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17. Mrz 2015 // Heiko-Rech

Hauptsache scharf

Unter den vielen Schärfmethoden, die man in Büchern und selbstverständlich auch im Internet nachlesen kann, gibt es regelrechte Trends. Es gibt Verfechter der einen Methode, welche die Anhänger einer anderen Arbeitsweise nun überhaupt nicht verstehen können. Jeder behauptet natürlich von sich, dass seine Methode die beste und richtige Art ist. Begriffe wie Mikrofase, Rückenfase und Hauptfase sind Ihnen in diesem Zusammenhang sicherlich auch schon begegnet. Heute geht es mir um zwei dieser Fasen, deren Sinnhaftigkeit und darum, wie präzise eine Schneide sein muss.

Die Rückenfase

Beginnen möchte ich mit der Rückenfase. Es klingt erst einmal logisch. Eine scharfe Schneide ergibt sich aus zwei Flächen, die möglichst spitz zusammentreffen. Bei den meisten Holzbearbeitungswerkzeugen ist das die Schneidenfase und die Rückseite, die sogenannte Spiegelseite. Je nach Schärfmethode wird eine sogenannte Rückenfase beschrieben und befürwortet. In der Regel wird diese winzige Fase nur wenige Grad schräg freihand oder mit Hilfsmitteln auf einem feinen Abziehstein angezogen. Der Sinn liegt darin, dass ein Eisen, das keine absolut plane Spiegelseite hat, zumindest im vordersten Bereich plan und sauber auspoliert wird. Da ja nur der vorderste Bereich schneidet, macht das auf den ersten Blick aus Sinn. Soweit die Theorie.

Die Rückenfase an einer Schneide

Die Rückenfase an einem Hobeleisen

In der Praxis ist mir aber seit Jahren kein Hobeleisen mehr untergekommen, das so schlecht war, dass es nicht auch problemlos möglich war, den vorderen Bereich der Schneide gerade, also ohne Rückenfase schnell auf Hochglanz zu bringen. Wäre mir ein solch krummes Eisen untergekommen, hätte ich es reklamiert. Die Rückenfase macht meiner Meinung nach daher nur bei alten Hobeleisen Sinn. Neue Hobeleisen werden von mir im vorderen Bereich auf ca. 20mm Länge poliert. Auf eine Rückenfase verzichte ich daher in der Regel. Bei Stemmeisen macht man ohnehin keine Rückenfase. Nicht ganz unerwähnt lassen will ich an dieser Stelle die Möglichkeit mit einer Rückenfase den Schnittwinkel eines Hobels mit untenliegender Fase (siehe auch "Fase oben oder unten") zu verändern. Aber das ist ein ganz anderes Thema.

Mein persönliches Fazit lautet daher: Eine Rückenfase schadet nicht, man kann aber auch gut darauf verzichten.

Die Mikrofase

Bei der sogenannten Mikrofase wird es da schon schwieriger. Generell bin ich ein Befürworter der Mikrofase. Ich habe lange Jahre an meine Werkzeuge eine Mikrofase angezogen, da das mit einer Schleifführung wirklich schnell und einfach geht. Auch meinen Kursteilnehmern bringe ich das Schärfen mit Mikrofase bei. Je mehr ich aber Schärfe, umso weniger arbeite ich mit der Mikrofase. Das liegt ganz einfach daran, dass ich immer öfter auf eine Schleifführung verzichte. Ich schärfe dann freihand. Und da tue ich mich sehr schwer, eine Mikrofase anzuschleifen. Es fällt mir viel leichter die komplette Fase auf den Stein aufzulegen und zu polieren. Die anfängliche Befürchtung, dass dies länger dauert, hat sich zumindest in meinem Fall nicht bewahrheitet. Ich schleife auf einem Stein mit Körnung 3000 vor, so nehme ich etwas Material von der Hauptfase ab. Das sorgt für eine frische Schneide. Auf einem 8000er Stein wird dann noch poliert. In meinem Fall geht das schneller, als das Schleifen der Hauptfase mit dem anschließenden Versuch eine Mikrofase freihand zu schleifen.

Mikrafase an einer Schneide

Mikrofase an einer Schneide

Absolute Präzision?

Durch das freihändige Schärfen ergeben sich mitunter ungenauere Schneidengeometrien, als bei der Verwendung einer Schleifführung. In der Praxis hat sich das bisher nicht als nachteilig erwiesen. Eine Schneide, die nicht absolut rechtwinklig zur Seite des Werkzeuges steht, wirkt sich bei genauer Betrachtung nur in Ausnahmefällen auf das Ergebnis der Arbeit aus. Was schadet es schon, wenn die Schneide eines Stemmeisens 1-2 Grad vom rechten Winkel abweicht? Wie dramatisch ist es bei einem Hobeleisen, wenn dort der rechte Winkel nicht perfekt stimmt? Das kann man problemlos am Hobel korrigieren. Denn was zählt, ist, wie das Hobeleisen zur Hobelsohle steht. Und ob nun der Fasenwinkel 30° oder 32° beträgt - Wen stört das wirklich?

Man sollte sich beim Thema Werkzeuge schärfen wirklich nicht verrückt machen lassen. Es ist keine Kunst und kein Mysterium. Ich für meinen Teil gehe inzwischen wesentlich pragmatischer an die Sache heran, als noch vor einiger Zeit. Ich schärfe fast nur noch freihand, ohne Rücken- und Mikrofase. Und wenn dann mal ein Werkzeug total verschliffen ist, nehme ich mal wieder die Schleifführung und bringe es in Form. Seltsamerweise kam das aber bisher nicht oft vor.

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1 Kommentare

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19. Mrz 2015

Hallo Heiko, deine Art zu schärfen habe ich lange verfolgt. Deine Videos und Berichte gelesen. Was ich immer gut fand, war dieses einfache. Zwei Plastikboxen, eine Marmorfliese, einfaches Schleifpapier, Schleifsteine und los geht's. Die Schärfhilfe ist ok, wenn man sie haben will. Das ist jetzt auch keine Kritik aber als ich am ende des Textes von dir angelangt war konnte ich mich mit dir wieder identifizieren. Einfach, Praktisch und ohne teures Spielzeug. Keine Extras, einfach nur "Scharf" machen. Bitte weiter so. Schreinerlichen Gruß Patrick

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