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09. Okt 2020 // Dominik Ricker

Eye Catcher oder Langweiler

Dieter Rams, Frank Llyod Wright, Peter Schmidt,Le Corbusier….Die bekannten Architekten und Designer der vergangenen Jahrzehnte haben es sich nicht nehmen lassen ihre Meinung zu einer "guten” Form kund zu tun. Jede Stilepoche hat ihre Anhänger und das zeigt sich wohl auch beim Blick in die Werkstätten und Wohnzimmer von uns Holzwerkern.

Wichtig ist vor allem eins: Wenn man Möbel für sich selber baut, ist es vollkommen ausreichend, wenn Sie auch nur uns gefallen. Darum ist meine Vorstellung einer gelungenen Optik sehr subjektiv und wird nicht jedem gefallen.Um ehrlich zu sein, finden viele meine Möbel sogar langweilig: Als Tischler könnte ich doch so spannendes Holz nehmen, helles und dunkles Holz kombinieren, glitzerndes Epoxidharz als Akzent setzen, aufwändige Maserungen und Verästelungen…

Wenn man schon so viel Zeit für das Möbelstück aufwendet, soll es doch auch jeder beim Betreten des Raumes wahrnehmen. Diese "Eyecatcher” sind zu Beginn auch meine Motivation gewesen. Nussbaum und weiß beschichtete Multiplexplatten hatten es mir angetan, von hinten strahlte eine LED-Leiste, dessen Farbton man einstellen konnte. Was war ich stolz!
Das Problem mit Eyecatchern: Irgendwann hat man sich daran satt gesehen. Irgendwann wird einem bewusst, dass die restliche Umgebung nicht so ganz dazu passt.Irgendwann wird einem bewusst, der Eyecatcher ist wie eine Art Fremdkörper geworden.


Offensichtliche, harte Kontraste bei diesem Brett aus Zwetschge und Schellackfüllung.

Diese Erfahrung habe ich schon öfter gemacht, bis ich mich dazu entschieden habe, "langweilige” Möbel zu bauen. Nussbaum ist ein wunderschönes Holz, doch bei großen Möbelstücken lässt es den Raum dunkel wirken. Weißtanne, Fichte, Esche, Birke, Eiche sind zu meinen Favoriten geworden. Statt kräftigem anfeuern der Maserung bevorzuge ich Weißöl, Wachs oder Seifenlauge. Eyecatcher sind es für mich dennoch. Allerdings zeigt sich das erst im Detail. Diese kann man aber oft nicht direkt erkennen und daher habe ich die wenig, sich auch nicht so schnell daran satt sehen zu können.

Natürlicher, dezenter Kontrast zwischen hellem Langholz und dunklem Stirnholz bei dieser Dübelverbindung.
Hell, zurückhaltend, unauffällig…*
… doch erst dadurch können die Details zur Geltung kommen.*
*Die gezeigten Möbel in Weißtanne wurden in einer Ausstellung von jungen Designern und Tischlern im Werkraum, Bregenzerwald aufgenommen.
Mein Bett aus Birkenholz sorgt mit der "gewebten” Rückenlehne für etwas mehr Schwung in dem sonst statischen, schweren Möbel
Dieser Beitrag soll lediglich zur Inspiration dienen. Manche Wohnräume vertragen Eyecatcher, manche schaffen es kontrastreiche Möbel zu bauen, an denen man sich auch nach Jahren nicht satt gesehen hat. Manchmal will man sich beim Möbelbau auch einfach austoben, experimentieren. "Nur wer wagt, gewinnt”. Wer in seiner Freizeit mit diesem Motto Möbel baut, wird immer wieder neue Herausforderungen erleben und Erkenntnisse sammeln. So wird man über Jahre vielleicht auch feststellen, dass die Vorstellung von einem schönen Möbel sich über die Jahre auch durchaus verändern kann. Viel Spaß bei diesen Erlebnissen.
Das Holzbau-Buch

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Das Holzbau-Buch

"Das Holzbau-Buch" ist ein Standardwerk, das bis heute nichts von seinem Wert eingebüßt hat. Neben der didaktisch hervorragenden textlichen Darstellung sind besonders die detailreichen, präzisen Zeichnungen wertvoll. Die Tätigkeiten des Zimmermanns und des Bautischlers werden umfassend beschrieben, wobei ein Schwergewicht bei den Holzverbindungen, Wand- und Dachkonstruktionen und der formalen Ausbildung von Innenausbauten liegt. Unentbehrlich für jeden Praktiker, der sich mit Holzbauten befaßt.

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