Schaben, warum denn nicht?

Schabend Drechseln in allen Variationen: Nicht nur für Anfänger eine interessante Möglichkeit

Schaber mit Wechselklingen gibt es schon seit mindestens einem Jahrzehnt. Der Südafrikaner John Bond sah aber noch großen Verbesserungsbedarf und produziert unter dem Namen "Blackline Tools" Schaber-Sets. Vertrieben werden sie jetzt auch in Deutschland von Drechselbedarf Schulte. Wir haben einen Satz der Größe "Midi" mit vier Haltern und einem Griff getestet. 

Geliefert wurde eine sehr wertige Lederhülle mit dem Blackline-Logo. Wechselbare Hartmetall-Plättchen, von einer Schraube gehalten, liegen formschlüssig in ihren Haltern. Das ist schon ein Indiz für einen aufwändigen Fertigungsprozess. Das Heft packt die Werkzeughalter rundum mit einer kräftigen Spannzange. Die 3,2 mm dicken Hartmetall-Plättchen sind laut Blackline eigens für den Holzeinsatz gefertigt. Sie haben einen Keilwinkel von 85° und können daher auch mit anliegender Fase genutzt werden. HM-Plättchen aus dem Metallbereich, die sonst oft für Drechselschaber hergenommen werden, können das wegen ihres viel kleineren Keilwinkels nicht.

Vier Formen haben die Schaber von Blackline Tools: Kreis, Quadrat, spitze Raute und "bauchiges Dreieck". Mit diesen Ausführungen lassen sich die allermeisten Drechselaufgaben im Lang- und Querholz gut meistern. Schabend statt schneidend, was Puristen in Mitteleuropa bisweilen die Nase rümpfen lässt. Tatsächlich lassen sich schneidend meist bessere Oberflächen erzielen als schabend. Dennoch: Im Rest der Welt ist Schaben eine völlig normale Technik.
Schaber-Sets wie die von Blackline Tools schaffen vielen Einsteigern und Gelegenheitsdrechslern schneller Erfolge, als sie sie mit Röhren und Meißeln erreichen können. Sie nehmen einige nötige Dreh- und Schwenkelemente aus der Gesamtbewegung heraus, zum Beispiel das Eindrehen der Röhre mit dem Handgelenk. Blackline Tools treibt das mit seinen Schabern auf die Spitze. Die runden Werkzeughalter, laut Hersteller gehärteter Stahl, sind unten abgeflacht, so dass sie sich sozusagen platt auf der Werkzeugauflage legen. Der Anwender muss sich also keine Gedanken über die Werkzeugdrehung machen. Beim Drechseln kommt man sich dann fast so vor wie ein menschlicher Kreuzsupport, der nur noch auf zwei Achsen agieren muss. (Ein Anstellen der Schneiden zum so genannten Shear Scraping ist aber dennoch möglich.) Diese Verringerung der Komplexität kann Drechselneulingen helfen, über die ersten Hürden zu kommen. Durch den Einsatz der Wechselklingen entfällt auch die Beschäftigung mit Schneidengeometrien – und mit dem Thema Schärfen überhaupt. Weil zunächst kein Schärfgerät angeschafft werden muss, relativiert sich der Preis der vier Werkzeuge (335 Euro) womöglich etwas. Ersatzschneiden kosten momentan um die 18 Euro. 

Mehr Infos: www.drechselbedarf-schulte.de

Der mit 85° große Keilwinkel ermöglicht es dem Drechsler, die Fase am Holz anliegen zu lassen.

 

Die abgeflachte Partie unten am Werkzeughalter gibt einen "platten" Einsatz des Schabers gleichsam vor. Das Ergebnis: Gut zu steuernder Abtrag, kurze Späne, recht gute Schnittqualität.

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