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29. Mrz 2016 // Heiko-Rech

Holz- oder Metallhobel. Ein paar Vorurteile.

Ein geflügeltes Wort lautet "Es geht doch nichts über ein paar gut gepflegte Vorurteile". Das betrifft inzwischen nicht nur die wichtigen Fragen des Lebens. Vorurteile machen sich auch in Alltagsdingen breit und sogar bei der Auswahl von Werkzeugen. So zum Beispiel bei der Frage ob der nächste (oder erste) Handhobel aus Metall oder Holz sein soll.  Von Vorurteilen befreit, kann man Entscheidungen aber viel offener und freier treffen. Das klingt jetzt in Bezug auf einen simplen Handhobel vielleicht doch sehr abgehoben, aber das schadet ja nicht wirklich. Einige der Vorurteile, mit denen ich Ihnen gleich kommen werde hatte ich übrigens selbst auch sehr lange. Also fangen ich mal an:

No. 1: Metallhobel sind viel zu teuer
Metallhobel sehen schon sehr edel aus. Vor allem wenn der Hersteller ein Händchen dafür hat, welche Farbe mit welchem Metall und welchem Holz harmoniert. Schwarze Farbe, blanke Messingteile und Griffe aus Edelholz sehen einfach toll – und teuer – aus. Das ist aber nicht so. Eine edle Optik muss sich nicht gleich im Preis niederschlagen. Moderne Produktionsverfahren ermöglichen es inzwischen, dass gute Metallhobel, die toll aussehen zu günstigen Preisen angeboten werden.

Sieht sehr edel aus, ist aber preisgünstiger, als man denken mag. Ein Metallhobel der mittleren Preisklasse.

Sieht sehr edel aus, ist aber preisgünstiger, als man denken mag. Ein Metallhobel der mittleren Preisklasse.

No.2: Holzhobel sind schwierig einzustellen
Zugegeben, das Einstellen eines einfachen Holzhobels mit leichten Hammerschlägen an die richtige Stelle macht erst einmal einen recht unbeholfenen und altmodischen Eindruck. Vor allem im Vergleich zu den oft aufwändig gemachten Einstellmechanismen von Metallhobeln. Hat man sich aber einmal an das Einstellen des Holzhobels mittels Hammer gewöhnt, gelingt das sehr schnell und vor allem sehr fein. Wer das nicht möchte, für den gibt es inzwischen auch Holzhobel mit bequemer Einstellung per Rändelschrauben und Hebel.

Die Einstellung per Hammer und Keil ist am Anfang ungewohnt. Ist der Groschen aber mal gefallen. Geht auch das leicht von der Hand.

Die Einstellung per Hammer und Keil ist am Anfang ungewohnt. Ist der Groschen aber mal gefallen. Geht auch das leicht von der Hand.

Inzwischen gibt es auch Holzhobel, bei denen die komplette Verstellung per Mechanik erfolgt. Da kein Keil vorhanden ist, muss der Hobel vor längerem Nichtgebrauch nicht entspannt werden.

Inzwischen gibt es auch Holzhobel, bei denen die komplette Verstellung per Mechanik erfolgt. Da kein Keil vorhanden ist, muss der Hobel vor längerem Nichtgebrauch nicht entspannt werden.

No. 3: Metallhobel arbeiten präziser
Metall als Grundmaterial, Einstellschrauben, blank poliertes Messing. Das deutet auf höchste Präzision hin. Klar, dass ein solcher Hobel viel genauer arbeitet, als ein Holzhobel, bei dem man mit dem Hammer auf das Eisen schlagen muss, um die Spandicke zu erhöhen. Aber weit gefehlt. Ein schlecht gemachter Einstellmechanismus ist ein permanentes Ärgernis beim Hobeln. Mit einem kleinen Hammer (maximal 100 Gramm) und ein wenig Gefühl im Handgelenk kann auch ein Holzhobel im Bereich von hundertstel Millimetern eingestellt werden. Etwas Übung braucht auch das Einstellen eines Metallhobels.

Die Mechanik verspricht absolute Präzision beim Einstellen. Das ist aber leider nicht immer der Fall.

Die Mechanik verspricht absolute Präzision beim Einstellen. Das ist aber leider nicht immer der Fall.

Ein Metallhobel kann für grobe Arbeiten genommen werden …

Ein Metallhobel kann für grobe Arbeiten genommen werden …

… und ein Holzhobel kann auch feinste Späne abnehmen.

… und ein Holzhobel kann auch feinste Späne abnehmen.

No. 4: Holzhobel sind veraltet
Bei Metallhobeln sieht man ständig neue Modelle. Es treten neue Hersteller auf den Plan und außerdem sind in den Katalogen viel mehr Metallhobel als Holzhobel zu sehen.  Holzhobel stellen also nicht mehr den aktuellen Stand der Technik dar, sind also veraltet. Diese Aussage stimmt nur zum Teil. Es gibt bei Metallhobeln einige Modelle, die aus Holz, aufgrund des Werkstoffes nicht machbar sind. Es ist auch in der Tat so, dass es bei Holzhobeln kaum Neuerungen gibt.  Es ist aber auch schwierig ein Werkzeug zu verbessern, das seine Funktion zufriedenstellend erfüllt. Schaut man bei den Metallhobeln genauer hin, sind viele der Modelle auch nur Nachbauten von Werkzeugen, die es bereits vor hundert Jahren gab. Sie kommen nur eben wieder neu auf den Markt. Vor allem kommen Sie teilweise zum ersten Mal auf den deutschen Markt. 

Zwei neue Metallhobel: Einmal in traditioneller Bauweise (links: Juuma No.5)  und einmal mit einigen Neuerungen (rechts: Stanley Sweetheart No.4).

Zwei neue Metallhobel: Einmal in traditioneller Bauweise (links: Juuma No.5) und einmal mit einigen Neuerungen (rechts: Stanley Sweetheart No.4).

Zwei Holzhobel aus verschiedenen Generationen. Rechts ein über 80 Jahre alter Putzhobel mit Keilverstellung. Links ein moderner ECE-Primus Reformputzhobel. Beide hobeln hervorragend.

Zwei Holzhobel aus verschiedenen Generationen. Links ein über 80 Jahre alter Putzhobel mit Keilverstellung. Rechts ein moderner ECE-Primus Reformputzhobel. Beide hobeln hervorragend.

Das waren jetzt nur ein paar Vorurteile, die mir eingefallen sind. Mit Sicherheit gibt es noch mehr. Am Ende ist es aber egal, ob ihr Hobel aus Holz oder Metall ist. Wichtig ist nur, dass Sie mit ihm ein gutes Ergebnis erzielen, dass er scharf ist und dass Ihnen die Arbeit damit Spaß macht.  Ich selbst mag meine Metallhobel sehr gerne, ertappe mich aber dabei, dass ich immer öfter wieder zum Holzhobel greife. Gewohnheiten und Vorlieben ändern sich also auch mit der Zeit. Eventuell ist ja auch so manches festsitzende Vorurteil auch nur einem guten Marketing anzurechnen. Denn eines ist leider kein Vorurteil: Das Marketing der Hersteller von Metallhobeln ist besser, als das der traditionellen Hersteller von Holzhobeln.

Werkstattkurs - Vitrine

Videos

Werkstatt-Kurs Möbelbau: Vitrine

Dieser erste Band der neuen Reihe Werkstatt-Kurs zeigt, wie Sie ein Korpusmöbel in den verschiedensten Varianten herstellen. Türen, Schubkästen, Kranz, Deckel, Füße - Guido Henn zeigt die riesige Bandbreite an Wahlmöglichkeiten. Beim Bau seiner feinen Vitrine wählt er schließlich eine Variante aus und zeigt die Herstellung in allen Details. Per Video hat Guido Henn den Bau dieser Vitrine für Sie dokumentiert. Rund zwei Stunden Film auf DVD zeigen alle Bauabschnitte und die Maschinen in Aktion. Zusätzlich zum Video enthält das Paket „Werkstatt-Kurs Möbelbau“ auch die sechsteilige Serie aus HolzWerken in Buchform und einen riesigen Bauplan (nahezu DIN A2-Größe) mit allen Zeichnungen auf einen Blick.

Aus dem Inhalt:

  • Teil 1: Korpusbau
  • Teil 2: Korpusbau (Fortsetzung)
  • Teil 3: Türenbau
  • Teil 4: Türenbau (Fortsetzung)
  • Teil 5: Schubkastenbau
  • Teil 6: Fuß, Sockel, Deckel, Kranz und Oberfläche 

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3 Kommentare

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Unbekannter Nutzer

19. Apr 2016

Heiko, der ECE Primus Reform hobel gibt es bereits seit 1952. Ich hatte dich beim letzen Kurs ja gesagt das ich ein paar Dick Hobel bestellt habe, aber da kam ich nicht so mit klar. Ich wuste das eine meine Bruder die Hobel meines Vater zugeeignet hatte. Ich habe die gefragt ob die nutzen und wenn nicht ob ich die bekommen könnte. Wenn ich die dann bekommen habe, war die überraschung groß. Einer davon war ein Primus 703 mit feineinstellung von ECE. Das Kontrollblatt das bei lag gab ein Datum an von 1959. Da war ich sehr überrascht, das es damals bereits Hobel gab mit fein einstellung. Dann wollte ich wissen wie lange es die bereits gab. Das teil funktioniert immer noch tadellos und ich kam da gut mit klar. Gespriche mit meinen eltere Brüder ergab das mein Vater eigentlich nur noch mit den ECE gearbeitet hat und die anderen kaum noch benutzt hat. Gruß, arie

Unbekannter Nutzer

19. Apr 2016

Heiko, der ECE Primus Reform hobel gibt es bereits seit 1952. Ich hatte dich beim letzen Kurs ja gesagt das ich ein paar Dick Hobel bestellt habe, aber da kam ich nicht so mit klar. Ich wuste das eine meine Bruder die Hobel meines Vater zugeeignet hatte. Ich habe die gefragt ob die nutzen und wenn nicht ob ich die bekommen könnte. Wenn ich die dann bekommen habe, war die überraschung groß. Einer davon war ein Primus 703 mit feineinstellung von ECE. Das Kontrollblatt das bei lag gab ein Datum an von 1959. Da war ich sehr überrascht, das es damals bereits Hobel gab mit fein einstellung. Dann wollte ich wissen wie lange es die bereits gab. Das teil funktioniert immer noch tadellos und ich kam da gut mit klar. Gespriche mit meinen eltere Brüder ergab das mein Vater eigentlich nur noch mit den ECE gearbeitet hat und die anderen kaum noch benutzt hat. Gruß, arie

Unbekannter Nutzer

02. Apr 2016

Danke Heiko für diese Aufstellung. Ich nutze ausschliesslich Metallhobel und habe damit sehr gute Erfahrungen gemacht. Ich besitze 3 Stanley Bed Rock Hobel in verschiedenen Grössen, die alle wohl so um die 60 - 80 Jahre alt sind. Da schaff ich es sogar mit der Nr. 7 hauchdünne Späne abzunehmen. Ich glaube in der Beschreibung des letzten Bildes hast du links und rechts vertauscht :-) Grüsse aus der Schweiz Stephan

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