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03. Jun 2013 // Tischlern

Möbelbau: Das Auge misst mit!

Perfektion ist etwas Wunderbares! Aber wird Perfektion angestrebt und dann nicht erreicht, fällt das besonders ins Auge. Ein gutes Beispiel sind auf Gehrung einschlagende Türen. Sie sehen wunderbar elegant aus, wenn alles passt. Sobald beim Bau aber nur ein halber Millimeter Ungleichheit zwischen Korpus und Tür auftritt, ist der gute Eindruck für alle Zeiten hinüber.

Das Auge misst mit. Illustration: Willi Brokbals

Das menschliche Auge erkennt da gnadenlos jede Schwachstelle. Die eigenen Grenzen und die Beschränkungen des Maschinenparks und der Werkzeuge kennen: Das ist eine erleichternde Maxime schon beim Entwerfen der Möbel. Entspannter fährt zum Beispiel auch, wer auf bündig zur Korpuskante einschlagende Türen verzichtet. Oder auf Schubkästen, die genau auf den Zehntelmillimeter so weit eingeschoben werden sollen, dass der umgebende Rahmen und ihre Front genau eine Fläche ergeben. Ein kleiner, vorab eingeplanter Rücksprung (Schattenfalz) um einige Millimeter tut da Wunder: Nun fällt es dem Auge nicht mehr auf, wenn der eine Schubkasten einen halben Millimeter weiter vorne sitzt als der direkte Nachbar. Außerdem kann die so gegliederte Möbelfront sogar deutlich attraktiver wirken! Noch kritischer als das Auge sind übrigens die Fingerkuppen: Sie erspüren Unebenheiten und Sprünge auch bei einer Ungleichheit von wenigen Hundertstelmillimetern.

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