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01. Okt 2021 // Dominik Ricker

Alternativen zur Eiche, Esche und Ahorn - Einheimische Exoten

Dominik Ricker

Der Blick muss nicht Richtung Tropenholz wandern, um eine Alternative zu den üblichen Verdächtigen zu finden.
Ob Gesellenstück, Antiquität oder stolzer Beitrag auf den sozialen Kanälen:
Gefühlt werden immer die gleichen Holzarten verwendet.
Eiche ist seit Jahren wieder sehr beliebt, Eschenholz begeistert mit seinem Falschkern,
Ahorn für helle Möbel, Nussbaum für dunkle (und teure) Möbel.
Kirschbaum-Möbel sind vor allem aus Biedermeierzeiten bekannt, weitere Obsthölzer sind für den Möbel meist eher ungeeignet.
Wer mal etwas anderes, als die üblichen Verdächtigen verarbeiten möchte, ist gedanklich schnell bei Tropenholz.
Doch auch in unseren Regionen tümmeln sich noch ein paar durchaus interessante Alternativen, welche preislich meist zwischen 900-1.300€ netto pro Kubikmeter liegen.

Birkenholz. Die günstigere (und aus meiner Sicht schönere) Alternative zu Ahorn.
Birke ist ein helles Holz mit dezenter Maserung. Das Holz ist etwas weicher als Ahorn,
für den Möbelbau jedoch vollkommen ausreichend. Lediglich stark genutzte Oberflächen wie bspw. Tischplatten würde ich nicht unbedingt aus Birke bauen.
Bei der Bearbeitung mit dem Handhobel neigt die Birke eher zu Ausrissen, bei der Maschinenarbeit habe ich noch keine Probleme feststellen können.
Birke zählt wie die Erle zu den Pionierbäumen und findet sich oft in Gegenden, die für die meisten Laubhölzer keine Wachstumsmöglichkeiten bietet.
Als harte und ebenfalls helle Alternative eignet sich auch die Hainbuche, auch Weißbuche genannt (welche botanisch übrigens zu den Birkengewächsen gehört :-) )

Erle: Hellrot mit schwarzen Sprenklern.
Erlenholz hat eine sehr schwache Maserung und nimmt Beize gut an. In der Vergangenheit hat man es daher gerne zur Imitation von Ebenholz genommen.
Allerdings ist es nicht annähernd so hart, eher im Gegenteil.
Ähnlich wie Pappeln, Weiden und Birken findet man Erlen oft in Wassernähe.
Während Birke und Erle noch eine ausreichende Festigkeit besitzen, sind Pappel und Weide jedoch zu weich für den Möbelbau.
Bei der Behandlung mit Öl zeigt sich Erle durstig, beim ersten Auftrag also ruhig etwas großzügiger sein.

Platane: Rötlich, mit vielen Glanzpunkten durch Markstrahlen
Vielen ist die Platane vor allem als Blickfang in städtischen Alleen bekannt. Die schuppige Rinde und die Blätter ähnlich des Ahorns sind charakteristisch für diesen Baum.
Platane wirkt von den hier vorgestellten Hölzern mit Abstand am exotischsten. Die vielen kleinen Markstrahlen lassen das Holz vor allem im Radialschnitt wunderschön aussehen und erinnern mich ein wenig an Rosenholz. Die Härte ist vergleichbar mit Buchenholz und daher nun endlich auch mal für den Bau von Tischplatten geeignet.
Die Verfügbarkeit ist nicht bei jedem Holzhändler gegeben, die Preise können daher auch mal etwas höher ausfallen.

Kastanie: Die Verfärbung zeigt deutlich den Gerbsäureanteil
Kastanie, um genau zu sein die Edelkastanie, ist zu den edleren Hölzern zu zählen.
Die Vorkommen sind gering und die Bearbeitung etwas anspruchsvoller, da das spröde Holz zu Ausrissen neigt. Vor allem größere Flächen können sich daher als Herausforderung erweisen, da hier ein Faserwechsel wahrscheinlich ist.
Optisch unterscheidet es sich kaum von Eiche, der Farbton ist etwas wärmer und das Splintholz nicht ganz so weiß wie das der Eiche. Durch den Gerbsäureanteil eignen sich Kastanienmöbel auch für den Außenbereich. Alternativ und für weniger Geld eignet sich übrigens auch Robinienholz hervorragend für den Außenbereich.
Für den Außenbereich ungeeignet, aber dafür wunderschön ist übrigens auch Rüster, das Holz der Ulme.

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