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Ein Tisch für Strategen und Handwerker

Eine Person hält ein Teilelement der Plattenabdeckung des Tisches in den Händen. Darunter ist der Blick auf den Spieltisch frei.

Wer Tisch sagt, meint meist: essen, arbeiten, zusammensitzen. Doch was, wenn sich ein Tisch mit wenigen Handgriffen in eine Bühne für epische Brettspielabende verwandelt? Unser Bauprojekt aus HolzWerken 124 zeigt, wie sich anspruchsvolle Holzbearbeitung mit spielerischer Funktionalität verbinden lässt – und das auf einem Niveau, das ambitionierte Holzwerker begeistert.


Foto: Veronika Zenz

Foto: Veronika Zenz

Der vorgestellte Brettspieltisch ist weit mehr als nur ein Möbelstück. Er ist ein durchdachtes Multitalent, das Alltag und Hobby elegant miteinander verbindet. Im Alltag dient seine hochwertige Massivholzplatte aus Kirschbaumholz als solider Essplatz für sechs Personen. Doch unter der Oberfläche wartet ein vertieftes Spielareal, das mit Spielmatte, modularem Zubehör und cleverem Schutzkonzept punktet. Hier erhalten Sie alle Infos, die Sie zum Nachbau des Zubehörs benötigen.

Tisch wie vom Tischler

Die Konstruktion ist kein Schnellschuss, sondern ein echtes Projekt für Könner. Gratleisten aus Aluminium sorgen dafür, dass sich die massiven Abdeckplatten nicht verziehen – leicht genug, um sie bequem zu handhaben, stabil genug, um dauerhaft in Form zu bleiben. Für den sicheren Halt und die exakte Ausrichtung der Platten sorgen verdeckt eingelassene Magnete und formschlüssige Falze. Selbst verschüttete Getränke stellen kein Risiko dar: Ein integriertes Ablaufsystem leitet Flüssigkeit vom wertvollen Spielmaterial ab.

Der Bau dieses wandelbaren Möbels verlangt Präzision – und belohnt mit Spielfreude. Exakt gefräste Gratnuten, passgenaue Verbindungselemente und modulare Einbauten machen aus ihm einen echten Hingucker und Dransitzer. Wer gerne mit Schablonen arbeitet, wird hier auf seine Kosten kommen: Die Einstellung der Nutbreiten erfolgt millimetergenau über eine clevere Konstruktion mit Gewindestangen – eine Herausforderung, die Spaß macht.

Auch in puncto Gestellverbindung geht HolzWerken-Autorin Veronika Zenz eigene Wege. Klassische Schlitz-und-Zapfen-Verbindungen treffen auf moderne, zerlegbare Elemente mit Einschraubmuttern und Gewindestangen. Das Ergebnis: ein stabiler, aber transportfreundlicher Aufbau, der auch bei mehrmaligem Auf- und Abbau nichts an Passgenauigkeit verliert.

Die Liebe zum Detail zeigt sich auch in den versteckten Extras: Ein eingelassener Metallrahmen ermöglicht das Einhängen von Getränkehaltern und Materialablagen – ideal für lange Spielrunden. Wer die digitale oder die Printausgabe bereits besitzt und vielleicht auch den Tisch bereits geplant oder gebaut hat, kann sich hier noch mit den Bauanleitungen für das Zubehör eindecken.

Plattenhalterung – kompakt und sicher

Ein Brettspieltisch, der sich im Handumdrehen vom Esstisch zum Spieletisch verwandeln lässt, ist ein echtes Highlight. Doch, wohin mit den zusätzlichen Tischplatten, wenn Karten, Würfel und Spielfiguren die Hauptrolle übernehmen? Mit wenig Aufwand entsteht in nur einer Stunde Bauzeit diese elegante und praktische Lösung.

Der Plattenhalter ist gefüllt mit den Tischplatten des Spieletischs.

Foto: Veronika Zenz

Die hier vorgestellte Halterung überzeugt durch ihre Schlichtheit und Funktionalität: Mit einer Höhe von nur 5,5 cm und einem Grundmaß von 32 × 38 cm verschwindet sie bei Nichtgebrauch unauffällig im Spielekeller des Tisches oder im Regal. Trotz ihrer kompakten Maße bietet sie genügend Stabilität, um die Tischplatten zuverlässig und kippsicher aufzubewahren.

Und so wird sie gebaut:

Schneiden Sie sechs Halteleisten (40 × 30 mm) zu. Runden Sie die oberen Kanten der Leisten mit einem Radiusfräser deutlich ab – das verhindert Druckstellen an den Platten.

Bemaßte Skizze für den Bau einer Plattenhalterung.

Illustration: Veronika Zenz

Leimen und verschrauben Sie dann die Leisten an der Grundplatte. Um gleichmäßige Abstände sicherzustellen, fertigen Sie sich eine kleine Vorrichtung: Eine Leiste, die etwa 3 mm dicker ist als die Tischplatten, funktioniert perfekt. Ein Abfallstück von der Tischplatte mit aufgeklebtem Karton erfüllt denselben Zweck. Diese Leiste gibt den Abstand vor und wird mit einer Hilfsplatte verschraubt.

Der Platenhalter für den Tisch wird verleimt.

Foto: Veronika Zenz

Fixieren Sie die erste Halteleiste am Rand der Grundplatte, legen Sie die Vorrichtung an und montieren Sie die nächste Leiste. Prüfen Sie dann, ob die Platte gut gehalten wird. Eventuell können sie jetzt noch Änderungen an der Abstandsvorrichtung vornehmen. Sind Sie zufrieden, verleimen und verschrauben Sie so nach und nach Leiste für Leiste. Fräsen Sie die mit etwas Übermaß zugeschnittene Grundplatte abschließend mit dem Bündigfräser bündig.

Eine Frau trägt Leim auf ein Werkstück auf.

Foto: Veronika Zenz
Eine Frau schraubt die Leisten für die Tischplattenhalterung von hinten fest.

Foto: Veronika Zenz

Tipp: Wer die Flanken der Halteleisten zusätzlich mit dünnem Filz belegt, schützt die Kanten der Tischplatten noch besser.

Mehr Platz am Tisch – Getränkehalter & Tablare

Nichts stört das Spielvergnügen mehr als verschüttete Getränke oder Krümel auf dem Spielbrett. Abhilfe schaffen einfache Anstecklösungen, die flexibel in eine Schiene an der Tischzarge eingehängt werden. Getränkehalter und Tablare erweitern die Spielfläche um praktische Ablageplätze – Gläser, Flaschen oder Snacks bleiben so sicher am Rand.

Bau eines Getränkehalters

Für den klassischen Getränkehalter brauchen Sie lediglich eine rechteckige Grundplatte:

Bemaßte Skizze für den Bau eines Getränkehalters.

Illustration: Veronika Zenz

An der Ständerbohrmaschine sägen Sie mit Lochsäge oder Kreisschneider eine runde Öffnung aus – passend zu Ihren Gläsern.

Detailbild: Die runde Aussparung im Getränkehalter wird am Bohrständer gebohrt.

Foto: Veronika Zenz

Schneiden Sie an der Vorderkante mit der Handsäge einen Schlitz, durch den sich auch Stielgläser elegant einhängen lassen.

Der gelochte Getränkehalter wird am vorderen Rand aufgesägt.

Foto: Veronika Zenz

Die Maße in der Zeichnung sind Vorschläge – richten Sie sowohl den Durchmesser der Kreisöffnung als auch die Schlitzbreite nach Ihren eigenen Gläsern.

Praxis-Tipp:
Den Innenkreis können Sie mit einem selbstgebauten Schleifzylinder perfekt glätten. Verwenden Sie dazu einfach das kreisrunde Abfallstück, das beim Aussägen der Öffnung entstanden ist. Sägen Sie zunächst mit der Handsäge einen etwa zwei Zentimeter tiefen Schlitz in die Scheibe. Schneiden Sie anschließend ein Stück Schleifpapier in passender Breite zu und fixieren Sie ein Ende im Schlitz. Danach wickeln Sie das Papier stramm um die mit doppelseitigem Klebeband beklebte Scheibe und klemmen das zweite Ende ebenfalls im Schlitz fest. Nun bohren Sie ein Loch durch die Mitte der Scheibe, stecken eine Gewindestange hindurch und sichern diese mit Muttern. Spannen Sie den so entstandenen Schleifzylinder in den Bohrständer ein, und schon können Sie die Innenradien gleichmäßig und sauber ausschleifen. Ein untergelegtes Holzstück sorgt dafür, dass die Gewindestange beim Arbeiten nicht am Tisch anschlägt.

Detailbild: Die runde Aussparung im Getränkehalter wird am Bohrständer geschliffen.

Foto: Veronika Zenz

Noch mehr Möglichkeiten

Mit einem Einsatz aus Edelstahl wird der Getränkehalter vielseitiger: So finden nicht nur Gläser, sondern auch Dosen, Flaschen oder kleine Snacks sicheren Halt. Fertige Einsätze aus Edelstahl sind im Handel leicht erhältlich – ein kurzer Blick in der Suchmaschine Ihres Vertrauens nach ‚Getränkehalter Edelstahl‘ genügt.

Der fertige Getränkehalter ist am Tisch montiert.

Foto: Veronika Zenz

Bau eines Tablars

Als praktische Ergänzung zum Getränkehalter lassen sich für den Spieletisch auch Tablare anfertigen. Sie werden – genau wie die Getränkehalter – einfach in die vorhandene Schiene an der Zarge eingehängt. Damit entsteht zusätzliche Ablagefläche, auf der Snacks oder Spielmaterialien sicher Platz finden, ohne das eigentliche Spielfeld zu stören.

Die Grundlage bildet wieder eine rechteckige Holzplatte, die durch eine Taschenfräsung funktional gestaltet wird. Diese Vertiefung sorgt dafür, dass Gegenstände auf dem Tablar nicht so leicht verrutschen. Gefräst wird die Tasche mit der handgeführten Oberfräse – präzise, sauber und in gleichmäßiger Tiefe.

Bemaßte Skizze für den Bau eines Tablars.

Illustration: Veronika Zenz

Um ein exaktes Ergebnis zu erzielen, lohnt es sich, eine Schablone anzufertigen. Auf dieser wird die Oberfräse mithilfe einer Kopierhülse sicher geführt. Die Schablone besteht aus einem Rahmen mit untergeschraubten Leisten zur Ausrichtung.

Eine Vorrichtung zum Fräsen der Tablare, daneben liegen ein gerade gefrästes Werkstück, ein Gehörschutz und eine Oberfräse.

Foto: Veronika Zenz

Um zu verhindern, dass die Oberfräse abkippt, wird diese mit einer größeren Grundplatte ausgestattet. Alternativ können Sie die Schablone auch temporär mit einem Stück Holz verkleinern, sodass die Oberfräse gut abgestützt ist. Verschieben Sie dieses Abstützholz nach dem Fräsen der einen Hälfte der Aussparung um die zweite Hälfte zu fräsen.

Das Werkstück liegt in der Vorrichtung zum Fräsen des Tablars, daneben eine Oberfräse.

Foto: Veronika Zenz

 

Tablar und Getränkehalter Einhängen

Damit Getränkehalter und Tablare in die Schiene eingehängt werden können, erhalten sie die zur Schiene passenden Bodenträger auf dem Labos-System von Häfele. Diese klemmen in einem Schlitz im Hirnholz, welcher idealerweise 2,7 mm breit ist. Am präzisesten gelingt dies mit einem Scheibennutfräser am Frästisch.

Alternativ lässt sich der Schlitz auch mit einem Schmalschnitt-Sägeblatt an der Tischkreissäge einbringen. Dabei werden die Bretter hochkant am Anschlag entlanggeführt. Achten Sie unbedingt auf Ihre Sicherheit: Verwenden Sie stets eine Andruckhilfe, etwa eine Hobellade, um Ihre Finger aus dem Gefahrenbereich zu halten.

Ein Werkstück vor dem Auftrennen hochkant auf einer Kreissäge.

Foto: Veronika Zenz

Doch was tun, wenn kein Werkzeug für die 2,7-mm-Schlitzbreite verfügbar ist? Kein Problem: Auch in einem 3-mm-Schlitz sitzt der Bodenträger unserer Erfahrung nach zuverlässig. Wer ganz auf Nummer sicher gehen möchte, kann ihn zusätzlich im Schlitz verkleben.

Bei der Montage der Bodenträger ist die Hinterzange der Hobelbank eine ideale Hilfe. Sie drückt die Bodenträger in die Schlitze, ohne die Pulverbeschichtung zu beschädigen.

Ein Werkstück aus europäischem Kirschbaumholz eingespannt in eine Hobelbank.

Foto: Veronika Zenz

Damit sind die Getränkehalter und Tablare einsatzbereit und können im Tisch eingehängt werden.

Hier gibt’s noch die Materialliste im Überblick:

Screenshot der Materialliste für das Zubehör zum Brettspieltisch

Foto: Redaktion HolzWerken

Tischlein – ich bau dich!

Dieser Tisch ist kein Schnellprojekt für zwischendurch – sondern ein langlebiger Begleiter für Spielende und Holzwerker mit Anspruch. Dieses Projekt ist in HolzWerken 124 erschienen. Dort erhalten Sie einen vollständigen Bauplan mit übersichtlichen Illustrationen, Materiallisten und Bezugsquellen sowie eine ausführliche Schritt-für-Schritt-Anleitung.

Wer also sein nächstes Holzprojekt mit einer Extraportion Taktik, Technik und Tischkultur angehen möchte, sollte sich diesen Bauplan nicht entgehen lassen. Bereit für die nächste Runde?

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