zum Abschluss habe ich den Unterschrank mit einer farbigen Wachspolitur in Palisander eingerieben.
Als diese getrocknet war habe ich die gewachsten Flächen so lange mit einer Bürste bearbeitet bis die schwarzen Oberflächen seidenglänzend waren.
Die Holzaplikationen habe ich mit einen Wachspinsel leicht betupft und nach dem trocknen gebürstet bis sie leicht glänzten.
Nachdem ich den Vitrinenschrank aufgebaut habe war ich über das Ergebnis mehr als überrascht, ich fand das es so völlig anders ist, aber auch genial.
Eine tolle Erfahrung.
Euer Jörg Trebbe 🤩
- Altholz
- Farbe
- Öl
- Wachs
- Beize
- Makralon
- Kreppband
- Holzleim
- Klavierbänder
- Dübel
- Griffe
- Alte Fensterlibelle
- geschnitzte Holzaplikationen
- Nutenfräse
- Tischkreissäge
- Stanley no.66 u. 80
- Profilhobel
- Falzhobel
- Schrauzwingen
- Doppelhobel
- Schneebesen,Bohrleier
- Bohrer
- Schlichthobel
- Schroophobel
- Kl. Raubank
- Gr. Raubank
- Japansägen
- Versch.Stecheisen
- Geissfuß
- Linieal
- Zollstock
- Bleistift
- Schleifpapier
- Anreißmesser
- Reissmaß
- kl.Winkel
- Gährmaß
- Zinkenschablone
- Zimmermannswinkel
- Schleifpapier
- Feile
- Ziehklingen
- Schabhobel
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