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29. Dez 2015 // Heiko-Rech

Darauf kann ich verzichten

Was da in meiner Werkstatt zu fehlen scheint ist ein Bohrständer, oder eine Tischbohrmaschine. Ich hatte mal einen Bohrständer, aber das ist schon länger her. Nachdem er nur noch in der Ecke stand und verstaubte habe ich ihn verkauft. Seither habe ich ihn nicht vermisst. 

So einen Bohrständer habe ich schon lange nicht mehr.

So einen Bohrständer habe ich schon lange nicht mehr.

Das liegt mit Sicherheit auch an meiner Arbeitsweise. Ich bohre relativ wenig. Und wenn ich bohre, muss es nicht einmal sehr präzise sein.  Bei den meisten Bohrungen, die bei mir anfallen, handelt es sich um das Vorbohren von Schrauben. Das sind dann meist irgendwelche Leisten, die angeschraubt werden, Rückwände oder Schubladenböden. Da spielt dann der genaue Winkel keine Rolle und es ist auch meist nicht notwendig eine bestimmte Bohrtiefe genau einzuhalten.

Wenn es nur darum geht Schraubenlöcher vorzubohren ist keine Präzision gefragt.

Wenn es nur darum geht Schraubenlöcher vorzubohren ist keine Präzision gefragt.

Bohrungen für Topfscharniere mache ich meist mit der Oberfräse. Dafür habe ich mir eine Schablone gemacht. Aber auch das geht prima mit einem Akkuschrauber oder einer Bohrmaschine, ohne Ständer. Bei Bohrungen mit Forstnerbohrern kommt es darauf an, dass man den richtigen Antrieb wählt. Eine Maschine mit genügend Drehmoment bei geringer Drehzahl ist die richtige Wahl. Damit kann man sehr gefühlvoll auf die passende Tiefe bohren. 

Topfscharniere kann man auch freihändig bohren. Mit niedriger Drehzahl geht das sehr gut.

Topfscharniere kann man auch freihändig bohren. Mit niedriger Drehzahl geht das sehr gut.

Schaut man genauer hin, so findet man viele Beispiele für Bohrungen, bei denen man gar nicht so genau arbeiten muss. Bei einem Topfscharnier ist die Bohrtiefe nicht sehr wichtig. Das Loch darf ruhig etwas tiefer sein. Solange sie nicht zu tief bohren und die Spitze des Bohrers auf der Gegenseite austritt macht das nichts. 

Die genaue Bohrtiefe und Position ist nicht so wichtig wie Sie vielleicht denken.

Die genaue Bohrtiefe und Position ist nicht so wichtig wie Sie vielleicht denken.

Sogar die Bankhakenlöcher in meiner Hobelbank und meiner Aufsatzzange habe ich fast frei Hand gebohrt. Ein Winkel aus Sperrholzresten als Führung für den Bohrer hat vollkommen ausgereicht. Denn auch hier ist keine absolute Präzision gefragt. Für Bankhaken und Niederhalter ist es nämlich nicht wichtig, dass die Bohrungen im genauen Winkel von 90° zur Bankplatte eingebracht werden.

Ungefähr gerade reicht oft schon vollkommen aus.

Ungefähr gerade reicht oft schon vollkommen aus.

Viele Alternativen zum Bohrständer oder der Tischbohrmaschine sind auch wesentlich bequemer. Wer schon einmal versucht hat Bohrungen in ein Bauteil von der Größe einer Schrankseite mit dem Bohrständer zu machen weiß, wovon ich rede.

Wenn es mit vertretbarem Aufwand machbar ist, versuche ich vor allem bei großen Löchern die Oberfräse zu benutzen. Ein typisches Beispiel zu dieser Jahreszeit sind Bohrungen mit einem Durchmesser von 40 Millimetern: für Teelichter. Wenn man diese mit dem Bohrständer macht, braucht man einen recht teuren Bohrer. Der verteilt beim Bohren die Späne großzügig in der Werkstatt. Nutzt man die Oberfräse, braucht man nur einen einfachen Nutfräser, einen Kopierring und eine schnell gemachte Schablone. Die Ergebnisse werden meist sauberer, als gebohrt und die Späne landen alle im Werkstattsauger.

Bohren mit der Oberfräse. Sauber und präzise.

Bohren mit der Oberfräse. Sauber und präzise.

Damit das nicht falsch verstanden wird, ich halte Bohrständer und Tischbohrmaschinen nicht für unnütz. Man kann mit dem passenden Zubehör damit ja auch noch mehr machen, als nur Bohren. Es ist von der persönlichen Arbeitsweise abhängig, ob man einen Bohrständer wirklich braucht, oder ob er nur als Staubfänger in der Werkstatt steht.

Und wie Sieht es bei Ihnen aus, Hand aufs Herz. Nutzen Sie Ihren Bohrständer oder Ihre Standbohrmaschine oft und sinnvoll? Wenn ja, wie?

HolzWerken Ausgabe 93

Einzelheft Zeitschrift

HolzWerken 93 Mai/Juni 2021

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11 Kommentare

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Unbekannter Nutzer

13. Feb 2016

Hallo, ich hatte lange eine alte, kleine Ständerbohrmaschine. Was ich hier u.a. vermisst habe war die schnelle Einstellung bei Bohrungen mittels Anschlägen, sowohl in Länge und Tiefe. Weiters fehlte ein größerer Tisch zur Auflage und mit der geringen Ausladung kam ich oft an die Grenzen der Maschine. Deshalb habe ich die Ständerbohrmaschine an meine Nachbarjungs zum Basteln verschenkt :-) und mir einen Wabeco sowie einen Quadrill gegönnt. Sinnvollerweise habe ich mir dann einen großen Tisch mit verschiebbaren Anschlägen gebaut und mit Maßskalen ergänzt. Zum Arbeiten mit der Schleifwalze (hierzu verwende ich ein alte Bohrmaschine) kann ich im Tisch die Opferplatte entfernen und so von unten absaugen (doppelter Boden). Dass hierbei auch ein wenig Spielerei und teilweise unwichtige Details mit einfließen liegt am Erbauer. Eine einfachere Ausführung hätte es sicher auch getan... :-) Missen möchte ich meinen Bohrständer auf keinen Fall. Auch wenn ich zum Bohren von Topfbändern einen Prebomat habe... für ein-zwei Topfbänder ist der Bohrständer schneller eingestellt. Hab in der letzten Zeit einige Vorrichtungen gebaut, hierbei waren Bohrungen bis 13mm in Metall nötig: Hier ist ein Bohrständer (oder eine Ständerbohrmaschine) Gold wert. Gruß Wilfried

Unbekannter Nutzer

26. Jan 2016

Ich finde es sehr interessant, wie unterschiedlich die Arbeitsweisen des Holzwerkers sein können. Bei mir ist der Wabeco-Bohrständer nach der Kreissäge die am häufigsten gebrauchte Stationärmaschine, und das obwohl ich sehr wohl in der Lage bin freihand gerade Löcher zu bohren. Neben Präzisionsbohrungen verwende ich ihn auch zum Fräsen und Schleifen und kann mir nicht mehr vorstellen, darauf zu verzichten.

Unbekannter Nutzer

26. Jan 2016

Ich finde es sehr interessant, wie unterschiedlich die Arbeitsweisen des Holzwerkers sein können. Bei mir ist der Wabeco-Bohrständer nach der Kreissäge die am häufigsten gebrauchte Stationärmaschine, und das obwohl ich sehr wohl in der Lage bin freihand gerade Löcher zu bohren. Neben Präzisionsbohrungen verwende ich ihn auch zum Fräsen und Schleifen und kann mir nicht mehr vorstellen, darauf zu verzichten.

Unbekannter Nutzer

09. Jan 2016

Zitat Heiko: „Jeder lernt von dem Anderen, man bekommt neue Impulse und übernimmt vielleicht sogar etwas. So soll es sein und genauso wünsche ich mir das auch für die Zukunft.“ Hallo Heiko, freut mich, dass du das so siehst. Dann möchte ich diesen Gedanken mal aufgreifen und den Lesern hier kurz erklären, was man mit einem Bohrständer so alles anstellen kann. Denn es wäre doch schade, wenn jetzt auf einmal bei Ebay ein Überangebot an gebrauchten Bohrständern auftauchen würde ;-) 1. Wahrscheinlich der Haupeinsatzzweck: Exakt senkrecht verlaufende Bohrungen mit einer bestimmten vordefinierten Bohrtiefe, ohne Angst haben zu müssen durchzubohren und damit das Werkstück zu ruinieren. 2. Mit entsprechenden Anschlägen: Exakt senkrecht verlaufende Serienbohrungen an einer bestimmten und immer gleichen Position des Werkstücks (Stichwort: Wiederholgenauigkeit). 3. Exakt mittiges und senkrechtes Bohren von Rundmaterialien aller Art (z. B. Rundstäbe oder sogar Holzkugeln!) 4. Bohren von schräg verlaufenden Löchern im vordefinierten Winkel (kommt übrigens sehr oft im Stuhlbau vor - also auch ein Teil des Möbelbaus) 5. Wird die Bohrsäule nach hinten gedreht: mobiles und exakt senkrechtes Bohren an jeder beliebigen Stelle einer großen Holzfläche (kann man natürlich bis zu einer gewissen Bohrtiefe auch mit der OF - dem besten mobilen Bohrständer der Welt ;-) 6. Werden Schleifhülsen anstelle von Bohrern eingesetzt, können geschwungene Kanten geschliffen werden, mit meiner Schleifstation aus dem „Handbuch Elektrowerkzeuge“ sogar völlig ohne jede Staubbelästigung. 7. Je nach Schleifhülsengröße und Anschlagflächen lassen sich aber auch gerade Leisten und dünne Brettchen sauber auf Dicke schleifen. 8. Und zu guter Letzt ist der Bohrständer mit Eurohalsaufnahme die wohl schnellste und einfachste Art eine Oberfräse (wohlgemerkt mit Eurohals!!!) stationär zu betreiben. Mir ist es wichtig, dass die Leser zunächst alle Möglichkeiten eines Bohrständers kennen, bevor sie sich dagegen entscheiden. In diesem Sinne schöne Grüße Guido (Henn)

Unbekannter Nutzer

08. Jan 2016

Hallo, ich als angehender (Hobby)Holzhandwerker bin gerade dabei meine kleine Werkstatt einzurichten und habe bereits einen Borhständer von Wolfcraft. Bevor ich den Blogeintrag von Heiko gelesen habe, war ich fest der Überzeugung, dass ich dafür noch einen Bohrtisch bauen werde und zur exakten Einstellung des Anschlags zwei Profilschienen verwenden möchte. Das stelle ich aber durch Heikos Blog und die diversen Kommentare dazu erstmal in Frage, denn bei genauerer Überlegung reicht in Regel wirklich die Freihandbohrung (ggfs. auch mit Schablone). Ich werde das Projekt "Bohrtisch" dennoch angehen, da ich nunmal den Bohrständer habe. Allerdings werde ich anstatt der Profilschienen ein paar 20 mm Borhungen - frei Hand - setzen zur möglichen Fixierung der Werkstücke. Viele Grüße Achim

Unbekannter Nutzer

08. Jan 2016

Hallo Dirk, Zitat: „Wenn ich dann aber überlege, WO das Loch reinsoll, frage ich mich doch, wie ich die Leimholzplatte (etc.) sinnvoll "unter" den Bohrständer bringe... ;-)“ Das ist ganz einfach: Die Säule samt Ausleger einfach um 180 Grad nach hinten von der Grundplatte wegdrehen und du kannst überall auf der Leimholzplatte ein exakt senkrechtes Loch bohren. Mal etwas Eigenwerbung (ich hoffe man verzeiht mir das): Solche Praxistipps und noch vieles mehr zum Bohrständer findest du übrigens in meinem Buch „Handbuch Elektrowerkzeuge“. Dort widme ich dem Bohrständer sogar ein eigenes Video mit knapp 20 Minuten auf der mitgelieferten DVD. Und klar - wenn eine Bohrung nicht genau sein muss nehme ich persönlich auch keinen Bohrständer - nichts muss, aber alles kann ;-) Schöne Grüße Guido (Henn)

Unbekannter Nutzer

07. Jan 2016

Klar, dass diese Aussage von Heiko Rech polarisieren muss, ist sie doch sehr ... hmmm... "provokant" (?). Ich denke aber, jeder der kurz nachdenkt und "richtig" liest, weiss, was gemeint ist. Ich bin "Anfänger" und - ja - auf meiner "Einkaufsliste" steht (auch) ein Bohrständer (Wabeco). Allerdings *nicht* an erster Stelle :-) Im Artikel schreibt Heiko Rech, dass es oft reicht, wenn eine Bohrung "einigermaßen" gerade ist. Und da beginnt das "Dilemma": Ich bin mir sicher: Wenn Heiko Rech "ungefähr gerade" bohrt, ist das in etwa so, wie wenn ich einen Bohrständer verwende. Was nicht aber wirklich zum Nachdenken gebracht hat: Ich kenne viele (!) Anwendung, wo ich gerne ein "gerades", exaktes Loch mit genauer Tiefe hätte (daher der Wunsch "Bohrständer". Wenn ich dann aber überlege, WO das Loch reinsoll, frage ich mich doch, wie ich die Leimholzplatte (etc.) sinnvoll "unter" den Bohrständer bringe... ;-)

Unbekannter Nutzer

31. Dez 2015

Dass man Bohrungen auch freihand oder mit der Oberfräse herstellen kann, dürfte den meisten aufmerksamen HolzWerken-Lesern sicher bekannt sein. Daraus aber gleich einen Verzicht auf den Einsatz eines Bohrständers oder einer Ständerbohrmaschine abzuleiten, halte ich jedoch für sehr gewagt. Aus meiner 25 jährigen Kursarbeit, weiß ich, dass sich gerade Anfänger sehr schwer damit tuen einigermaßen senkrechte Bohrungen per Hand herzustellen, da ist ein Bohrständer ein wahrer Segen und für viele eine Offenbarung. Und mit etwa 130 Euro für einen sehr guten WABECO Bohrständer muss man ja auch nicht tief in die Tasche greifen. Einen Bohrständer in der Werkstatt zu haben, bedeutet ja auch nicht, dass man trotzdem noch viele Arbeiten einfach freihand mit einer Bohrmaschine erledigen kann. Bei mir setzt der Bohrständer jedenfalls keinen Staub an und wird regelmäßig (vor allem in meinen Kursen) eingesetzt. Aber bei uns im Rheinland sagt man so schön: Jeder Jeck is anders ;-) In diesem Sinne schöne Grüße und einen guten Rutsch Guido Henn

ThG

30. Dez 2015

Hallo, ich nutze meine Ständerbohrmaschine für Forstnerbohrer und für die Metallbearbeitung die immer mal wieder anfällt. Außerdem kann man ihn gut für Schleifzylinder verwenden.

Unbekannter Nutzer

29. Dez 2015

Heikos Ausführungen mögen soweit natürlich stimmen, was den Möbelbaubereich betrifft. Geht es dann aber z.B. um kleine oder auch größere Metallarbeiten, wo Präzision oder aber auch größere Bohrdurchmesser gefragt sind, wird es mit der Handmaschine manchmal schon schwierig. Auch bei Durchbohrungen in Balken für Gewindestangen Schlosschrauben etc. war mir mein Bohrständer schon öfters eine große Hilfe. Ich für meinen Teil möchte nicht darauf verzichten, da der typische Hobby-(Holz)werker meiner Erfahrung nach nicht nur Möbel baut sondern den Ständer auch mal für andere Arbeiten nutzt bzw. nutzen kann. Ob ein 40mm Nutfräser nun günstiger als ein entsprechender Bohrer ist und ob es für jede Oberfräse einen Kopierring >40mm gibt sei mal dahin gestellt...

Martin Höft

29. Dez 2015

Hallo Heiko, Das ist richtig, der Bohrständer ist heute nicht mehr von Bedeutung. Seit die Oberfräse klein und handlich wurde und der Lamello erschinlich ist hat sich in der Werkstatt einiges getan. Mit freundlichen Grüßen Martin

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