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30. Mai 2017 // Heiko-Rech

Fünf Tipps für das Einstellen des Frästisches

Digitaler Tiefenmesser richtig nutzen

Digitale Tiefenmesser sind wirklich praktische Hilfsmittel, nicht nur am Frästisch. Sie sind nicht teuer und von unterschiedlichen Herstellern zu beziehen. Auch der Selbstbau ist möglich (siehe Beitrag von Guido Henn in HolzWerken Nr. 62) Es gibt bei diesem Messgerät einen kleinen Trick, durch den sich die Frästiefe gut einstellen lässt. Dabei muss man nämlich den weitesten Punkt auf dem Schneidenflugkreis messen. 

 Ich gehe dabei wie folgt vor:

Der Tiefenmesser wird auf den Grundkörper des Fräsers angesetzt, nicht auf dessen Schneide. Dreht man nun den Fräser mit der Hand gegen die Laufrichtung, drückt die sich drehende Schneide den Tiefenmesser genau auf die höchste Position des Schneidenflugkreises. Dann kann man im Display die präzise Frästiefe ablesen. Dreht man den Fräser in Laufrichtung, schneidet er in den Kunststoff des Tiefenmessers, wodurch dieser sehr schnell unbrauchbar würde.

Der Einfachheit halber stelle ich, wenn es möglich ist, zuerst die Frästiefe, also den Fräsanschlag ein, während der Tiefenmesser flach auf der Frästischplatte liegt. Erst dann stelle ich die Höhe des Fräsers ein.

Erst wird die Frästiefe eingestellt.

Erst wird die Frästiefe eingestellt.

Mit der richtigen Vorgehensweise gelingt die Einstellung ganz einfach und präzise.

Mit der richtigen Vorgehensweise gelingt die Einstellung ganz einfach und präzise.

Ist die Tiefe eingestellt, wird die Fräserhöhe eingestellt.

Ist die Tiefe eingestellt, wird die Fräserhöhe eingestellt.

Den Fräsanschlag genau einstellen

Parallel verstellbare Anschlagsysteme mit Feineinstellungen sind in den USA sehr beliebt, während bei uns meist die Anschlagbefestigung von großen Tischfräsen auf die kleineren Frästische übertragen wird. Eine Feineinstellung fehlt bei diesen Anschlägen sehr oft.

Ein solcher Anschlag kann dennoch sehr genau eingestellt werden. Dazu bleibt eine der Befestigungsschrauben angezogen, die zweite wird gelöst. Aber nicht zu viel lösen, sondern noch ganz leicht beidrehen. An der Seite des Anschlages, an der die Schraube gelöst ist, klopft man am Anschlagende in die Richtung, in die man korrigieren möchte. Ein Millimeter an diesem Ende verstellt, wirkt sich zum Fräser hin um etwa die Hälfte aus. Zusammen mit einem digitalen Tiefenmesser erreicht man wirklich genaue Einstellungen.

Lösen Sie nur eine Schraube, nicht beide auf einmal

Lösen Sie nur eine Schraube, nicht beide auf einmal

Durch leichtes Klopfen können Sie den Anschlag sehr präzise einstellen. Eine Genauigkeit unter einem zehntel Millimeter ist möglich.

Durch leichtes Klopfen können Sie den Anschlag sehr präzise einstellen. Eine Genauigkeit unter einem zehntel Millimeter ist möglich.

Bohrer fürs schnelle Einstellen

Sicherlich haben auch Sie mehr als ein Sortiment Bohrer in der Werkstatt. Beispielsweise eines für Metall und eines für Holz. Diese Bohrer können Sie auch zum Einstellen des Fräsanschlages nutzen. Im folgenden Beispiel wird eine Nuttiefe von genau zehn Millimetern eingestellt. Dazu legen Sie jeweils einen 10-Millimeter-Bohrer an eine der Anschlagbacken. Eine Holzleiste wird an die Bohrer gelegt. Nun wird der Anschlag so verschoben, dass der Fräser gerade so die Holzleiste berührt, wenn man ihn von Hand dreht. Fertig ist die Einstellung der Frästiefe.

Bohrer in unterschiedlichen Abstufungen hat sicherlich jeder in der Werkstatt.

Bohrer in unterschiedlichen Abstufungen hat sicherlich jeder in der Werkstatt.

Zwei Bohrer geben die genaue Frästiefe vor.

Zwei Bohrer geben die genaue Frästiefe vor.

Für viele Anwendungen ist diese Art der Einstellung bei Weitem genau genug.

Für viele Anwendungen ist diese Art der Einstellung bei Weitem genau genug.

Einstellung per Augenmaß

Bei vielen Einstellungen am Frästisch kann man sich das Messen ersparen, da die notwendigen Maße regelrecht abgetastet werden können. So zum Beispiel bei einem Nutzapfen. Hierbei kann der Fräser anhand der bereits gefrästen Nut in der Höhe eingestellt werden. Da man ohnehin die letzten zehntel Millimeter anpassen muss, reicht es eaus, für den ersten Fräsversuch den Fräser per Augenmaß einzustellen.

Auch bei Fasen oder Profilen kann ein genauer Blick eine Messung ersetzen. Dreht man den Fräser in die richtige Position, zeichnet sich das Profil am dahinterliegenden Werkstück ab. Am besten sieht man das, wenn man in die Hocke geht und über die Fläche des Frästisches blickt. Das zu fräsende Werkstück bleibt in der richtigen Position liegen und man muss nur noch den Fräsanschlag vorsichtig an das Werkstück heranschieben und befestigen. Probieren Sie beides einmal aus. Sie werden vielleicht überrascht sein, wie schnell und einfach so manche Einstellung ist, wenn man nicht groß misst.

Die Oberkante der Schneide ist gut zu sehen und wird knapp unter die Kante am Werkstück eingestellt.

Die Oberkante der Schneide ist gut zu sehen und wird knapp unter die Kante am Werkstück eingestellt.

Mit montierten Schutzeinrichtungen wird eine Probefräsuung gemacht.

Mit montierten Schutzeinrichtungen wird eine Probefräsuung gemacht.

Eventuell muss man noch etwas nachstellen, bis die Fräsung perfekt passt passt. Ohne Probefräsungen geht es aber ohnehin nicht.

Eventuell muss man noch etwas nachstellen, bis die Fräsung perfekt passt passt. Ohne Probefräsungen geht es aber ohnehin nicht.

Die Kante des Fasenfräsers zeichnet sich deutlich am Werkstück ab.

Die Kante des Fasenfräsers zeichnet sich deutlich am Werkstück ab.

Der Anschlag wird vorsichtig bis an das Werkstück herangeschoben.

Der Anschlag wird vorsichtig bis an das Werkstück herangeschoben.

Glaserklötze und runde Maße

Generell sollten sie wenn möglich runde Maße für Fräsungen verwenden. Beispielsweise macht es nur selten Sinn, eine Nut 9,7 Millimeter tief zu machen, statt runden 10 Millimetern. Bei runden Maßen fallen Rechenfehler auch schneller auf. Wenn Sie mit runden Maßen arbeiten, können Sie auch sogenannte Glaserklötze zum Einstellen nutzen. Das sind Kunststoffklötzchen, die ursprünglich von Glasern als Abstandhalter benutzt wurden. Inzwischen bekommt man sie im Baustoffhandel und im Internet als Unterlegklötzen im unterschiedlichen stärken. Die verschiedenen farben helfen dabei die unterschiedlichen Stärken auseinanderzuhalten. Mit diesen Klötzen kann man beispielsweise den Abstand zwischen Fräserschneide und Maschinentisch einstellen. Auch der erste Tipp mit den Bohrern funktioniert genau so gut mit diesen Klötzchen. Auch sonst finden sich in der Werkstatt zahlreiche Anwendungsmöglichkeiten für die bunten Plastikhelfer.

Der Abstand unter diesem Fräser lässt sich mit Glaserklötzchen bestimmen und einstellen.

Der Abstand unter diesem Fräser lässt sich mit Glaserklötzchen bestimmen und einstellen.

Glaserklötze: Sie werden schnell unverzichtbar in der Werkstatt.

Glaserklötze: Sie werden schnell unverzichtbar in der Werkstatt.

Diese Tipps sind mit Sicherheit nicht alle neu oder gar revolutionär. Vieles wird von Schreinern und Holzwerkern in dieser und ähnlicher Form seit Jahren schon so gemacht und gezeigt. Ich habe aber festgestellt, dass sich vor allem Neulinge in Sachen Frästisch manchmal das Leben unnötig schwer machen. Ich hoffe diese Tipp-Zusammenstellung hilft dem einen oder anderen von Ihnen, die Sache mit dem Einstellen des Frästisches ein wenig lockerer anzugehen.

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1 Kommentare

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30. Mai 2017

Hallo Heiko, zu den "runden Maßen": Ich habe festgestellt, dass viele Fräser, z.B. solche mit Anlaufring, eher auf zöllige Maße ausgerichtet sind. Also 1/4" (6,35mm), 3/8" (9,5mm), 1/2" (12,7mm) etc. auch wenn das Schaftmaß ein metrisches ist (8 oder 12mm). D.h. ich prüfe nun zunächst, welche Fräser ich einsetze. Dann wird s entweder ein "rundes metrisches Maß" oder eben ein "rundes zölliges". viele Grüße Reinhard

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