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31. Mai 2016 // Heiko-Rech

Holzstaub und Leim – Lass das sein!

Es gibt Tipps und Tricks, die werden immer wieder weitergereicht. Dabei sind auch regelrechte Dauerbrenner, die sich besonders schnell in Onlineforen verbreiten. Im heutigen Beitrag möchte ich Ihnen einen dieser Tipps vorstellen und ihnen davon abraten.

Man sieht und liest es oft: Fugen und Löcher sollen mit einem Gemisch aus Schleifstaub und Weißleim verschlossen werden. Das hört sich erst einmal gut an. Wenn man den Holzstaub auch noch aus dem Holz gewinnt, bei dem man eine Lücke verschließen möchte, hat man auch die passende Farbe. Der Leim sorgt im Zweifelsfall auch noch für den guten Halt einer lockeren Verbindung.

In der Praxis sieht es allerdings nicht ganz so rosig aus. Das Gemisch auch Holzstaub und Leim nimmt nämlich nur sehr schlecht Beizen und Öle an. Im Klartext bedeutet dies, dass die ausgebesserte Stelle später heller ist, als das umgebende Holz. Bei einer Lackierung stellt das weniger ein Problem dar. Der selbst angefertigte Holzkitt hat auch bei weitem nicht die Klebekraft, wie sie eine gute Verleimung aufweist.

Die gleichen Erfahrungen habe ich auch mit fertig gekauftem Holzkitt und speziellen Mitteln zum Anrühren eines Holzkitts gemacht. Nach kurzer Zeit fiel der ausgebesserte Fehler mehr auf, als ohne das verschlimmbessern mit Holzkitt.

Schleifstaub und Holzleim als selbstgemachter Holzkitt.

Schleifstaub und Holzleim als selbstgemachter Holzkitt.

Ausbessern einer Fehlstelle

Ausbessern einer Fehlstelle

Die ausgebesserte Stelle hat kein Öl angenommen und zeichnet sich hell ab.

Die ausgebesserte Stelle hat kein Öl angenommen und zeichnet sich hell ab.

Die bessere Lösung:

Es gibt spezielle Hart- und Weichwachse mit denen man Beschädigungen ausbessern kann. Diese Mittel wendet man nach der Oberflächenbehandlung an und wählt dann einen Farbton, der dem Holzton entspricht. Wenn man das Verhalten des Holzes auf UV-Licht berücksichtigt, kann man einen Farbton wählen, der dem Holzton in einigen Monaten entspricht. Konkret bedeutet dies: Helle Hölzer dunkeln nach, dunkle Hölzer bleichen aus. Bei einem hellen Holz wählt man also besser einen Ton dunkler, bei einem dunklen Holz nimmt man einen Ton heller. Geschickt eingesetzt kann man mit den passenden Farbtönen auch einen Ast oder einen dunklen Maserstreifen im Holz nachahmen.

Sollte sich im Laufe der Zeit zeigen, dass der gewählte Farbton doch zu sehr auffällt, kann man das Wachs vorsichtig wieder aus der Fuge oder dem Loch herauskratzen und mit einer besser passenden Farbe erneut ausbessern.

Das Wachs wird in die Fehlstelle gerieben und mittels Ziehklinge bündig abgezogen.

Das Wachs wird in die Fehlstelle gerieben und mittels Ziehklinge bündig abgezogen.

Nicht perfekt aber immerhin...

Nicht perfekt aber immerhin...

Noch besser, als das Ausbessern von Fugen mit einem Fremdstoff ist es, mit Holz auszubessern. Aber eben nicht mit Holzstaub, sondern mit einem kleinen Holzstück, das fest eingeleimt wird. Am Beispiel einer nicht perfekt passenden Zinkung zeige ich Ihnen wie ich das meine.

Aus einem Reststück sticht man sich vorsichtig kleine Späne mit einem Stemmeisen ab. Manchmal braucht man mehrere Versuche bis man ein passendes Stückchen abgetrennt hat. Ideal ist es, wenn man es schafft, einen kleinen Keil zu bekommen. Diesen Keil kann man nun in passender Richtung mit etwas Leim einschlagen. Achtet man dabei auf die Maserrichtung, fällt die ausgebesserte Stelle später kaum noch auf.

Mit dem Stemmeisen werden kleine Holzstückchen abgetrennt.

Mit dem Stemmeisen werden kleine Holzstückchen abgetrennt.

Die Späne werden eingeleimt.

Die Späne werden eingeleimt.

Die Fuge ist nicht mehr zu sehen.

Die Fuge ist nicht mehr zu sehen.

Bei Beschädigungen in Längsrichtung kann man ähnlich vorgehen. Man sucht sich ein passendes Stück Holz und leimt dieses unter hohem Druck in die Beschädigung. Nach dem Aushärten des Leims werden Überstände vorsichtig entfernt und verschliffen. Leider ist es bei dieser Methode sehr schwierig den Farbton genau zu treffen. Was die spätere, mechanische Belastbarkeit angeht ist dies aber mit Sicherheit eine der besten Methoden.

Ein kleines Stück Holz muss passend zur Fehlstelle vorbereitet werden

Ein kleines Stück Holz muss passend zur Fehlstelle vorbereitet werden

Unter hohem Druck wird das Holz eingeleimt. Kleben Sie die Zulage mit Paketband ab.

Unter hohem Druck wird das Holz eingeleimt. Kleben Sie die Zulage mit Paketband ab.

Das Holzstück ist fest in die Fläche eingeleimt.

Das Holzstück ist fest in die Fläche eingeleimt.

Der Farbton passt nicht ganz, aber mechanisch ist die Stelle wieder voll belastbar.

Der Farbton passt nicht ganz, aber mechanisch ist die Stelle wieder voll belastbar.

In beiden Fällen wurde die Fehlstelle mit sehr wenig Leim und möglichst viel Holz verschlossen. Das halte ich persönlich immer noch für die beste Lösung.

Und wenn all das nicht funktioniert bleibt nur eines: Stehen Sie ganz selbstbewusst zu kleinen Fehlern an ihren selbst hergestellten Möbeln!

Werkstattkurs - Vitrine

Videos

Werkstatt-Kurs Möbelbau: Vitrine

Dieser erste Band der neuen Reihe Werkstatt-Kurs zeigt, wie Sie ein Korpusmöbel in den verschiedensten Varianten herstellen. Türen, Schubkästen, Kranz, Deckel, Füße - Guido Henn zeigt die riesige Bandbreite an Wahlmöglichkeiten. Beim Bau seiner feinen Vitrine wählt er schließlich eine Variante aus und zeigt die Herstellung in allen Details. Per Video hat Guido Henn den Bau dieser Vitrine für Sie dokumentiert. Rund zwei Stunden Film auf DVD zeigen alle Bauabschnitte und die Maschinen in Aktion. Zusätzlich zum Video enthält das Paket „Werkstatt-Kurs Möbelbau“ auch die sechsteilige Serie aus HolzWerken in Buchform und einen riesigen Bauplan (nahezu DIN A2-Größe) mit allen Zeichnungen auf einen Blick.

Aus dem Inhalt:

  • Teil 1: Korpusbau
  • Teil 2: Korpusbau (Fortsetzung)
  • Teil 3: Türenbau
  • Teil 4: Türenbau (Fortsetzung)
  • Teil 5: Schubkastenbau
  • Teil 6: Fuß, Sockel, Deckel, Kranz und Oberfläche 

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4 Kommentare

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Unbekannter Nutzer

24. Jul 2019

Hallo zusammen, bzgl. Auskitten mit Hart- und Weichwachs habe ich ein paar Ergänzungen: Ich wachse grundsätzlich nach dem Grundieren. Das Holz hat dann andere Farben als im rohen Zustand. Holz hat auch immer mehrere Farbtöne, daher nehme ich meißt 3 Wachsstifte mit entsprechenden Farben, wobei die Grundfarbe immer eine helle ist. Hartwachs läßt sich auch auf oberflächenbehandelten Hölzern sehr gut mit einer Lackziehklinge bearbeiten, diese hat einen Hohlschliff. Problem bei Wachs ist, daß die ausgebesserte Stelle glänzt, auch wenn weitere Oberflächenschichten aufgebracht werden. Je nach Lichteinfall sind sie dann deutlich zu erkennen. schöne Grüße

Unbekannter Nutzer

01. Okt 2017

Leim-Kitt aus Holzsstaub und Leim funktioniert schon, jedoch nur solange man keinen Weißleim nimmt, sondern Haut- und Knochenleim! Dieser weitverbreitete Irrtum stammt wahrscheinlich daher, dass man irgendwann dachte Weißleim und Knochenleim seien identisch. Mit diesem Kitt (Schleifstaub und Glutinleim) geflickte Stellen sind hinterher nahezu unsichtbar und lassen sich dann auch wieder problemlos ölen/wachsen/polieren. Aber wie Sie schon sagten, mit Weißleim funktioniert das nicht.

Unbekannter Nutzer

01. Okt 2017

Leim-Kitt aus Holzsstaub und Leim funktioniert schon, jedoch nur solange man keinen Weißleim nimmt, sondern Haut- und Knochenleim! Dieser weitverbreitete Irrtum stammt wahrscheinlich daher, dass man irgendwann dachte Weißleim und Knochenleim seien identisch. Mit diesem Kitt (Schleifstaub und Glutinleim) geflickte Stellen sind hinterher nahezu unsichtbar und lassen sich dann auch wieder problemlos ölen/wachsen/polieren. Aber wie Sie schon sagten, mit Weißleim funktioniert das nicht.

Unbekannter Nutzer

31. Mai 2016

Hallo Heiko, mal wieder ein klasse Beitrag von Dir, danke! Ich möchte dich auf einen kleinen Tippfehler hinweisen, Zitat:"Bei einem dunkeln Holz wählt man also besser einen Ton dunkler, bei einem dunklen Holz nimmt man einen Ton heller." Gruß Kevin

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