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11. Mai 2017 // Veronika-Zenz

Entwurf und Bau eines Doppelbettes – Teil 4 / 4

Unser Bett steht also, und wir sind glücklich mit unserer neuen Schlafstelle. Trotzdem ist nicht alles glatt gelaufen. Wie am Anfang versprochen, gehe ich zum Abschluss noch auf die Fehler und Erkenntnisse aus dem Bau ein.

#1 Bei geschwungenen Bauteilen ist nur perfekt gut genug

Wann immer ich in Zukunft geschwungene Übergänge zwischen Bauteilen verwende, werde ich noch größere Aufmerksamkeit darauf legen, dass die Bögen perfekt gleichmäßig sind. Das menschliche Auge bemerkt kleine Hacker und unregelmäßige Kurvenverlauf gnadenlos.

Für die Praxis bedeutet das, sich beim Bau der Kopierschablonen Zeit zu nehmen. Zum Anzeichnen einer gleichmäßigen Kurve muss man nicht unbedingt viel Geld in biegbare Kurvenlineale investieren. Ein Zirkel oder justierbarer Bogen ist schnell gebaut. Bei der Wahl der Kopierschablone setzt man am besten auf ein Material dass sich leicht nachbearbeiten und schleifen lässt: So schleift sich MDF an der Kante schneller und gleichmäßiger als etwa Sperrholz.

Die Feinarbeit an der Schablone ist gut investiert Zeit, denn Nacharbeiten am fertigen Möbel ist oft nicht möglich oder viel aufwendiger.

Seitenteil – der Bogen ist nicht perfekt

#2 Achte auf die Holzauswahl

Auch bisher lege ich bei meinen Möbeln schon ein großes Augenmerk auf die Holzauswahl. Das beginnt bei der Durchsicht der Bretter beim Holzhändler und geht weiter bei der Sortierung des Materials und Zuordnung zu den einzelnen Bauteilen. Der Maserverlauf und die Lage der Jahresringe ist sowohl für das Schwindverhalten als auch für die Optik entscheidend. Obwohl ich mir also bei diesem Schritt ohnehin schon viel Zeit nehme, hätte ich in diesem Projekt im Nachhinein betrachtet, mehr auf die Holzsortierung achten sollen. Die Zargen sind aus zwei Brettern verleimt, und bei der rechten Zarge haben die verleimten Bretter einen etwas unterschiedlichen Farbton. Die Trennlinie zwischen den Brettern ist dadurch sichtbar und lenkt von der geschwungenen Abplattung ab.

Auf die Holzauswahl achten.

#3 Altbewährtes überdenken

Für ein Kinderbett hatte ich gute Erfahrungen mit Berliner Betthaken gemacht und habe deshalb auch beim Doppelbett ohne viel Nachzudenken zu dem bewährten System gegriffen. Die Betthaken werden so eingefräst, dass die Beschlagsplatten einen Hauch innen liegen. Nur so ziehen die Haken die Verbindung stramm zusammen. Das heißt auch, dass beim Zusammenstecken der Zarge mit dem Fuß diese erst in ihre endgültige Position rutscht, wenn die Verbindung durch lateralen Druck voll zusammengezogen ist. Bei diesem Bett ist es wichtig, dass die Zarge und der Fuß perfekt miteinander abschließen und auch beim Fräsen der Abplattung genauso wie dann im endgültigen Zustand zueinander liegen. Bei den Berliner Betthaken tun sich hier Fehlerquellen auf. So ist der Übergang beim Bett jetzt nicht perfekt. Natürlich kann man es auch mit Berliner Betthaken perfekt hinbekommen, aber ich denke mit anderere Beschläge oder eingelassene Gewindschrauben wäre ein perfektes Resultat leichter zu erzielen.

Hier sind die Betthaken noch nicht ganz eingerastet, die Zarge steht obenüber. Ganz eingerastet liegt sie wieder nicht bündig, sondern etwas unterhalb.

#4 Gib dein Bestes und nimm dir Zeit

Wann immer ich bei einem Herzensprojekt Abstriche mache, um schneller fertig zu werden, wurmt es mich später. In diesem Projekt, sind es die Bretter für das Kopfteil, die ich, um Zeit zu sparen, einfach von Hinten angeschraubt habe. Ein Jahr ist seit dem Bau vergangen und die Konstruktion hält. Aber eine Gratnut und Feder Verbindung wäre konstruktiv sauberer und befriedigender.

Natürlich gibt es auch im Hobbybereich Projekte, da ist die Effizienz im Bau und das schnelle Ergebnis ein wichtiger Faktor. Dann ist gegen den Einsatz von Schrauben statt Holzverbindungen auch nichts einzuwenden. Aber zu diesem Projekt passen die Schrauben an dieser Stelle nicht so recht. Immerhin ist das Kopfteil leicht abzumontieren – vielleicht spendiere ich dem Bett also noch ein Kopfteil mit eingegrateten Brettern. Also bei aufwendigen Projekten nicht ungeduldig werden. Wenn man für sich und zum Spaß baut, wiegt die eigene Zufriedenheit mit dem Projekt langfristig weit mehr, als ob das Projekt ein paar Wochen früher oder später fertig geworden ist.

Kopfteil - eine Gratnut und Feder Verbindung wäre hier die sauberere Lösung

Also immer schön die Ruhe bewahren, langsam und konzentriert arbeiten und dem Prozess vertrauen.

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Werkstattkurs - Vitrine

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Werkstatt-Kurs Möbelbau: Vitrine

Dieser erste Band der neuen Reihe Werkstatt-Kurs zeigt, wie Sie ein Korpusmöbel in den verschiedensten Varianten herstellen. Türen, Schubkästen, Kranz, Deckel, Füße - Guido Henn zeigt die riesige Bandbreite an Wahlmöglichkeiten. Beim Bau seiner feinen Vitrine wählt er schließlich eine Variante aus und zeigt die Herstellung in allen Details. Per Video hat Guido Henn den Bau dieser Vitrine für Sie dokumentiert. Rund zwei Stunden Film auf DVD zeigen alle Bauabschnitte und die Maschinen in Aktion. Zusätzlich zum Video enthält das Paket „Werkstatt-Kurs Möbelbau“ auch die sechsteilige Serie aus HolzWerken in Buchform und einen riesigen Bauplan (nahezu DIN A2-Größe) mit allen Zeichnungen auf einen Blick.

Aus dem Inhalt:

  • Teil 1: Korpusbau
  • Teil 2: Korpusbau (Fortsetzung)
  • Teil 3: Türenbau
  • Teil 4: Türenbau (Fortsetzung)
  • Teil 5: Schubkastenbau
  • Teil 6: Fuß, Sockel, Deckel, Kranz und Oberfläche 

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2 Kommentare

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Unbekannter Nutzer

19. Jan 2018

Hallo Herr Scheck, Ja richtig erkannt. Die Verbindung ist mit 4 10er Domino Dübel gemacht. Bisher traten keine Probleme auf. Prinzipiell ist aber sicher Vorsicht geboten bei Längs auf Quer Verleimungen.

Unbekannter Nutzer

17. Jan 2018

Frau Zenz, vielleicht sehe ich das nicht korrekt. Aber stoßen nicht an Fuß- und Kopfzarge zwischen Zarge und Bettfuss Quer- auf Längsholz? Ist das verleimt und reisst nicht? viele Grüße Reinhard Scheck

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