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03. Jun 2022 // Dominik Ricker

Die Vorgänger der Lochreihe - passgenau und ästhetisch

Dominik Ricker

"Das kann man doch schnell mit dem Akkuschrauber machen!" Nur allzu gern wird die Komplexität einzelner Arbeitsschritte als "kein Problem" eingeordnet. Vier Löcher auf die exakt gleiche Höhe zu bekommen ist daher durchaus eine Herausforderung im privaten Hobbykeller - da lohnt der Blick aufs Altbewährte.

Zugegeben, technisch ist das System 32 mit der bekannten Lochreihe genial.
Es braucht nur einen Bohrer und Bodenträger lassen sich beliebig positionieren.
Beim letzten Kundengespräch fiel der Spruch “Falls es Geld spart, mache ich die Lochreihen hinterher noch selber mit dem Akkuschrauber”.
Auch wenn ich mir innerlich gerne den Schweizer Käse angesehen hätte, der dabei herausgekommen wäre, konnte der gute Mann davon überzeugt werden, diese Arbeit doch besser auch von der der Tischlerei durchführen zu lassen.
So einfach die Lochreihe auch aussieht, sie erfordert ein hohes Maß an Präzision, da pro Reihe vier Löcher auf exakt einer höher gebohrt werden müssen. Minimale Abweichungen äußern sich dann durch einen klappernden Einlegeböden.
CNC und Multipress (ein Bohrautomat, der mehrere Bohrungen gleichzeitig ausführen kann) sind vor allem in Tischlereien verbreitet, in der Privatanwendung ist die Herstellung per entsprechender Führungsschiene und Oberfräse noch am genauesten.
Ich persönlich drücke mich bei dem Entwurf meiner Möbel meist vor der Lochreihe, da ich
in meinem bisherigen Leben noch nie die Höhe meiner Regalfächer ändern wollte und mich die Optik noch nie begeistern konnte. Eine Bohrung, die nicht genutzt wird, lässt mich innerlich immer ein wenig Zucken.
Für ein kommendes Projekt braucht es auf Wunsch der Kundin jedoch eine Lösung.
Eine simple Lösung verspricht diese Variante hier zu sein:

Eine Nut statt zwei Löchern. Bei diesem Möbel wurden die Wangen aufgedoppelt, um die Statik nicht zu beeinträchtigen.
Nachteil dieser Variante: Auch hier gibt es optisch den Eindruck von “da fehlt doch was”.
Bei größeren Einlegeböden müssen die Nuten dann auch entsprechend tief gefräst werden, was der allgemeinen Statik nicht zuträglich ist, bzw. erhöhten Aufwand bedeutet, wenn man die Fachböden fälzt. Auch wenn nun nur noch zwei Höhen zu treffen gilt, gibt es auch hier die Gefahr von Maßabweichungen, die nur schwer zu korrigieren sind.

Der Vorgänger der Lochreihe: Die Zahnleiste.
Roland Heilmann zeigt in Ausgabe 85 die Herstellung der Zahnleiste und auch diese gebohrte Variante ist eine spannende (bzw. tragende) Idee: https://www.holzwerken.net/artikel/archiv/zahnleisten-es-muss-nicht-immer-eckig-sein

Für wenig Geld gibt es allerdings auch Zahnleisten als Meterware, mit etwas Gück im Fachhandel oder sogar Baumarkt, definitiv aber im Internet.
Bei antiken Möbeln, die häufig in Stollenbauweise gefertigt wurden, konnte die Zahnleiste samt Riegel wie auf dem Foto zu sehen bündig zum Längsfries eingesetzt werden.
Doch auch bei der Verwendung von Plattenmaterial kann die Zahnleiste zum Einsatz kommen und einfach aufgeschraubt werden. Großer Vorteil der Zahnleiste:
Sollte es einen Versatz geben, können die Schrauben gelöst und die Höhe korrigiert werden. Zudem können Belastungen durch schwere Gegenstände wie Bücher oder Porzellan besser aufgenommen werden.
Auch wenn Geschmäcker bekanntlich verschieden sind, ist die Zahnleiste für mich ein schönes Detail, dass man nicht unbedingt hinter Türen/Klappen verstecken muss.
Vielleicht ist die Zahnleiste auch für euer nächstes Projekt die Lösung aller Probleme.

HolzWerken Ausgabe 101

Einzelheft Zeitschrift

HolzWerken 101 Juli/August 2022

Sommerliche Projektauswahl: Nutzen Sie den Holzschwund beim Trocknen von Grünholz und fertigen Sie eine Dose aus frischem Holz ganz ohne Leim. Wer lieber drechselt, der findet hier einen praktischen Ständer für Tassen, Brezeln, Schmuck oder ähnliches - gut geeignet auch als Einsteigerprojekt! Mal was ganz anderes bieten die Hocker mit gewebter Sitzfläche: Dominik Ricker zeigt, wie aus einfachen Stollenkonstruktionen echte (und bequeme) Unikate werden. Außerdem im Heft: - Verbindungen Teil 2: Chinesischer Gehrungszapfen - Forstnerbohrer: Aufbau, Einsatz und Besonderheiten - Spezial: Gründung eines Makerspace - Selbst gebaut: Schiebehilfe mit Abrutschsicherung - Krenov-Schrank Teil 2: Besondere Details und Hingucker - Profilhobel im Einsatz: Handgehobelter Bilderrahmen - Sicherheit bei der Oberfräse: Fräs-Fernbedienung per Stecker

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