Created with Sketch.

27. Okt 2015 // Heiko-Rech

Der Zollstock ist tot?

Zollstock, Gliedermaßstab, Meterstab, oder wie der Saarländer sagt "de Meter" gab es lange Zeit immer als Werbegeschenke auf Messen und von Händlern. Inzwischen ist man nicht mehr so freigiebig mit den bunt bedruckten Messwerkzeugen. Vor einigen Jahren habe ich dann tatsächlich mal einen kaufen müssen. Jetzt liegen sie meist ungenutzt in Schubladen herum. Nur ganz selten wird noch einer benutzt. Es gibt einfach bessere und bequemer zu nutzende Gerätschaften um Längen zu messen.

Inzwischen nehmen sie nur noch Platz in der Schublade weg: Zollstöcke, offiziell als „Gliedermaßstab“ bezeichnet.

Inzwischen nehmen sie nur noch Platz in der Schublade weg: Zollstöcke, offiziell als "Gliedermaßstab" bezeichnet.

Da wäre zum Beispiel der Messschieber, meist Schieblehre genannt. Auch in digitaler Ausführung sind solche Geräte heute nicht mehr sehr teuer. Wenn es darum geht, Maße unter 150mm Länge zu bestimmen ist er inzwischen das Mittel der Wahl. Ein digitaler Messschieber liegt immer griffbereit an einem zentralen Ort in der Werkstatt.

 

Messschieber mit digitaler Anzeige sind auch in ordentlicher Qualität nicht mehr teuer.

Messschieber mit digitaler Anzeige sind auch in ordentlicher Qualität nicht mehr teuer.

Für längere Maße, egal ob ich sie messen oder anzeichnen will, sind mir Stahllineale sehr ans Herz gewachsen. Die Skalen sind gut ablesbar und in verschiedenen Längen sind sie einfach handlicher, als der Zollstock. Mit einem Anschlag versehen (siehe auch:http://www.holzwerken.net/Blog/Heiko-Rech/Immer-wieder-das-Gleiche) sind sie für das Anzeichnen immer wieder vorkommender Maße sehr praktisch. Ich nutze das gerne beim Plattenzuschnitt mit der Handkreissäge. Mehrere Stahllinieale in unterschiedlichen Längen sind inzwischen in der Werkzeugkiste, oder hängen griffbereit an der Wand.

Gut ablesbar, handlich und sehr genau: Stahllineale sind für mich ein guter Ersatz für den Zollstock.

Gut ablesbar, handlich und sehr genau: Stahllineale sind für mich ein guter Ersatz für den Zollstock.

Ab einem Meter Länge sind Stahllineale aber wiederum unhandlich. Dann kommt das Rollbandmaß ins Spiel. Klein, kompakt, recht genau und auch mit Bändern über fünf Metern zu bekommen. Mir hat aber bisher ein fünf Meter langes Bandmaß immer ausgereicht. Beim Messen wird es einfach am Ende des Werkstückes eingehakt. Enorm praktisch beim Anreißen des Zuschnittes auf einer Massivholzbohle oder beim Vermessen von Platten. Versuchen Sie das einmal mit Ihrem Zollstock. Wie oft ist Ihnen der Zollstock schon am Ende des Werkstückes verrutscht, statt ruhig liegen zu bleiben?

Fünf Meter Länge auf kleinstem Raum. Bandmaße sind nicht ohne Grund seit Jahrzehnten aus keiner Werkstatt heraus zu denken.

Fünf Meter Länge auf kleinstem Raum. Bandmaße sind nicht ohne Grund seit Jahrzehnten aus keiner Werkstatt heraus zu denken.

Inzwischen halten auch immer mehr Messgeräte mit digitaler Anzeige in der Werkstatt Einzug. Der erwähnte Messschieber, ein Gerät um Fräsen einzustellen, ein digitaler Winkelmesser. Sogar meine neue Oberfräse hat eine digitale Messeinheit. Digitale Anzeigen sind viel einfacher abzulesen. An dieser Stelle muss aber erwähnt werden, dass bei einem klassischen Zollstock und der Schieblehre mit Nonius, keine Batterie im entscheidenden Moment versagen kann. Dieser Punkt geht also ganz klar an die analoge Technik.

Wer digital messen will, sollte einen kleinen Vorrat an Batterien haben. Leider verwenden unterschiedliche Geräte auch unterschiedliche Energiequellen.

Wer digital messen will, sollte einen kleinen Vorrat an Batterien haben. Leider verwenden unterschiedliche Geräte auch unterschiedliche Energiequellen.

Es gibt einfach bessere Messwerkzeuge, als den althergebrachten Zollstock. So bleiben auch die Zollstocktaschen an meinen Arbeitshosen meist leer. Auf Messen winke ich inzwischen ab, wenn mir jemand doch mal einen werbebedruckten Zollstock schenken will. Ganz darauf verzichten will ich aber noch nicht. Denn zum Beispiel beim Ausmessen eines Raumes ist er noch ganz praktisch. Aber auch nur, bis ich mich zum Kauf eines elektronischen Entfernungsmessers durchringen werde.

 

Viele gute und praktische Spezialisten statt einem Zollstock, der alles ein bisschen, aber nichts so richtig gut kann.

Viele gute und praktische Spezialisten statt einem Zollstock, der alles ein bisschen, aber nichts so richtig gut kann.

Und wie sieht es bei Ihnen aus? Hat der Zollstock, Gleidermaßsstab, Meterstab oder "de Meter" in Ihrer Werkstatt noch eine Zukunft?

HolzWerken Ausgabe 93

Einzelheft Zeitschrift

HolzWerken 93 Mai/Juni 2021

Moderner Stil mit traditionellen Techniken: Der schlanke Eichen-Schreibtisch aus Heft 93 ist ein echter Hingucker in zeitgemäßem Design. Wie man Gratleisten, die hier zum Einsatz kommen, auch als versteckte Variante erstellt, zeigt ein weiterer Beitrag. Und Guido Henn präsentiert Ihnen mit dem Bau einer Andruckvorrichtung, wie Sie Ihre Finger bei der Arbeit am Frästisch schützen. Außerdem im Heft: - In der Tasche: Reise-Korkenzieher drechseln - Im Detail: Kumiko-Muster vom Feinsten - Für Anreißer: Wie verschiedene Streichmaß-Typen arbeiten - Mit Druck: Furnierpresse aus einem Feuerwehrschlauch - Hält tierisch gut: Altbewährte organische Leime

Tags

Das könnte Sie auch interessieren!

7 Kommentare

Sie sind aktuell nicht eingeloggt.

Um einen Kommentar zu hinterlassen, loggen Sie sich bitte ein.

Login

Unbekannter Nutzer

07. Feb 2017

Messschieber und Zollstock kann man nun nicht wirklich vergleichen. Die Messlänge ist ja eine völlig verschiedene. Der übliche Messschieber, den man Zuhause hat, hat einen Messbereich von 150 mm. Da kommt der Zollstock schon weiter, bei entsprechend geringerer Messgenauigkeit. :-) Aber ja, bei kurzen Strecken bevorzuge ich immer den Messschieber. Grüße Christian

Unbekannter Nutzer

08. Jan 2016

Hallo, nach meiner persönlichen Ansicht hast Du in diesem Beitrag ein Messgerät vergesse. Ich persönlich könnte nämlich mein Streichmass nicht mehr missen. Ohne Werbung zu machen meine ich dieses hier: Würth 071570 200. Das ist eines meiner Lieblingsmesswerkzeuge!

Unbekannter Nutzer

20. Nov 2015

Hallo Heiko, irgenwie stimme ich Dir in vielen Punkten zu. Ich verwende auch lieber Kombiwinkel und Stahllineal. Habe auch noch viele "Meter", aber da nur noch die welche qualitiv hochwertig sind, d.h. die gut einrasten. Es gibt einige die bei 90° und sogar bei 45° einrasten, die vervende ich um schnell was anzureisen wenn es nicht so sehr auf Genauigkeit ankommt. Von Schreinerwissen habe ich mir mal einen bestellt bei seitlich auch das Vielfache des 32mm Rasters aufgedruckt sind. Auch ganz praktisch. Sicherlich gibt es dafür auch höherwertige und teuere Messmittel. Auch habe ich zwei Stück die nur einen Meter lang sind und die einzelnen Glieder nur 12cm, der immer gut in die Jacketasche. Also meisten verwende ich den guten alten Meter zum Ausmessen in der Wohn. Aber wie gesagt habe nur noch die wirklich guten! VG Michael

Unbekannter Nutzer

29. Okt 2015

Hallo Heiko, neben Messschieber und Lineal liebe ich meinen kleinen Meterstab. Wie der Name schon sagt, ist er nur einen Meter lang und sehr handlich.

Unbekannter Nutzer

29. Okt 2015

Hallo Heiko, in meiner Werkstatt gibt und wird es auch weiterhin Meterstäbe geben. Kürzere Strecken messe ich mit Stahllinealen, aber größere gerne mit dem Meterstab. Das verrutschen von der Werkstückkante vermeide ich, indem ich den Meterstab festklemme. Zwar habe ich auch Bandmaße, aber irgendwie mag ich die nicht so wirklich. Gruß aud dem Schwabenländle Bernd

Unbekannter Nutzer

27. Okt 2015

Hallo Heiko, Interessanter Artikel, wie eigentlich immer. Ich kann die Argumente alle gut nachvollziehen. In der Werkstatt stimmt das alles, wenn es aber "raus" geht, ist ein Meter immer noch das Mittel der Wahl. Und vor allem: Mit einer Schieblehre würde ich nie ein Bier aufmachen ;-) Grüße von der Bergstraße Simon

Unbekannter Nutzer

27. Okt 2015

Hallo Heiko, auf meinen Zollstock und Maßband möchte ich auch weiterhin nicht verzichten, weil sie in manchen Situationen einfach für mich noch immer am Praktischten sind. Was ich aber wirklich schätzen gelernt habe sind meine Anreiß- und Markierungslineale von Incra-Rules, die finde ich echt toll. Schöne Grüße aus der Nähe von Wien Werner

Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen zu Cookies erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Ok