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02. Jul 2021 //

Schwalben und Zinken in Rekordzeit - Das erste Mal mit der Laubsäge

Dominik Ricker

Man muss doch wirklich nicht jeden Trend mitmachen. Aber manchmal ist "das haben wir schon immer so gemacht" auch die falsche Einstellung.

In der Ausbildung habe ich gelernt, dass der Grund von Zinken, Schwalben und Schlitz weggestemmt wird. So hat es der Meister gelernt, so steht es im Lehrbuch.
Über Jahre habe ich diesen Arbeitsablauf geübt, bis ich mit der benötigten Zeit und dem Ergebnis zufrieden war.
Vor einigen Jahren sah ich eine Technik von Frank Klausz, einem ungarischer Tischler, der weltweit für seine Schwalbenschwanzverbindungen in Rekordzeit berühmt wurde.
Mit einem dünnen Schweifblatt in seiner Gestellsäge hatte er den Überstand in Sekunden entfernt. Gegebenenfalls wurde der Grund noch einmal sauber nachgestemmt - fertig.
Mittlerweile dürften Laubsägen oder im englischen “fretsaws” vielen bekannt sein.
Doch mit den klapprigen Laubsägen aus dem Werkunterricht in der Grundschule haben viele dieser Sägen nichts mehr gemeinsam. Eloxierte, CNC-gefräste Gestelle und aufwendige Klemmmechanismen wirken neben Holzhobel und Knochenleim einen kleinen Hauch futuristisch.
Ich bin ehrlich: Ich wollte nicht wahrhaben, wie gut und schnell die Ergebnisse sind. Statt diese Sägen auch auszuprobieren, habe ich mir eingeredet, es wäre nicht die traditionelle Technik und damit schon fast geschummelt.
Vor kurzem konnte ich mein Ego beiseiteschieben und habe mir eine Laubsäge bestellt.
Die hier verwendete Laubsäge kostet mit einem Satz Sägeblätter um die 30€
und sollte mir für den Einstieg genügen. Der erste Eindruck ist gut, abgesehen vom Kunststoffgriff, der wohl bald einem aus Holz weichen wird.

Da ich im Laufe der Jahre immer wieder Sägeblätter der Japansäge verbogen habe, bin ich hinsichtlich der dünnen Sägeblatter doch etwas misstrauisch. Da diese aber immer im 5er-Pack kommen, wird es wohl auch anderen Anwendern so gehen.
Das Einlegen der Sägeblätter ist etwas fummelig und auch das Spannen ist ein wenig gewöhnungsbedürftig.

Der glatte Kunststoffgriff ist bei Arbeiten mit schwitzigen Händen leider nicht so optimal, die Rändelschrauben dürften gerne etwas größer sein.
Das Blatt ist an den Enden abgeflacht und bietet so Kontaktfläche für die Klemmbolzen.
Alle Theorie ist grau, hinein in die Praxis. 23 mm Iroko sollen zeigen, ob sich die kleine Säge nicht doch eher für Arbeiten in Pappel arbeitet.
Die erste Ernüchterung: Die Ausladung der Säge reicht nicht, um mittig zu sägen.
Beim Kauf würde ich zukünftig daher unbedingt auf eine größere Ausladung achten.
Zur Erklärung: Bei einer Ausladung von 150mm kann ein maximal 300mm breites Werkstück gezinkt werden.
Das Verdrehen des Sägeblattes um 90° ist zumindest in dieser Variante nicht möglich, da zu wenig Auflägefläche zum Spannen besteht.

Egal wie stramm gespannt wurde: Bereits bei leichtem Druck hängt das Sägeblatt nach.
Ich hab es wirklich mit aller Kraft versucht, aber die Bandspannung ist nicht ausreichend.
Dennoch geht das Blatt gut durch das Iroko. In unter 10 Sekunden ist der Zinken entfernt.
Zurück bleibt ein minimaler Rest, da ich bewusst 1mm über dem Riss gesägt.
Ein Abdriften ist durch das schmale Band fast unmöglich, wenn es verläuft, kann man es schnell wieder korrigieren.

Das Stecheisen wird am Grundriss angesetzt und entfernt mühelos den Überstand.
Ergebnis: Sehr zufriedenstellend in Rekordzeit
Ich muss zugeben, diese Arbeit hat wirklich Spaß gemacht. Mühelos, schnell, sauber - was will man mehr. Die geringe Ausladung mag bei einigen Sägen problematisch sein, zur Not kann dann immer noch gestemmt werden.

Übrigens lernt man hier in Deutschland, dass zuerst die Zinken und dann die Schwalben ausgearbeitet werden… wer weiß, was sich dort draußen noch so für Varianten finden lassen. Aber dazu vielleicht mal ein andermal mehr ;)

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2 Kommentare

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Unbekannter Nutzer

08. Jul 2021

Habe etwas vergessen: Heute wird das Zinken so gelehrt. In alten Büchern sind sowohl erst die Zinken, dann die Schwalben als auch die umgekehrte Arbeitsweise erklärt. Das Wissen der Techniken geht eben verloren.

Unbekannter Nutzer

08. Jul 2021

Hallo Dominik, ja im Lehrbuch steht, das die Zinken ausgestemmt werden. In alten Lehrbüchern taucht aber die Zinkensäge auf, deren Blatt in der Gestellsäge gespannt ist und ca. ab der Mitte um 90° gedrecht ist. Mit dieser Säge wurde erst eingeschnitten und dann in einem Zug der Verschnitt angeschnitten. Problem ist auch dabei das Verlaufen des Blattes, sodass bei "guter Arbeit" immer nachgestemmt werden musste. Die Laubsäge ist daher kein neuer Hype. Und Du benötigst nicht eine Säge mit größerer Ausladung, sondern eine mit drehbaren Angeln oder Sägeblätter, die in alle Richtungen schneiden. Ich bliebe lieber beim Stemmen.

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