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05. Jul 2019 // Guido-Henn

Rahmenhölzer dübeln mit dem Multidübler (Teil 2)

Im letzten Blogbeitrag habe ich Ihnen gezeigt, wie Sie den Multidübler und die Werkstücke mit den notwendigen Mittenmarkierungen versehen können. Auch eine erste Variante zum Dübeln der Rahmenhölzer konnten Sie bereits Schritt für Schritt mitverfolgen. Dort war der Multidübler exakt auf die halbe Rahmendicke eingestellt und man musste den Seitenanschlag nicht umbauen.

In diesem Blogbeitrag geht es nun weiter mit einer zweiten und dritten Anwendungsvariante. Vor allem die dritte Variante mit den Steckbolzen ist ganz sicher für alle diejenigen interessant, die mit einer präzisen Einstellung der Werkstückbreite oder -dicke auf Kriegsfuß stehen. Denn im Gegensatz zur ersten und zweiten Variante müssen Sie hier weder die Werkstücke exakt mittig anreißen, noch den Multidübler genau darauf einstellen.

Variante 2: Dübeln mit Umbau des Seitenanschlags (halbe Holzbreite ist eingestellt)

Bei dieser Variante spielt nun die genaue Einstellung der halben Holzstärke keine Rolle mehr, weil man die Werkstücke diesmal immer mit dem Schreinerdreieck sichtbar nach vorne aufspannt. Dadurch liegen alle Bauteile automatisch immer perfekt auf einer Ebene und es sind auf der Rahmenfläche auch keine fühlbaren Absätze zu erwarten. Dafür können aber an den Außenkanten des Rahmens  - und zwar am Übergang zwischen Längs- und Querfriesen - Absätze entstehen, wenn die Seitenanschläge nicht hundertprozentig auf die halbe Werkstückbreite eingestellt wurden. Es ist also auch hier ratsam die Einstellung zunächst einmal an Probehölzern mit der gleichen Werkstückbreite zu überprüfen. Aber auch wenn Sie diese Hürde schon mal genommen haben, müssen Sie bei dieser Variante auf jeden Fall einmal den Seitenanschlag umbauen. Das hört sich jetzt aufwendiger und komplizierter an, als es tatsächlich ist. Denn u. a. auch dafür habe ich meinen Multidübler ja mit zwei identischen Seitenanschlägen ausgestattet. Damit lässt sich genau dieser Umbau in weniger als einer Minute absolut präzise erledigen, wie Sie gleich auf den Bildern sehen werden. Also legen wir los.

Stellen Sie zuerst den Seitenanschlag exakt auf die halbe Holzbreite ein. Nutzen Sie dafür die Mittenmarkierungen auf Werkstück und Schablone. Jetzt werden nacheinander alle Stirnkanten der Querrahmenfriese gedübelt.

Das Schreinerdreieck muss dabei immer sichtbar nach vorne zeigen. Und da die Breite exakt mittig eingestellt wurde, ist es diesmal auch egal, ob dabei die Außen- oder Innenkanten der Querfriese am Seitenanschlag anliegen.

Da die Werkstücke immer mit der gleichen Bezugsfläche- also Dreieck sichtbar nach vorne - aufgespannt werden, muss der Multidübler diesmal auch nicht exakt auf die halbe Holzstärke eingestellt sein.

Die halbe Holzbreite muss jedoch absolut perfekt eingestellt sein. Die Einstellung also am besten vorher mit ein paar Resthölzern gleicher Breite überprüfen.

Bei den Längsfriesen können Sie zunächst nur zwei Ecken dübeln. Denn auch hier muss das Schreinerdreieck immer nach außen sichtbar sein.

Haben Sie die erste Ecke gedübelt, entfernen Sie den Längsfries und spannen den zweiten Rahmenfries auf (Schreinerdreieck nach vorne beachten!).

Wichtig: Das Schreinerdreieck muss immer sichtbar sein und die offene Stelle des Dreiecks muss zur Schablone zeigen. Damit haben Sie dann erstmal nur zwei Ecken gedübelt.

Um die restlichen beiden Ecken der Längsfriese dübeln zu können, benötigen Sie den linken Seitenanschlag. Zum Einstellen der richtigen Position, legen Sie einfach ein Rahmenholz zwischen und ziehen die beiden Flügelmuttern an.

Erst danach entfernen Sie den rechten Seitenanschlag und die beiden Schlossschrauben.

Jetzt können Sie - wie schon vorhin beschreiben - auch die restlichen beiden Ecken mit je zwei Dübeln versehen.

Auch hier wieder darauf achten: Das Schreinerdreieck muss nach außen sichtbar sein und die offene Seite des Dreiecks zeigt immer zur Schablone.

Das ist eigentlich auch logisch, sonst würden Sie ja in die Außenkante der Rahmenhölzer die Dübel einbohren.

Variante 3: Dübeln mithilfe der beiden Steckbolzen (nur das Schreinerdreieck ist nötig)

Ich weiß, dass jetzt einige denken: "So ein Mist! Bei den ersten beiden Varianten muss man immer irgend etwas absolut präzise einstellen. Gibt es denn da keine einfachere Möglichkeit, ohne diese verdammte Präzision?"

Klare Antwort: Ja - die gibt es! Und hier kommen nun endlich die beiden Steckbolzen ins Spiel, die ich schon beim Dübeln von Plattenwerkstoffen eingesetzt habe.

 Einige werden sich jetzt natürlich auch fragen, warum ich mir diese Variante bis zum Schluss aufgehoben habe und warum man überhaupt noch die vorherigen beiden Varianten kennen sollte. Nun das liegt daran, dass bei der Steckbolzen-Variante normalerweise die beiden Dübel weder exakt mittig zur Holzbreite noch zur Holzdicke verlaufen. Bei einem einfachen Rahmen bestehend aus nur vier Rahmenhölzern ist das ganz sicher kein Problem, aber sobald bereits nur eine Zwischensprosse ins Spiel kommt, wendet sich das Blatt zugunsten der zweiten Variante. Denn die Runddübel für eine solche Zwischensprosse können Sie eigentlich nur über eine Mittenmarkierung der Holzbreite präzise setzen. Und genau deshalb lohnt es sich einmal alle drei Varianten im Hinterkopf zu behalten. Denn jede Einzelne hat ihre Vor- und Nachteile.

Stecken Sie die beiden Steckbolzen in die Schablone ein. Legen Sie den Querrahmenfries mit der Außenkante gegen den Steckbolzen. Das Schreinerdreieck muss dabei immer nach außen sichtbar sein!

Um die gegenüberliegende Stirnkante zu dübeln, legen Sie den Querrahmenfries jetzt gegen den anderen linken Steckbolzen. Noch mal zur Erinnerung: Außenkanten liegen immer am Steckbolzen an und das Schreinerdreieck ist immer nach vorne sichtbar!

Zum Dübeln der Längsfriesen nehmen Sie jetzt einen Steckbolzen aus der Schablone heraus. Legen Sie dann das Werkstück mit dem Schreinerdreieck nach außen dicht an den verbliebenen linken Steckbolzen. Wichtig: Die offene Seite des Dreiecks zeigt zur Schablone!

Um die gegenüberliegende Ecke dübeln zu können, entfernen Sie jetzt den linken Steckbolzen und stecken dafür den rechten in die Schablone ein. Wichtig: Schreinerdreieck zeigt nach außen und offene Seite zur Schablone!

So, das war’s mal wieder für heute und ich hoffe, dass Sie mithilfe der beiden Blogbeiträgen zukünftig den Multidübler noch präziser einsetzen können.

In zwei Wochen gibt es an dieser Stelle dann ein kleines Bauprojekt für ein freudiges Ereignis ;-)

Bis dahin wünsche ich Ihnen wieder allzeit unfallfreies Holzwerken.

Herzlichst, Ihr
Guido Henn

Noch ein wichtiger Hinweis und eine eindringliche Bitte:

Ich freue mich wirklich sehr, wenn Sie den Multidübler nachbauen und auch erfolgreich einsetzen, das ist ja Sinn eines solchen Bauplans. Die Erstellung des Bauplans hat jedenfalls eine Menge Zeit, Ausdauer und letztlich auch Geld gekostet. Ohne die Zeitschrift HolzWerken wären solche aufwendigen Baupläne nicht möglich. Deshalb möchte ich Sie noch einmal eindringlich bitten, keine Anleitungen zum Bau oder zur Nutzung des Multidüblers ins Internet, auf die eigene Website oder auf einen YouTube-Kanal hochzuladen. Alles was man zum Nachbau und Umgang mit dem Multidübler wissen muss, gibt es exklusiv in der Zeitschrift HolzWerken, bei HolzWerkenTV auf YouTube und zusätzlich bei Bedarf auch in meinem Blog hier auf holzwerken.net. Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie genau darauf in eigenen Beiträgen (z. B. bei einem Foto Ihres Nachbaus auf Facebook® oder Instagram) verweisen würden. Damit leisten Sie einen erheblichen Beitrag, dass ich auch weiterhin solche Projekte und Baupläne für Sie erstellen kann - herzlichen Dank dafür!

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1 Kommentare

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11. Jul 2019

Hallo Herr Henn, ich hätte einen kleinen Tipp für Ihre Leser. Vielleicht ist der für den einen oder anderen ganz hilfreich. Beim Bau von Schablonen steht man manchmal vor der Aufgabe, ein Bohrloch in einem exakten Abstand zur Kante der Schablone zu setzen. Dazu müsste die Position des Zentrums des Bohrers zunächst exakt mit der Kante der Schablone übereinstimmen, um anschließend die Schablone mit einem Maßklötzchen exakt um den definierten Abstand aus der Nullage heraus zu verschieben. Um die Nullage herzustellen kann man so vorgehen: Zunächst fixiert man auf dem Bohrtisch ein Opferbrett. Dann spannt man einen 10mm Bohrer ein und bohrt in das Opferbrett ein Loch. Dann stellt man einen 5mm Bohrer mit der glatten Seite voran in das Loch und schiebt die Schablone (längs eines Anschlags natürlich) an den 5mm Bohrer heran, bis der 5mm Bohrer den gegenüberliegenden Rand der 10mm Bohrung berührt. Jetzt liegt die Kante der Schablone exakt unter dem Zentrum des 10mm Bohrers. Jetzt hat man die Nullage und kann den 10mm Bohrer mit dem gewünschten Bohrdurchmesser ersetzen. Ich hoffe das war verständlich und hilfreich. Schöne Grüße

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