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Japansägen - welche Säge für welche Aufgabe?

Verfasst von: Jonas Winkler | 24.07.2020

Die Japansäge ist seit vielen Jahren ein enger Begleiter vieler Tischler. Dabei denken wir meist an die klassische Ryoba mit zwei Schnittseiten, eine für Quer-, eine für Längsschnitte. Doch DIE Japansäge gibt es eigentlich gar nicht. Die Welt der japanischen Sägen ist viel größer und die Möglichkeiten sind deutlich vielseitiger.

Da wäre zum einen die bereits erwähnte Ryoba. Meist mit einer groben Seite für Längsschnitte und einer feinen Seite für Querschnitte. Die Ryoba ist definitiv als Allrounder zu sehen, mit dem eigentlich jede tägliche Aufgabe problemlos gelöst werden kann. Zudem ist ihre rückenlose Bauform perfekt für sehr tiefe Schnitte.

Rückenlos sind in der Regel auch Sägen der Kataba-Bauform, Sägen mit einem aggressiveren Schnittmuster. Es gibt Blätter für Längs- und Querschnitte, wobei die Kataba aber im Allgemeinen eher der Zimmerei bzw. den gröberen Zuschnittaufgaben zuzuordnen ist.

Wer den groben Zuschnitt hinter sich hat, muss meist Ablängen oder Verbindungen sägen. Hier kommt die Dozuki ins Spiel. Eine Säge mit Rücken, die gerade Schnitte von hervorragender Güte ermöglicht. Bei Dozuki Sägen ist meist der Querschnitt vom Sägeblatt vorgegeben, allerdings eignen sich die feine Zahnung und der stabile Rücken perfekt, um saubere und filigrane Verbindungen zu sägen.

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Wer für die klassischen Herausforderungen gewappnet sein will, benötigt in der Regel eine Ryoba und eine Dozuki - trotzdem gibt es natürlich Schnitte, die mit beiden Sägen eher schwer zu realisieren sind. So z.B. Einsatz- oder Nutschnitte. Hier kommt die Azebiki ins Spiel, eine interessante und sehr speziell geformte Säge, die eben jene Schnitte problemlos bewältigt.Um das Feld der "üblichen Verdächtigen" abzuschließen fehlt noch eine Dübelsäge, die Kugihiki. Ihr Hauptmerkmal besteht in einem sehr weichen Blatt mit unbeschränkten Zähnen. So lassen sich Dübel ohne Probleme kürzen (perfekt bündig sägen), ohne das Werkstück zu zerkratzen.
Erwähnenswert sind auch Anabiki Noko und Temagori Nokogiri, beide eignen sich hervorragend, um größere Bretter oder Bohlen aufzutrennen.
 
Mit etwas Übung und der richtigen Säge lassen sich alle Arbeiten im Umgang mit Massivholz mit japanischen Sägen erledigen - zwar mit etwas größerem Zeitaufwand als mit Maschinen, dafür bringt die Übung einen entscheidenden Vorteil: Man ist extrem flexibel! Denn einzelne Schnitte sind meist mit der Handsäge schneller auszuführen als mit der Maschine, die im Zweifel erst eingestellt werden muss.
 
Eine Frage, die noch geklärt werden muss: Können japanische Sägen generell geschärft werden? In den meisten Fällen lautet die Antwort: Nein. Handgeschmiedete Sägen können in der Regel nachgeschärft werden, allerdings erfordert dies extrem viel Können und ist es erst ab einem deutlich höheren Preissegment möglich und sinnvoll.
In der Regel bekommt man eine sehr gute japanische Säge schon für um die 40-50€. Ein Verwendungszweck für alte Sägeblätter ist laut einiger Abonnenten aus ihnen Ziehklinge herzustellen, getestet habe ich es noch nicht, würde mich aber über Erfahrungen dazu freuen.

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Jonas Winkler

Jonas Winkler ist Tischlermeister und hat nachhaltiges Produktdesign studiert.

Seine Entwürfe und seine Arbeitsweise orientiert sich dabei kaum am Standard-Schulwissen - seine Herausforderung ist, das bestmögliche und schönste Ergebnis aus dem vorhandenen Material und den eigenen, individuellen Fähigkeiten zu machen.

Dass man daran wächst und vor allem viel Freude an Projekten hat, vermittelt er in zahlreichen Video- und Fotobeiträgen auf seinen Kanälen und als Autor bei HolzWerken.  

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