Neuer Kombi-Hobel von Veritas: Qualität hat ihren hohen Preis

Werkzeugfeinschmecker kommen hier auf ihre Kosten, müssen aber auch tief in die Tasche greifen.

16 schimmernde Rändel-Muttern und -Schrauben, makellos pulverlackierte schwarze Guss-Teile, sauber gefräste Kufen, ein Griff aus thermisch behandeltem Ahorn, mittendrin ein sehr langes, scharfes und standhaftes ¼-Zoll-Eisen aus A2-Stahl: Der neue Kombinationshobel von Veritas lässt Herzen von Werkzeug-Feinschmeckern höher schlagen. Gleichzeitig kann der Preis einem den Atem rauben: Knapp 400 Euro sind für das neueste Spitzenmodell der Kanadier auf den Tisch zu legen. Ist der 1,8 Kilogramm schwere Kombinationshobel das wert? HolzWerken hat ihn eingehend getestet.

Klar ist: In Sachen Entwicklergrips und Fertigungsqualität hat Veritas sein historisches Vorbild, den Stanley No. 45, weit übertroffen. Hier verschiebt oder verstellt sich nichts, auch bei hartem Einsatz, ganz anders als beim alten Stanley. Beide Werkzeuge beherrschen Nuten (bis 3,2 mm schmal), Fälze (bis 25 mm breit), Federn, Hohlkehlen und unterschiedliche Profile. Zu beachten ist, dass nur ein Nuteisen im Veritas-Karton liegt, jedes weitere Eisen muss für je rund 20 Euro separat gekauft werden. Auch metrische Nut-Eisen gibt es.

Der neue Kombinationshobel besteht aus einem Grundkörper mit Griff, 45°-Eisenhalterung mit seitlicher Führungsschraube sowie Feineinstellung. Hinzu kommt ein Hilfskörper, der zum Einspannen breiter Eisen benötigt wird. Diese beiden Teile sind jeweils mit einem Tiefenanschlag und einem Vorritzer (für Arbeiten quer zur Faser) ausgestattet. Verschiebbar verbunden werden sie durch zwei Führungsstangen. Zwei Paar davon sind im Paket enthalten, 127 und 203 Millimeter lang.

Grund- und Hilfskörper tragen je einen Vorschneider und dahinter einen Tiefenstopp, um sauberes und maßgenaues Hobeln zum Beispiel von Nuten zu ermöglichen.

Ebenfalls auf den Führungsstangen sitzt der Anschlag. Neben der deutlich exakteren Verarbeitung und der deutlich verbesserten Handhabung steckt hier die dritte starke Verbesserung. Der Anschlag hat eine tadellos funktionierende Feineinstellung, die eine Verschiebung um einen Viertelmillimeter nicht mehr zu einem ewigen Hin und Her macht.

Mit der sehr praktischen Feineinstellung des Anschlags krönt Veritas die Verwandlung des historischen "Combination Plane" in ein sehr gut und exakt nutzbares Werkzeug von heute.

Das Anschlagteil kann von beiden Seiten aufgeschoben werden, was die Arbeitsrichtung ändert. Das ist gut bei Ausrissen und für Linkshänder. Etwas belustigt hat uns die Tatsache, dass Veritas als Premium-Hobelhersteller eine eher grobschlächtige Anschlagverlängerung aus braunem Thermo-Ahorn verbaut. Gerade ist sie zwar, aber ungefast, unbehandelt und voller Sägespuren.

Dem Spaß im Einsatz tut das indes keinen Abbruch. Der schnell eingestellte Hobel kann die Oberfräse bei einzelnen Stücken in Sachen Tempo sogar schlagen. Doch Werkzeugfans geht es ohnehin eher um die Muße und die Ruhe bei der Arbeit mit einem solchen Handhobel der Spitzenklasse. Das wird geboten, und das von uns getestete 6,3-mm-Eisen (Viertelzoll) erledigt die Arbeit sauber und präzise. Die fein einstellbaren Tiefenstopps stoppen den Fortgang genau im richtigen Moment. Wichtig ist natürlich, dass auch jede der zahlreichen Befestigungschrauben und -muttern festgezogen ist.

Ist das alles 400 Euro wert? Für Hardcore-Handarbeiter und Werkzeugfans womöglich ja. Für den Otto-Normal-Holzwerker wird es trotz der geballten Qualität schwer, eine solche Ausgabe für einen Spezialhobel zu rechtfertigen.

Fotos: Redaktion HolzWerken

Mehr Infos: www.feinewerkzeuge.de, www.dictum.de

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