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24. Jun 2013 // Tischlern

Trockenschliff muss kein Frevel sein

Es ist für manche Holzwerker ein schlimmerer Frevel als ein Ölwechsel direkt über einem klaren Gebirgsbach: das trockene Schleifen von Stechbeiteln an einem einfachen, schnell drehenden Schleifstein. Zwei Gründe werden hier stets ins Feld geführt, und es sind gewichtige: Das meist freihändige (nur auf der Grundplatte vorgenommene) Schleifen am "Bock" trägt zu viel ab.

Trockenschliff muss kein Frevel sein. Illustration: Willi Brokbals

Außerdem entsteht sehr viel Hitze, die Schneiden blau werden lässt und ihnen die nötige Härte raubt. Beides kann stimmen. Doch wenn man es bedenkt, lässt sich auch an einem einfachen Schleifbock eine sehr ordentliche Schneidengüte mit hoher Standzeit erreichen. Drei Daumenregeln helfen dabei: 1. Winkel passgenau einstellen: Stellen Sie die Schleifstütze bei stehender Scheibe ein, indem Sie das Eisen auflegen und die Fase bis an den Stein schieben. Versetzen Sie den Stein nun leicht von Hand in Drehung. Die so entstehenden Kratzer sollten in der Mitte der Eisen-Fase liegen. Falls nicht: Stütze entsprechend justieren. 2. Druck kontrollieren: Bei zu kräftigem Vorschub "wandert" die Eisenfase die Scheibenrundung hinauf. Nutzen Sie den Zeigefinger der Führhand, um das zu verhindern: Er liegt quer unter dem Eisen und hält ständigen Kontakt zur Vorderkante der Stütze. So erspüren (und verhindern) Sie auch ein ungewünschtes Drehen des Eisens beim seitlichen Hin- und Herbewegen. 3. Wärme erfühlen: Halten Sie einen Finger der freien Hand immer nah an der Schneide. Schon wenn Sie hier etwas mehr als laue Wärme empfinden, unterbrechen Sie das Schleifen: An der eigentlichen Schlifffläche ist die Temperatur viel höher. Um das blaue Anlaufen zu verhindern, kühlen Sie das Eisen einige Zeit mit kaltem Wasser, und dann kann es weitergehen.

Das Holzbau-Buch

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