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07. Mai 2019 // Heiko-Rech

Ein ungewöhnlicher Kleiderschrank – Teil 1

In den letzten Monaten konnten Sie den Bau eines Jugendbettes und eines Schreibtisches aus Esche in den Ausgaben Nr. 75 und 78 sehen. Zu diesen beiden Möbeln muss noch ein Kleiderschrank gebaut werden. Die Schwierigkeit besteht darin, dass dieser Schrank an eine Wand mit Schräge gestellt werden muss und zu allem Überfluss gibt es da auch noch einen Lichtschalter, der nicht versetzt werden soll. Daher wird der Schrank Treppenförmig gebaut. So passt er unter die Schräge und der verfügbare Raum ist so gut wie möglich genutzt.

So soll der Schrank später einmal aussehen. Die dunklen Flächen bestehen aus Massivholz, die helleren aus furnierten Tischlerplatten.

So soll der Schrank später einmal aussehen. Die dunklen Flächen bestehen aus Massivholz, die helleren aus furnierten Tischlerplatten.

Durch diese treppenförmige Anordnung der Schrankelemente ergeben sich einige Schwierigkeiten, die auf den ersten Blick nicht so auffallen, aber spätestens beim Konstruieren des 3D-Modells in SketchUp zutage treten. Da wäre zum Beispiel die Rückseite. Da es sich nicht um einzelne Korpusse handelt, kann die Rückwand nicht eingenutet werden, da würde an den Mittelseiten zu wenig Material stehen bleiben. Daher liegen die Rückwände in einem Falz, der aber nicht einfach durchgefräst werden kann. Die frei in den Raum zeigende Seitenwand und der dazugehörige Deckel werden zum Teil aus Massivholz gefertigt, sodass sie optisch zum Bett und dem Schreibtisch passen. Und zu alledem muss der Schrank auch noch zerlegbar sein.

Die Rückwand liegt in einem Falz. Der kann aufgrund der Schrankform aber nicht einfach durchgefräst werden.

Die Rückwand liegt in einem Falz. Der kann aufgrund der Schrankform aber nicht einfach durchgefräst werden.

Der dunkler gefärbte Teil wird später aus Massivholz sein. Die Optik des Bettes und des Schreibtisches wird hier wieder aufgegriffen.

Der dunkler gefärbte Teil wird später aus Massivholz sein. Die Optik des Bettes und des Schreibtisches wird hier wieder aufgegriffen.

Einige Eckdaten:

  • Der Schrank wird 1600 mm breit werden, 600 mm tief und an seiner höchsten Stelle 2100 mm hoch sein.
  • Material: Tischlerplatten Esche furniert, 19 mm stark, sowie Esche Massivholz und für die Schubladen Birke Multiplex 15 mm stark. Alle sichtbaren Plattenkanten werden mit Starkfurnierkanten belegt.
  • Im unteren Teil werden insgesamt sechs Schubladen mit Vollauszügen (Blum Movento) eingebaut, darüber jeweils Türen.
  • Im Inneren bekommt der Schrank Lochreihen, damit die Einlegeböden und die Kleiderstangen in der Höhe flexibel eingeteilt werden können.
  • Der Schrank wird auf einen durchgehenden Sockel gestellt.

Am Anfang des Baus steht erst einmal die Fleißarbeit. Die Platten müssen zugeschnitten werden. Aber erst einmal mit etwas Aufmaß und ohne die Querschnitte. Denn bevor die Teile abgelängt werden müssen die Massivholzkanten auf die Längskanten. Diese werden bündig gefräst und erst danach werden die Querschnitte gemacht. Das hat den Vorteil, dass die Anleimer in der Länge exakt bündig werden. Bis es aber soweit ist, müssen erst noch einige Meter Starkfurnierkanten verarbeitet werden.

Auf einer solchen Rolle sind 50 Meter Kante drauf. Das ist weniger als Sie vielleicht denken. Schließlich sind an einem Schrank schon eine Menge Kanten dran, die belegt werden müssen.

Auf einer solchen Rolle sind 50 Meter Kante drauf. Das ist weniger als Sie vielleicht denken. Schließlich sind an einem Schrank schon eine Menge Kanten dran, die belegt werden müssen.

Das Anleimen der Kanten auf die Platten geschieht immer nebenbei, während andere Arbeitsgänge gemacht werden. Eine Presszeit von ca. 30 Minuten ist ausreichend. So kann man alle halbe Stunde eine Kante anleimen.

Das Anleimen der Kanten auf die Platten geschieht immer nebenbei, während andere Arbeitsgänge gemacht werden. Eine Presszeit von ca. 30 Minuten ist ausreichend. So kann man alle halbe Stunde eine Kante anleimen.

Wenn man oft Kanten anleimt, lohnt sich die Anschaffung einer solchen Fräse mit Sicherheit. Sie macht das Bündigfräsen zum Kinderspiel und Nacharbeit ist auch keine erforderlich.

Wenn man oft Kanten anleimt, lohnt sich die Anschaffung einer solchen Fräse mit Sicherheit. Sie macht das Bündigfräsen zum Kinderspiel und Nacharbeit ist auch keine erforderlich.

Sie müssen aber keine spezielle Maschine haben, um Anleimer bündig zu bekommen. Das geht auch so:

Anleimer auf dem Frästisch bündig machen:
http://www.holzwerken.net/Blog/Heiko-Rech/Ran-an-die-Kanten

Anleimer mit dem Handhobel bündig machen
http://www.holzwerken.net/Blog/Heiko-Rech/Buendighobel-selbst-gemacht

Der Massivholzzuschnitt ist bei diesem Projekt recht übersichtlich. Es wird nur eine Platte mit den Maßen 400 x 600 Millimetern gebraucht und zwei Stollen mit einer Länge von etwas über einen Meter und einer Breite von 100 Millimetern. Die Teile sind jeweils 30 Millimeter stark.

Eigentlich wollte ich eine existierende Platte nehmen. Die Platte hatte ich noch von einem anderen Projekt übrig. Sie steht schon seit fast einem Jahr in meiner Werkstatt.

Tipp: Wenn Sie Massivholzplatten über einen längeren Zeitraum in der Werkstatt lagern müssen, wickeln Sie die Platten in Folie ein. So verhindern Sie, dass die Massivholzplatten während der Lagerung arbeiten, krumm werden oder im schlimmsten Fall sogar reißen. Das macht die Leimholzindustrie auch so. Wenn sie Leimholzplatten im Holzhandel oder Baumarkt kaufen sind diese immer in Folie verpackt.

Diese Platte stand gut verpackt in meiner Werkstatt. Nun habe ich zumindest für einen Teil davon eine passende Verwendung.

Diese Platte stand gut verpackt in meiner Werkstatt. Nun habe ich zumindest für einen Teil davon eine passende Verwendung.

Der Bau des Kleiderschrankes wird sich eine Weile hinziehen, da ich noch andere Projekte habe, die auch fertig werden wollen. Daher wird es zwischendurch immer wieder auch Artikel zu anderen Themen geben. Und auch wenn Sie gerade keinen Kleiderschrank bauen wollen, bin ich mir doch sehr sicher, dass Sie den einen oder anderen Tipp aus diesen Artikeln zum Kleiderschrank auch für Ihre Möbelprojekte nutzen können.

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Die neue Spezial-Ausgabe dreht sich ums Holz, wie es gewachsen ist! Quellen, Schwinden, Arbeiten: Holen Sie sich solides Expertenwissen zum fachgerechten Umgang mit Massivholz. Zahlreiche Projekte aus dem vollen Holz runden die Winter-Ausgabe von HolzWerken ab. Aus dem Inhalt: - Kommode mit zehn Schubkästen - Hobelpferd: Schnitzbank aus Grünholz - Drechseln: Schale mit Deckel aus einem Stück - Bauprojekt: Garderobenspiegel - Holz zähmen mit Nutklötzen - Pfeifenbau wie in Mittelerde - Einer der letzten Holzschuhmacher im Porträt

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1 Kommentare

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24. Mai 2019

Hallo Heiko, wie werden denn die Rückwände befestigt? Nageln/schrauben von hinten ist denke ich etwas schwierig. Dazu müsste der Schrank von der Wand entfernt aufgebaut werden und in einem Stück an die Wand geschoben werden. Plane gerade einen größeren Kleiderschrank (3m breit; dreiteilig; 19mm Erle Leimholz) und hab das selbe "Problem" mit den Nuten in den Zwischenwänden. Meine Idee wäre 9mm tiefe Nuten in den Außenwänden und nur 5mm tiefe Nuten in den Zwischenwänden. Dann blieben bei 19mm Platten noch 9mm zwischen den Nuten stehen. Das sollte reichen, oder? Bin mir nur nicht sicher ob die Rückwände (5mm HDF) auch in den Nuten bleiben oder doch rausrutschen... Gruß, Karl

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