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12. Jul 2016 // Heiko-Rech

Wenn‘s mal länger wird

Das Verleimen langer Bauteile kommt seltener vor, als man denken mag. Schränke oder Rahmentüren werden meist quer gepresst, auch wenn sie hoch sind. Da reichen dann Schraub- oder Klemmzwingen mit einer Spannweite von unter einem Meter aus. Manchmal braucht man aber eben doch mehr Spannweite und dann sind entsprechende Spannmittel gefragt. Es müssen dann aber nicht unbedingt die langen Schraubzwingen sein. Denn diese haben durchaus auch Nachteile:

  • Sie sind teuer
  • Sie sind sperrig und lassen sich schwer verstauen
  • Sie sind für kleinere Bauteile zu unhandlich und werden daher nur selten benutzt.
  • Sie sind schwierig anzusetzen, wenn man alleine arbeitet.

Da ich momentan ein Möbel baue, bei dem ich vor der Problematik stehe lange Bauteile zu verleimen, ergreife ich die Gelegenheit und zeige Ihnen einige Alternativen zu überlangen Schraubzwingen. Aber nicht alle funktionieren wirklich gut.

Zwingen miteinander verschränken

Die Notlösung, die auch vielen Schreinern bekannt sein dürfte ist das Ineinanderhaken oder Verschränken von zwei kürzeren Zwingen. Das funktioniert grundsätzlich hat aber einige nicht unerhebliche Nachteile. Da wäre zum einen der Nachteil, dass die Zwingen nicht gerade angesetzt werden können. Die sitzen leicht schräg. Das führt nicht selten dazu, dass die Bauteile nicht gerade verpresst werden. Winkelfehler und offene Fugen könnten die Folge sein. Ein weiterer Nachteil ist der, dass die ineinander gehakten Zwingen das Werkstück beschädigen können. Daher sollte an der Stelle an der sich die Zwingen treffen ein Sperrholz zum Schutz der Oberfläche untergelegt werden.  Wenn man alleine arbeitet ist das Ansetzen von zwei Schraubzwingen auch kein Kinderspiel. 

Das geht zwar irgendwie, aber nicht wirklich gut. Als Notlösung und mit ein wenig Vorsicht aber dennoch machbar.

Das geht zwar irgendwie, aber nicht wirklich gut. Als Notlösung und mit ein wenig Vorsicht aber dennoch machbar.

Alleine geht das Ansetzen von zwei Zwingen nicht besonders gut.

Alleine geht das Ansetzen von zwei Zwingen nicht besonders gut.

So angesetzte Zwingen sitzen recht locker. Sie können leicht vom Werkstück abspringen.

So angesetzte Zwingen sitzen recht locker. Sie können leicht vom Werkstück abspringen.

Spanngurte

Von der Handhabung her ein wenig besser sind Spanngurte. Sie sind günstig, bringen hohen Anpressdruck und man sie in unterschiedlichen Längen bekommen oder bei Bedarf einfach miteinander verbinden.  Vorsicht ist allerdings an den Kanten geboten. Diese müssen geschützt werden, damit die Gurte keine großen Schäden hinterlassen.  Am besten eignen sich Zulagen, die an den Außenkanten abgerundet sind. Durch die Rundungen rutschen die Gurte besser um die Ecken. Wer alleine arbeitet sollte sich die Zulagen mit Klebeband fixieren. Auch bei den Gurten besteht die Gefahr von Beschädigungen durch die Ratsche aus Metall. Auch hier hilft ein Sperrholz die Werkstückoberfläche zu schützen.

Eine preiswerte Lösung und mit selbst gemachten Zulagen wird das Werkstück nicht beschädigt. Spanngurte bringen aber keinen so hohen Pressdruck wie Schraubzwingen.

Eine preiswerte Lösung und mit selbst gemachten Zulagen wird das Werkstück nicht beschädigt. Spanngurte bringen aber keinen so hohen Pressdruck wie Schraubzwingen.

Abgerundete und gefälzte Zulagen schützen das Werkstück und erleichtern die Nutzung der Gurte zum Verleimen

Abgerundete und gefälzte Zulagen schützen das Werkstück und erleichtern die Nutzung der Gurte zum Verleimen

Koppelbare Zwingen

Inzwischen gibt es von mehreren Herstellern Zwingen, die sich koppeln lassen. Das geht aber nur, wenn der Zwingenkopf und das Druckteil abnehmbar sind. Dann kann man an einer Zwinge den Kopf abnehmen, an der anderen das Druckteil. Mit einem Verbindungsstück werden die Zwingen dann verbunden. 

Auch bei Schraubzwingen gibt es inzwischen regelrechte Systeme aus Basiselement und Zubehör.

Auch bei Schraubzwingen gibt es inzwischen regelrechte Systeme aus Basiselement und Zubehör.

Je massiver die Zwingen sind, umso massiver muss der Verbinder sein. Wenn Sie für Ihre Zwingen keinen Verbinder vom Hersteller bekommen, ließe sich ein solcher mit Sicherheit auch sehr einfach selbst herstellen. Solche koppelbaren Zwingen haben gegenüber langen Schraubzwingen einige Vorteile:

  • Sie sind einfacher zu verstauen
  • Man kann sie einzeln auch für kleinere Werkstücke verwenden
  • Man kann sie bequem am Werkstück liegend koppeln und muss nicht mit sehr schweren Zwingen hantieren.
  • In der Regel lassen sich koppelbare Zwingen auch zum Spreizen von Werkstücken umbauen
  • Die meisten Zwingen, die sich koppeln lassen benötigen keine Zulagen, da es sich um Einhand- oder Korpuszwingen handelt.

Meiner Meinung nach spricht viele für die koppelbaren Zwingen. Bei Neuanschaffungen sollten sie diesen Aspekt unbedingt berücksichtigen. 

Ein Verbindungsstück für Einhandzwingen

Ein Verbindungsstück für Einhandzwingen

Komfortabel in der Nutzung, aber nur wenig Anpressdruck: Einhandzwingen

Komfortabel in der Nutzung, aber nur wenig Anpressdruck: Einhandzwingen

Es gibt auch Korpuszwingen die sich koppeln lassen. Damit ist dann auch ein sehr hoher Pressdruck möglich.

Es gibt auch Korpuszwingen die sich koppeln lassen. Damit ist dann auch ein sehr hoher Pressdruck möglich.

Je massiver die Zwinge, umso stabiler sollte auch der Verbinder sein.

Je massiver die Zwinge, umso stabiler sollte auch der Verbinder sein.

So mancher Leser wird sich nun fragen, was denn nun mit den Rohrzwingen ist. Rohrzwingen werden auf handelsübliche Wasserrohre montiert. Die Rohre sind preiswert und auch in Längen über drei Meter zu bekommen. Ich selbst benutze keine Rohrzwingen mehr, da sie mir zu viele Nachteile haben:

  • Sie sind sperrig
  • Die Druckbacken sind zu klein und meist nur sehr kurz.
  • Die Handhabung, vor allem dann, wenn man hohen Pressdruck benötigt, ist unbequem.

Und ganz egal, ob sie lange oder kurze Bauteile verleimen. Bereiten sie sich gut auf die Verleimung vor, damit alles reibungslos klappt. Einige Tipps dazu finden Sie in einem älteren Artikel von mir:

Sechs Tipps für Stressfreies Verleimen

HolzWerken Ausgabe 96

Einzelheft Zeitschrift

HolzWerken 96 November/Dezember 2021

In HolzWerken-Ausgabe 96 geht es kunstvoll zu: Fertigen Sie eine Schmuckschatulle mit Messing-Verzierung und lernen Sie dabei die Technik der Marketerie kennen. Oder drechseln Sie eine Teller-Etagere und verbinden Sie elegant Holz mit Porzellan. Wer sein Wissen rund um die Arbeit mit der Kreissäge vertiefen möchte erfährt in dieser Ausgabe, wie Rückschläge an der Kreissäge verhindert werden. Außerdem im Heft: - Werkstücke sicher fixieren: Hilfsschraubstock im Eigenbau - Serie Japanische Hobel einstellen: Einpassen von Eisen und Klappe - Anzeichnen: Zinken und Schwalben richtig anreißen - Planfräs-Vorrichtung: SlabMatrix Pro von Sauter im Test - Lückenschluss am Frästisch durch Vorrichtungen: Splitterzunge und Kehlbrett

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2 Kommentare

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Unbekannter Nutzer

22. Mai 2019

Hallo Holzwerker. Habe sehr gute Erfahrungen mit Keilen auf einer Platte oder Balken gemacht. Einfach Anschlagklötze auf die Platte Schrauben. Und zwei Keile gegeneinander treiben. Geht sehr feinfühlig mit Scbraubzwingen. Habe mit dieser Methode Leimholzbinder für Therapiewippen erstellt. 150 cm lang und 30 cm hoch. Der Bogen aus 10 Lagen Fichte a 1 cm trugen über 160 kg. Der Pressdruck von Keilen ist enorm. MfG Andreas

Unbekannter Nutzer

15. Jul 2016

Hallo zusammen! Diese Spannelemente sind nicht teuer und funktionieren perfekt. Besonders, wenn man die Kanthölzer rechtwinklig und parallel zueinander auf der Werkbank befestigt. Mittlerweile ziehe ich diese Vorrichtung sogar beim Verleimen kleinerer Teile den herkömmlichen Schraubzwingen vor, da sich die Werkstücke "wackelfrei" zusammenfügen und verpressen lassen. Gruß Peter

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