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19. Jun 2020 // Dominik Ricker

Akkusysteme kritisch betrachtet

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Fortschritt ist nicht aufzuhalten. Neue Technologie ist immer besser, so zumindest die allgemeine Denkweise. Beim Holzwerken sich lassen sich zwei grobe Richtungen erkennen:

Hobel von deutschen Herstellern werden seit vielen Jahrzehnten in der gleichen Bauweise gefertigt, englische/amerikanische Handwerkzeuge sind im Prinzip nur überarbeitete Modelle von 1900, Form und Funktion japanischer Werkzeuge ist wohl seit mehreren Jahrhunderten fast gleichgeblieben. Auch wenn es hier und da Verbesserungen an Stecheisen und Streichmaß geben mag, der wahre Fortschritt bei Handwerkzeugen findet beim Bediener statt.

Bei Maschinen hingegen haben wir uns von Wind- und Wasserkraft zumindest als direkter Kraftantrieb seit mehr als hundert Jahren verabschiedet, der Strom aus der Steckdose sorgt fast überall für ausreichend Energiezufuhr. Doch ist diese Innovation noch lange kein Garant für frustfreies Arbeiten. So verbringt man teils vergeblich viel Zeit mit der Suche nach einer Steckdose, stolpert über das Kabel oder noch schlimmer, man durchsägt selbiges.

Was sich bei Mobiltelefonen, Laptops und zunehmend auch PKWs durchsetzt, hat auch bei Werkzeugen Einzug erhalten: der Akku. Der Akkuschrauber ist wohl in jeder Werkstatt zu finden. Kein lästiges Kabel, flexibel einsetzbar auch in verwinkelten Ecken, ausreichend Kraft für die nötige Arbeit, keine Staubbelastung und selbst ein halbvoller Akku reicht für die sechs verbliebenen Schrauben, die man noch eindrehen möchte. Doch der Markt hat mittlerweile noch mehr zu bieten: Stichsäge, Tauchsäge, Kappsäge, Winkelschleifer, Staubsauger und Kantenfräse sind nur eine kleine Auswahl der aktuellen Produktkataloge.

Bei Arbeiten auf der Baustelle hätte ich mir diese Werkzeuge oft gewünscht, vor allem als Lehrling musste ich oft genug mit der Kabeltrommel durch sämtliche Etagen flitzen, um den Generator zu suchen. Wenn der Meister dann loslegen wollte und ich hatte vergessen den Stecker einzustecken... ist immerhin er rotiert :)

Mittlerweile sind die meisten Maschinen auch in einer Akkuversion erhältlich

Die meisten werden ihre Werkzeuge in der heimischen Werkstatt nutzen. Macht da ein Akkusystem überhaupt Sinn? Das Marketing verspricht Flexibilität, lange Akkulaufzeiten, ähnliche Spitzenleistungen wie bei kabelgebundenen Geräten. Klingt perfekt! Sowohl in der Tischlerei als auch in der privaten Werkstatt wurde bereits weitestgehend auf Akkusysteme umgerüstet. Was nach ein paar Jahren bleibt, ist für mich eher Ernüchterung:

  • höhere Anschaffungskosten
  • deutlich höhere Instandhaltungskosten, da die Akkus nach ein paar Jahren an Kapazität verlieren
  • die Akkus müssen geladen werden. Vor allem Geräte, die viel Energie brauchen, wie Tauchsäge und Winkelschleifer, müssen dann auch während der Arbeit geladen werden. Das kostet daher entweder Zeit oder noch mehr Geld, um zusätzliche Akkus bereitstehen zu haben. Allein immer wieder den Akku-Ladezustand zu überprüfen macht die Arbeit nicht leichter.
  • Absaugung: Zwar haben die Akku-Geräte oft kleine Filtersäcke, die Staubbelastung ist jedoch wesentlich größer, als mit angeschlossenem Absaugsystem. Sobald der Schlauch angeschlossen wurde, ist die Flexibilität eh dahin. Andreas Duhme hatte kürzlich in einem Beitrag ausgerechnet, wie viel Staub bei der Nutzung von Kantenfräsen ohne Absaugung entsteht. Viele dieser Systeme können noch nicht einmal abgesaugt werden, da ein entsprechender Stutzen fehlt.
  • Systemgebundenheit! Es mag für viele reizvoll sein, die Werkstatt ausschließlich mit gelben, grünen, blauen oder roten Werkzeugen zu schmücken. Wer sich für ein Akkusystem entscheidet, wird auch keine andere Möglichkeit haben. Für die Hersteller wohl auch ein guter Grund, diesbezüglich ein eigenes Süppchen zu kochen und keine einheitlichen Akkus zu verwenden.
  • Keine langfristige Nutzung: Irgendwann lässt auch die Kapazität der modernsten Akkus nach, so zumindest meine Erfahrung bei täglichem Gebrauch. Ob die Akkus der nächsten Generation noch passen, ist dann immer wieder fraglich. Vom zusätzlichen Ressourcen-Verbrauch ganz zu schweigen.

Ich verwende in meiner privaten Werkstatt noch einen Akkuschrauber, der Rest ist nun kabelgebunden. Für die paar Außeneinsätze im Jahr rolle ich die Kabeltrommel aus. "Das haben wir schließlich schon immer so gemacht"! ;)

HolzWerken 94

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HolzWerken 94 Juli/August 2021

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3 Kommentare

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Unbekannter Nutzer

26. Jun 2020

Möge der langjährige Holzwerker doch einfach mal die Akkugeräte aufzählen, die er nach 5; 10; 15 Jahren noch in Benutzung hat. Und warum die Akkugeräte nicht mehr im Einsatz sind. Mit dem Tod des Akkus sind die meisten Geräte auch perdu. Nachhaltig geht anders!

Sam Jones

24. Jun 2020

Ich kann dem Autor als auch dem Kommentator nur beipflichten. Anfänglich hatte ich fast ein wenig neidisch auf die Akku-Systeme meines Nachbarn geschaut. Mittlerweile bin ich froh, dass ich meine kabelgebundenen Werkzeuge nicht "verscherbelt" habe. Ich habe ein paar Werkzeuge, die Akkus haben. Genau das Problem ist mir aber passiert. Man ist konzentriert am Arbeiten und irgendwann ist der Akku leer. Jetzt heißt es warten oder sich (irgendwann) einen zweiten Akku kaufen. Mit der Zeit bin ich wieder auf meine kabelgebundenen Werkzeuge umgestiegen.

Unbekannter Nutzer

19. Jun 2020

Die gleiche Erfahrung habe ich auch schon gemacht. Bis auf den Akkuschrauber ist bei mir in der Werkstatt alles kabelgebundenen. Um nicht über den Absaugschlauch und die Gerätekabel zu stolpern, habe ich einen Schwenkarm montiert. Somit erfolgen die Stromzufuhr und die Absaugen von oben. Das hat zudem den Vorteil, dass sowohl Kabel als auch der Saugschlauch, nicht im Dreck am Boden liegen.

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