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Veritas nach altem Vorbild

Unter dem Namen „Eclipse“ kennen Holzwerker diese Schärfführung seit Jahrzehnten: Zwei Backen klemmen das Eisen von den Seiten, eine darunter sitzende Walze rollt über den Stein. Der Winkel des Werkzeugs auf dem Schärfstein bleibt konstant – denn darum geht es, um schnell und effektiv schärfen zu können. Das Prinzip ist also einfach und bewährt. Sehr viele Hersteller aus aller Welt haben eine Variante der günstigen „Eclipse“ im Programm.

Die Kanadier von Veritas bisher nicht. Das Unternehmen aus Ottawa ist seit Jahrzehnten mit seiner Schärfhilfe „Mk II“ sehr erfolgreich. Und die klemmt mit einer Art Balken von oben. Wir bei HolzWerken fanden diese Vorrichtung aber immer zu verkopft und umständlich zu bedienen. Es ist das einzige Produkt von Veritas, das wir nach einiger Zeit wieder aus der Werkstatt verbannt haben.

Veritas ist bekannt dafür, klassische Werkzeugentwürfe genau zu analysieren. Am Firmensitz in Ottawa gibt es eine riesige Sammlung historischer Werkzeuge. Und daher verwundert es nicht, dass Veritas mittlerweile eine eigene Eclipse-Version mit stark verbesserten Eigenschaften am Start hat. Sie ist mit 58 Euro etwas günstiger als die Grundvariante der Mk. II.

Gebaut ist die „Seitenklemm-Schärfhilfe“ aus Aluminium, Messing und rostfreiem Stahl. Zwei parallele Backen bewegen sich entlang einer Gewindestange aufeinander zu, sodass das Eisen stets zentriert über der Messingrolle sitzt. Eingespannt werden Stemmeisen und Hobeleisen mit Breiten von 3 mm bis 63,5 mm. Zwei Klemmhöhen gibt es – eine obere für lange und flach angeschliffene Eisen, eine untere für kurze und dickere. An den Seitenflanken schräg zulaufende Eisen kann der kanadische Neuling aber nicht packen. Damit hat die Eclipse-Bauart generell Probleme.

Die kanadische Eclipse-Variante kostet deutlich mehr als doppelt so viel wie all die generischen Nachbauten auf dem Markt. Lohnt sich das? Nach dem Einsatz in der HolzWerken-Werkstatt finden wir: Ja! Die Mechanik hat deutlich weniger Spiel, die Auflageflächen der Eisen sind sauber und müssen nicht mühsam plangefeilt werden. Und: Veritas formt die beiden Backen unterschiedlich: Eine ist (von oben gesehen) als Nase geformt, die andere hat eine entsprechende Vertiefung in der Mitte. So kommt es zu einer Dreipunkt-Klemmung. Sie nimmt etwas unregelmäßig geformte Eisen viel sicherer auf als parallele Spannflächen. Und apropos Klemmung: Es empfiehlt sich immer, Führungen dieser Bauart nicht nur von Hand festzuziehen, sondern mit einem Werkzeug nachzuspannen. Die Eclipsen inklusive des 150-Euro-Edelnachbaus von Lie-Nielsen setzen hier auf einen simplen Schlitz. Veritas macht es, wie wir finden, eleganter mit einem Innensechskant in der gerändelten Handschraube. Außerdem schlau: Für den immer nötigen Eigenbau der Einspannlehre (regelt den Überstand der Werkzeuge) druckt Veritas eine 1:1-Vorlage in die Bedienungsanleitung.

Nicht nur daher unser Fazit:  Eine gut durchdachte und deutlich verbesserte Eclipse-Variante, die den Preis rechtfertigt.

Mehr Infos: www.feinewerkzeuge.de

Dieser Text stammt aus der Kategorie „Neues für die Werkstatt“ aus Ausgabe 130. Die Seitenklemm-Schärfhilfe wurde von der Redaktion regulär erworben.

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