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Systeme sind langweilig!?

Verfasst von: Heiko Rech, Tischlermeister | 06.09.2016

Eines vorweg: Ich mag meine Verbindungsysteme. Egal ob Flachdübel, Runddübel, Dominos oder Zinkenschablone für die Oberfräse. Sie alle haben ihre Berechtigung und kommen regelmäßig zum Einsatz. Die wenigsten Holzwerker werden aber alle diese Systeme in ihrer Werkstatt einsetzen, sondern eher nur eines davon. Und dann führt ein solches System schnell zur Monotonie. 

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Ich habe einen Bekannten, der von seiner Frau ein Verbot auferlegt bekam: Er darf seinen Konterprofilfräser nicht mehr benutzen. Klingt erst einmal seltsam. Sieht man sich bei ihm um, erkennt man aber schnell woher dieses Verbot rührt. Viele Möbel sehen gleich aus. Der Konterprofilfräser war schließlich teuer und für den einmaligen Einsatz viel zu schade. Außerdem ist das Herstellen von Rahmen mit Füllung damit so schön einfach, wenn man es mal kann.  Also kommt dieser Fräser dann ständig zum Einsatz. Eben deshalb sehen so viele Möbel in diesem Haushalt gleich aus.

Ähnlich ist es mit den allseits beliebten Verbingunssystemen für verdeckte Verbinder. Egal, ob eine Eckverbindung mit einem Flachdübel, einem Runddübel oder einem Dominoverbinder gemacht wird. Von außen sind die Verbinder selbst nicht sichtbar. Zu sehen ist eine stumpfe Verbindung. Immer wieder gleich. Beherrscht man die Maschine einmal, wird die Holzverbindung zum Kinderspiel. Für mich persönlich geht dabei ein großer Reiz beim Holzwerken verloren. Man muss sich kaum noch Gedanken über die Verbindung machen. Was ich aber viel schlimmer finde ist, dass die gestalterische Komponente der Verbindung so gut wie nicht vorhanden ist.

Erstellt man klassische Holzverbindungen hat das einen ganz eigenen Reiz. Arbeitet man mit Handwerkzeugen, muss man diese beherrschen und man lernt bei jeder gezinkten Ecke etwas dazu. Kommen Maschinen zum Einsatz, muss man sich Gedanken über Vorrichtungen, Schablonen und sichere Arbeitsweisen machen. Aber auch bereits bei der Planung eines Möbels geht man ganz anders vor. Man kann überlegen, in wie weit eine Holzverbindung mit in die Gestaltung eines Möbels einbezogen werden kann. Eventuell lohnt es sich sogar eine schöne Verbindung noch einmal ganz gezielt zu betonen, damit sie dem Betrachter regelrecht ins Auge springt. Eine stumpfe Verbindung mit verdecktem Verbinder bietet diese Möglichkeit nur sehr eingeschränkt.

Keine Angst, ich plädiere nun nicht dafür, dass Sie ihre Flachdübelfräse oder Domino in der Werkstatt verstauben lassen und nur noch mit Stemmeisen und Handsäge Holzverbindungen herstellen sollen. Aber denken Sie doch einmal darüber nach, wie man Beispielsweise eine Eckverbindung richtig in Szene setzen könnte. Ein paar Beispiele gefällig?

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Diese Verbindungen wurden teils mit Maschinen und teils mit Handwerkzeugen erstellt. Sie sind Teil der Gestaltung, betonen die Form oder machen bestimmte Profilierungen erst möglich. Der Formschluss der Verbindungen erleichtert auch das Verleimen enorm. Also noch ein Grund, der für diese Konstruktionen spricht.  Der Nachteil daran ist allerdings, dass sie mehr Zeit benötigen. Diese Zeit zu investieren lohnt sich aber. Hat man erst einmal die Eckverbindung als gestalterisches Mittel für sich entdeckt, eröffnet das vollkommen neue Möglichkeiten. Sie sind auch nicht mehr an Mindestabmessungen gebunden, welche die maschinellen Systeme Ihnen auferlegen. Sie können viel freier gestalten. Probieren Sie es doch einfach mal aus.

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