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18. Jun 2021 // Dominik Ricker

Handgemachte Japansägen im Detail

Dominik Ricker

In vielen Werkstätten mittlerweile fester Bestandteil: Die Japansäge. Im heutigen Blog ein paar Informationen zur Herstellung und offensichtliche Unterschiede zur industriellen Massenware.

Japansägen haben sich sowohl in privaten Werkstätten, als auch im Gewerbe durchgesetzt.
Die dünnen Blätter, die Schärfe und lange Standzeiten haben Fuchsschwanz und Gestellsäge größtenteils abgelöst. Über Vor- und Nachteile kann gerne an anderer Stelle gestritten werden.
Die hohe Nachfrage hat zu einer weitestgehend industriellen Fertigung geführt.
Ich bin vor kurzem in den Besitz zweier handgefertigter Ryoba gelangt und möchte hier
ein paar optische Unterschiede zur Industrieware zeigen
Ein Sägeblatt, ein Heft. Japanische Werkzeuge sind Puristen.
[Vorab sei gesagt: Handgefertigtes Werkzeug ist meist wesentlich teurer und liefert nicht zwingend bessere Ergebnisse. Vor allem Ungeübte sollten lieber auf industrielle Sägen zugreifen.
Handgefertigte Sägen werden durch Erhitzen im Ofen und anschließendes Abschrecken im Ölbad gehärtet. Lediglich der Übergang von Sägeblatt zu Angel (der Teil der Säge, der in den Griff gesteckt wird) wird anschließend wieder weich geglüht, um die Bruchgefahr zu reduzieren.
Hier lauert in der Anwendung auch die größte Gefahr: Hart bedeutet in der Regel auch spröde. Während Industrieware bei einer Fehlnutzung einen Knick bekommt, brechen die handgefertigten Sägen. Daher geben viele Händler den Hinweis, diese Sägen sehr behutsam anzuwenden.
Industrielle Japansägen sind nur partiell gehärtet, bzw. dort, wo es zwingend erforderlich ist: An den Sägezähnen. Moderne Verfahren wie das Induktionshärten ermöglichen gezieltes Härten, während das Stammblatt flexibel bleibt. Manche Sägezähne laufen dabei an den Spitzen leicht an.
Alles Handarbeit… oder nicht? Die Sägezähne werden auch bei handgefertigten Sägen maschinell gestanzt. Die leichten Unregelmäßigkeiten ergeben sich durch das händische Schärfen mit der Feile.
Eingeschlagene Liebesgrüße aus Japan? Wahrscheinlich ist eher der Name der Schmiedestädte und des Schmieds.
Die moderne Alternative greift auf Lasergravur zurück.
Das Schmieden und Härten der Sägeblätter hinterlässt seine Spuren. Diese werden abgeschliffen oder abgeschabt. Nun müssen die dünnen Metallbleche noch gerichtet werden.
Dies geschieht durch das prüfende Auge des Schmieds und seine gezielten Hammerschläge. Blickt man genauer auf das Sägeblatt, zeigen sich die vereinzelten Hammerschläge. Bei der Industrieware sind diese nicht immer gut zu erkennen, aber wesentlich gleichmäßiger.

Handgefertigte Säge (mittig unten)…
und industriell gefertigte (mittig unten, mittig).
In der Anwendung sind die durchgehärteten Sägen etwas schnittreuer und nachschärfbar.
Das sind auf dem Papier für mich die einzigen Vorteile.
Dem gegenüber steht der Mehrpreis, Bruchgefahr und meist dickere Sägeblätter, die einen höheren Sägewiderstand ergeben.
Industrieware mag zwar nicht so viel Emotionen auslösen, aber das schafft dann vielleicht auch der schöne Faserverlauf im Holz und die Freude über das von uns geschaffene Möbelstück ;)

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