Ein Wiederanlaufschutz sorgt dafür, dass Maschinen nach einem Stromausfall ausgeschaltet bleiben, bis sie bewusst neu gestartet werden. Das verhindert gefährliche Situationen durch unkontrolliertes Wiederanlaufen.
Moderne Absauganlagen haben so einen Wiederanlaufschutz, denn die Norm verlangt es. Dumm nur, dass damit jede Automatisierung scheitert. Dabei stellen wir in der Holzwerken-Ausgabe 125 genau dafür viele schöne Möglichkeiten vor!
Es gibt jedoch eine clevere elektronische Lösung, die Wiederanlaufschutz bietet und trotzdem alle Möglichkeiten der Fernsteuerung eröffnet. Die präsentieren wir hier ausführlich.
Eine elektronische Lösung für den Wiederanlaufschutz einer Absauganlage, bei der ein Shelly 1 (kleines WLAN-Schaltmodul) ein Schütz (Relais für hohe Ströme) ansteuert. Es ermöglicht so sowohl Fernsteuerung als auch das ungewollte Wiederanlaufen.
Im Weiteren werden die nötigen Schalteinstellungen, der elektrische Aufbau sowie die sicherheitstechnischen und normativen Grenzen dieser praxisnahen, aber nicht normkonformen Lösung erläutert. Uns ist wichtig zu betonen: Diese Arbeiten müssen von einem Elektriker ausgeführt werden!
Funktionsweise der elektronischen Schaltung
Grundaufbau (siehe Schaltplan)
Die 230V-Netzspannung (rote Leitungen) versorgt sowohl den Shelly 1 als auch das Schütz ESC225. Der Shelly steuert nur die Schützspule über den separaten Steuerstromkreis (gelbe Leitungen). Der Hauptstromkreis (grüne Leitungen) liefert die Power zur Absauganlage.
Der Schaltvorgang im Detail:
- Befehl empfangen: Ein Eingabegerät (Smartphone, Smartwatch, WLAN-Taster) oder eine Steuerungssoftware wie Home Assistant sendet per WLAN einen Schaltbefehl an den Shelly 1.
- Steuerimpuls senden: Das interne Relais im Shelly schließt dann wie ein handbetätigter Taster für eine kurze Zeit den Steuerstromkreis, indem er die Schaltkontakte I und O elektrisch miteinander verbindet.
- Schütz aktivieren: Über die gelben Steuerleitungen liegt nun 230V an den Klemmen A1 und A2 der Schützspule, die Folge: Das Schütz zieht an und hält sich selbst in diesem Zustand.
- Hauptleitungen freigeben: Die Hauptkontakte werden dadurch geschlossen, die grünen Leitungen führen Spannung zur Absauganlage.
Die kritische Konfiguration
Damit der elektronische Wiederanlaufschutz denselben Schutz liefert, müssen im Shelly-Webinterface zwei Parameter korrekt eingestellt werden. Diese Einstellungen entscheiden darüber, ob die Lösung sicher ist oder nicht.
Auto-Off auf 1000ms: Der Shelly sendet nur einen kurzen Impuls, nicht dauerhaft Spannung. Nach 1000 Millisekunden öffnet das interne Relais im Shelly wieder. Das Schütz bleibt aber über seine eigene Selbsthalteschaltung aktiv – genau wie bei der klassischen Lösung auch.
Power-On Default auf „OFF“: Mit dieser Einstellung startet der Shelly nach einem Stromausfall immer im ausgeschalteten Zustand. Die Schützspule bleibt spannungslos, die Absaugung erhält keinen Strom – echter Wiederanlaufschutz.
Installation & Sicherheit – Ein ehrlicher Blick
Die Realität:
Shelly und ähnliche Smart-Home-Module sind nicht für sicherheitskritische Steuerungen zertifiziert. Normgerecht wäre ein spezielles Sicherheitsschaltgerät nach DIN EN 60204-1. Das kostet das Drei- bis Vierfache und lässt sich nicht per App steuern.
Praktische Einordnung:
Diese Lösung bewegt sich in derselben Grauzone wie viele andere Werkstatt-Modifikationen: funktional sinnvoll, technisch solide, aber formal nicht normkonform. Ähnlich wie selbstgebaute Schutzvorrichtungen oder modifizierte Anschläge.
Technische Umsetzung:
Der Elektriker benötigt eine 230V-Zuleitung zu einem separaten kleinen Schaltkasten (meist in Nähe der Absauganlage). Darin werden Schütz und Shelly untergebracht – kein Eingriff in die Hauptverteilung nötig. Von dort führt die geschaltete Leitung zur Absauganlage.
Hier sind die alle nötigen Verbindungen im kleinen Schaltkasten zu sehen.
Ein Wort zur Verantwortung konkret:
- Werkseitiger Schutz wird ersetzt: Eigenverantwortung liegt bei Ihnen
- Installation: Elektriker erforderlich (230V-Ebene)
- Dokumentation der Änderung empfehlenswert
- Bei Schäden mögliche Versicherungsfragen
Fazit:
Dies ist keine Lösung für kommerzielle Betriebe. Hobbyanwender müssen selbst abwägen, ob ihnen die Vorteile das Normkonformitäts-Risiko wert sind.
Komponenten & Kosten
Das Hardware-Paket:
Für die elektronische Lösung braucht es nur zwei Hauptkomponenten: einen Shelly 1 (aktuell Gen3, rund 25 Euro) und ein einphasiges Schütz mit 230V-Spule (je nach Hersteller 25-40 Euro). Dazu kommt ein Kleinverteiler als Gehäuse (15 bis25 Euro) plus Installationsmaterial.
Schütz-Auswahl:
Das Schütz muss zur Leistung der Absauganlage passen. Für typische Hobbywerkstatt-Absauganlagen (bis 3.000 Watt) reicht ein 16A-Schütz. Die Spulenspannung sollte 230V AC sein – dann kann der Shelly direkt ansteuern.
Gesamtkosten:
Rund 70 bis 90 Euro für die komplette Hardware. Dazu kommt die Elektrikerzeit für Installation und Verdrahtung.
Fotos: Hans-Jürgen Kompalla
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