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Was taugt der „amerikanische Leim“?

Verfasst von: Heiko Rech, Tischlermeister | 10.10.2017

Bisher bin ich mit meinen Leimen eigentlich immer gut klargekommen. Dennoch wollte ich wissen, was hinter den Leimen von Titebond steckt, die man ja immer öfter in Artikeln, auf Blogs und in Videos sieht. Sind sie besser als die uns allen bekannten Weißleime oder einfach nur anders, liegen im Trend und werden gut vermarktet? Also habe ich mir einige dieser Leime bestellt und in den vergangenen Wochen ausprobiert. Meine Eindrücke möchte ich an dieser Stelle mit Ihnen teilen.

Es gibt von Titebond eine große Auswahl an unterschiedlichen Leimen für verschiedene Anwendungen. Ich habe mir folgende Leime bestellt:

  • Titebond Original Holzleim
  • Titebond III Ultimate Holzleim
  • Titebond II Premium Holzleim
  • Titebond II Dark
  • Titebond II Extend Holzleim
  • Titebond Translucent Holzleim
  • Titebond Polyurethane Flüssigleim
  • Titebond Liquid Hide Glue (flüssiger Hautleim)
  • Titebond Quick & Thick Vielzweckkleber
  • Titebond Sekundenkleber für Holz
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Die Auswahl an unterschiedlichen Leimen ist sehr groß. Vor allem Leime für spezielle Anwendungen dürften in solch kleinen Mengen für viele Holzwerker interessant sein.

Die Auswahl an unterschiedlichen Leimen ist sehr groß. Vor allem Leime für spezielle Anwendungen dürften in solch kleinen Mengen für viele Holzwerker interessant sein.

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Auffallend ist, dass diese Leime sowohl in flüssiger Form, als auch ausgehärtet ganz unterschiedliche Farben haben. Auch die Konsistenz ist unterschiedlich. Ein weiterer Unterschied zu den üblichen Weißleimen (PVAC-Leim) ist, dass die meisten Leime von Titebond wesentlich härter und unflexibler aushärten. Das wird als Vorteil beim Verschleifen des Leimes beworben. Ich bin aber der Meinung, dass ein gewisser Grad an Flexibilität bei der Verleimung von Holz nicht schadet. Schließlich ist der Werkstoff Holz ja auch flexibel.

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Ich habe die Leime über einige Wochen bei verschiedenen Arbeiten eingesetzt, um mir selbst ein Bild zu machen.

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Ich will jetzt nicht auf jeden einzelnen dieser Leime eingehen, das würde den Rahmen hier sprengen und Ihnen auch nicht wirklich nutzen. Ich will das etwas anders angehen. In Form von Fragen und Antworten.

Frage: Sollte man den üblichen Weißleim durch Titebond Original ersetzen?

Antwort: Das ist meiner Meinung nach nicht notwendig. Titebond Original hat die gleichen Eigenschaften wie ein D2 Weißleim. Er ist sehr flüssig und härtet mit gelbbrauner Farbe aus. In Punkto Festigkeit gibt es keine relevanten Unterschiede. Solange die Leimfuge stabiler ist, als das verleimte Holz, ist alles in Ordnung. Eine noch höhere Festigkeit der Leimfuge bringt Ihnen keinen weiteren Vorteil. Darüber hinaus dürfte es auch so sein, dass Sie einen hierzulande üblichen Weißleim wesentlich günstiger kaufen können, als den Titebond Original.

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Titebond Original härtet gelb aus und ist nach der vollständigen Trocknung hart und spröde.

Titebond Original härtet gelb aus und ist nach der vollständigen Trocknung hart und spröde.

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Frage: Wo macht Titebond Extend Sinn?

Antwort: Titebond Extend hat eine lange offene Zeit (in der Praxis etwa 15 Minuten). Das hat Vorteile bei sehr komplexen Verleimungen, bei denen Sie vielleicht viele Zwingen ansetzen müssen, oder mehrere Bauteile ganz genau ausgerichtet werden solle. Solche Leime gibt es natürlich auch von hiesigen Herstellern, allerdings sind sie schwerer zu bekommen und meist nur in großen Gebinden im Handel.

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Titebond Extend härtet in einer Farbe aus, wie man es von einem gewöhnlichen Weißleim gewohnt ist. Allerdings ist der ausgehärtete Leim wesentlich härter.

Titebond Extend härtet in einer Farbe aus, wie man es von einem gewöhnlichen Weißleim gewohnt ist. Allerdings ist der ausgehärtete Leim wesentlich härter.

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Frage: Transparent und dunkel, braucht man das wirklich?

Antwort: Die beiden Varianten Transparent und Dark härten, wie der Name schon sagt in einer vollständig transparenten Eigenfarbe aus, oder eben dunkel. Während eine vollständig transparente Leimfuge durchaus Sinn macht, kann der dunkel eingefärbte Leim zu eher unerwünschten Effekten führen. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass die dunkle Leimfuge genau dem Farbton des Holzes entspricht, ist eher gering. Passt die Farbe nicht, fällt die Leimfuge sogar mehr auf. Darüber hinaus würde ein eingefärbter Leim bei herkömmlichen Anwendungen im Möbelbau nur dann Sinn machen, wenn man davon ausgeht, dass eine Leimfuge nicht dicht wird. Dann sollte man aber besser für eine dichte Fuge sorgen, statt die Symptome zu beheben. Eine Sinnvolle Anwendung wäre dann eher noch darin zu sehen, den Leim zum Furnieren zu nehmen. Bei dunklen Hölzern würde ein Leimdurchschlag dann weniger auffallen. Aber ehrlich gesagt, kenne ich mich beim Furnieren zu wenig aus, um das beurteilen zu können.

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Eine Transparente Leimfuge hat schon was. EIn Weißleim (PVAC) härtet nicht ganz so klar aus und bleibt immer noch ein wenig trüb.

Eine Transparente Leimfuge hat schon was. EIn Weißleim (PVAC) härtet nicht ganz so klar aus und bleibt immer noch ein wenig trüb.

So sieht der dunkel Leim im ausgehärteten Zustand aus.. Wenn man mit nicht ganz perfekten Leimfugen rechnet wäre der transparente Leim, eventuell doch besser.

So sieht der dunkle Leim im ausgehärteten Zustand aus.. Wenn man mit nicht ganz perfekten Leimfugen rechnet wäre der transparente Leim, eventuell doch besser.

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Frage: Premium oder Ultimate für Wasserfeste Verleimungen?

Antwort: Mit dem Ultimat bietet Titebond einen Leim, der die gleichen Eigenschaften wie ein D4 Leim hat, also für den außenbereich geeignet ist, wenn zusätzlich ein witterungsbeständiger Oberflächenschutz aufgebracht wird. Der Premium entspricht einem D3 Leim. Meiner Meinung nach machen D3 Leime nur selten sinn, da sie eben nicht für den Einsatz im Außenbereich gedacht sind und nur Feuchteresistent sind, aber nicht Wasserfest. Dem Ultimat entsprechende D4 Leime sind auch von anderen Herstellern zu bekommen, aber oft nur in größeren Gebinden. Alternativ kann man auch einen D3-Leim mit Härter anmischen und zu einem D4-Leim machen. Der ist dann aber nicht lange haltbar. Daher kann der Titebond Ultimate schon sinnvoll sein, wenn man sonst nur schwer an kleine Mengen eines einkomponentigen D4-Leimes herankommt.

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Titebond Premium härtet gelblich aus.

Titebond Premium härtet gelblich aus.

Titebond Ultimate ist im ausgehärteten Zustand ebenfalls gelb.

Titebond Ultimate ist im ausgehärteten Zustand ebenfalls gelb.

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Frage: Wo setzt man Hautleim ein?

Antwort: Hautleim ist schon recht speziell und ich habe damit nur wenig Erfahrung. Beim Ausprobieren des Titebond Hide-Glue ist mir aber angenehm aufgefallen, dass er im Gegensatz zu den meisten anderen Leimen bereits in flüssigem Zustand sehr klebrig ist. Das bedeutet, dass man die zu verleimenden Bauteile schon sehr gut positionieren kann und dass sie weniger verrutschen. Außerdem hat er eine angenehm lange Verarbeitungszeit. Das ist bei komplexen Verleimungen von Vorteil. Ein Weiterer Vorteil ist, dass er durch Erwärmen wieder gelöst werden kann. In wie fern das ein echter Vorteil ist, muss jeder Holzwerker für sich selbst entscheiden.

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Der Hautleim hat eine braune Eigenfärbung, ähnlich wie Honig.

Der Hautleim hat eine braune Eigenfärbung, ähnlich wie Honig.

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Frage: Was taugen die Flaschen und Verschlüsse?

Antwort: Während meinen ersten Verleimungen habe sehr schnell die Verschlüsse der Leimflaschen zu schätzen gelernt. Sie sind so gemacht, dass sie nicht verstopfen können. Allerdings muss man auch sagen, dass sie sehr weit offen sind und immer sehr viel Leim herauskommt. Die Sekundenkleber haben auch Verschlusskappen, die nicht eintrocknen können. Wer sich, wei ich, schon oft über eingetrockneten Sekundenkleber geärgert hat, wird daran freude haben.

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Die Verschlüsse sind schon praktisch, aber auch sehr weit geöffnet.

Die Verschlüsse sind schon praktisch, aber auch sehr weit geöffnet.

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Mein Fazit:

Nein, die Leime sind nicht besser als die bei uns etablierten Weißleime. Sie sind recht teuer und nur dann interessant, wenn man einen Leim mit bestimmten Eigenschaften in kleinen Mengen braucht.

Ich werde mit Sicherheit nicht auf Titebond umsteigen. Zumindest werde ich meinen gewohnten Weißleim nicht dadurch ersetzen. Die Leime für spezielle Anwendungen, die ich nur selten und dann in kleinen Mengen benötige sind aber durchaus eine Überlegung wert. Den Extend, den Ultimate und den Hautleim werde ich mit Sicherheit in Zukunft öfter einsetzen. Beim Sekundenkleber ist es weniger der Kleber, als vielmehr der Verschluss, der mich überzeugt hat. Negativ aufgefallen ist mir die sehr flüssige Konsistenz der meisten Leime. Das kenn ich von Weißleimen so nicht. Für viele Holzwerker dürfte die gute Verfügbarkeit der "Spezialleime” in kleinen Mengen ein Grund sein, der für Titebond spricht. Da mache auch ich keine Ausnahme. Denn wer von uns braucht schon 5Kg Leim mit langer offener Zeit?

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