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Sechs Tipps für stressfreies Verleimen

Verfasst von: Heiko Rech, Tischlermeister | 17.11.2015

Alles ging gut, die Einzelteile eines Möbels passen perfekt. Und dann passiert es: beim Verleimen passiert ein Fehler, man ist zu langsam oder es passt dann doch etwas nicht. Am Ende ärgert man sich, dass irgendwo eine Fuge offenbleibt, oder der Winkel doch nicht stimmt. Wenn Ihnen das schon mal passiert ist, befinden Sie sich in guter Gesellschaft. Denn sicherlich ist jedem einmal eine Verleimung aus dem Ruder gelaufen. Das muss aber nicht sein. Mit ein paar Tipps und Kniffen lassen sich auch komplizierte Verleimungen entspannt und genau durchführen.

Tipp Nr. 1: Teilen Sie die Verleimung in Einzelschritte auf

Bereits bei der Planung eines Möbelstückes können Sie für entspannte Verleimungen sorgen. Teilen Sie Ihr Projekt in Einzelteile auf, die sich besser verleimen lassen. Meist ist das sowieso schon der Fall. Überlegen Sie also genau, welche Teile eines Möbels sie in welcher Reihenfolge in kleinen Etappen verleimen können. Vermeiden Sie es zu viele Teile auf einmal zu verleimen. Dauert das Verleimen zu lange, beginnt der Leim eventuell schon abzubinden, während noch nicht alle Schraubzwingen angesetzt sind.

Tipp Nr. 2: Senken Sie die Raumtemperatur ab

Es hat schon etwas Gemütliches, draußen ist es kalt und in der Werkstatt sorgt die Heizung oder der Werkstattofen für wohlige Wärme. Für das Verleimen ist das aber weniger gut. Je wärmer es ist, umso schneller bindet der Leim ab. Eine gute Temperatur für längere Leimarbeiten liegt zwischen 15 und 20 Grad. Wenn alle Zwingen angesetzt sind, können Sie die Heizung wieder hochdrehen oder noch etwas Holz in den Werkstattofen werfen.

Je wärmer es ist, umso schneller bindet der Leim ab. Unter 10° Celsius sollte es aber auch nicht sein.

Je wärmer es ist, umso schneller bindet der Leim ab. Unter 10° Celsius sollte es aber auch nicht sein.

Tipp Nr. 3: Ein Probelauf.

Das Wichtigste beim Verleimen ist gute Vorbereitung. Spielen Sie die komplette Verleimung ohne Leim einmal durch. Dabei bereiten Sie sich alle Schraubzwingen und Zulagen vor. Beim Probelauf merken Sie sofort, wenn etwas fehlt oder nicht passt. Sie haben dann alle Zeit der Welt um Fehler zu beseitigen und Werkzeuge bereitzulegen. Wenn Sie sich nicht sicher sind, können Sie auch noch einen zweiten Probelauf machen und dabei einen Blick auf die Uhr werfen. So erkennen Sie, ob Sie noch innerhalb der sogenannten offenen Zeit des Leims bleiben. Bei dieser Gelegenheit sei noch erwähnt, dass man eigentlich sehr gut ohne Expressleim leben kann. Warum sollte man sich durch zu schnelles Abbinden des Leims noch zusätzlich unter Druck setzen lassen.

Beginnen Sie erst mit dem Leimauftrag, wenn alles griffbereit liegt, was benötigt wird.

Beginnen Sie erst mit dem Leimauftrag, wenn alles griffbereit liegt, was benötigt wird.

Tipp Nr. 4: Haben Sie genug Hände frei?

Manchmal wünscht man sich beim Verleimen vier oder fünf Arme, oder zumindest eine helfende Hand. Das ist aber nicht immer möglich. Zum Ansetzen von schweren Zwingen benötigt man zwei Hände. Wenn man dann noch zwei Zulagen festhalten soll, kann einem schon einmal der eine oder andere Kraftausdruck entweichen. Auch das muss nicht sein. Wenn man die Zulagen groß genug macht, kann man sie mit Federklemmen befestigen. So hat man beide Hände für das Ansetzen der Schraubzwingen frei. Auch beim Öffnen der Schraubzwingen sind die befestigten Zulagen sinnvoll. Wem schon einmal eine herabfallende Zulage eine Delle in ein Werkstück geschlagen hat, der weiß, wovon ich rede. Eine Alternative zu dieser Vorgehensweise sind sogenannte Korpuszwingen. Sie haben große und glatte Spannflächen, wodurch sie keine Druckstellen hinterlassen.

Mit Federklemmen befestigte Zulagen bleiben dort, wo man sie haben will.

Mit Federklemmen befestigte Zulagen bleiben dort, wo man sie haben will.

Tipp Nr. 5: Abkleben

Leim ist flüssig und läuft nach unten. Das führt oft dazu, dass er an Stellen läuft, an denen man ihn nicht haben will. Besonders problematisch ist das, wenn es Innenecken sind, an die man nach dem Verleimen nur noch schlecht herankommt. Es gibt unzählige Tipps dazu, wie man den überschüssigen Leim entfernt. Abwischen, trocknen lassen, nur halb trocknen lassen und vieles mehr. Besser ist es jedoch, so zu arbeiten, dass der austretende Leim nicht ans Holz kommt. Und das bedeutet abkleben. Ich nehme dazu sehr gerne PE-Band, wie es im Trockenbau verwendet wird. Es lässt sich gut aufkleben, haftet nicht zu stark am Holz und der Leim hält nicht darauf. Nach dem Verleimen zieht man es einfach ab und hat keine Probleme damit den Leim aus den Ecken zu bekommen. Auch die Zulagen klebe ich mit diesem PE-Band ab. So besteht keine Chance, dass eine Zulage am Werkstück anleimt.

Mit PE Band sauber abkleben und das Abwischen von überschüssigem Leim verliert seinen Schrecken.

Mit PE Band sauber abkleben und das Abwischen von überschüssigem Leim verliert seinen Schrecken.

Der Leim kann sofort abgewischt werden, was die Abbindezeit wieder reduziert.

Der Leim kann sofort abgewischt werden, was die Abbindezeit wieder reduziert.

Tipp Nr. 6: Leimflasche und Pinsel sind ein gutes Team

Mit einer Leimflasche kann man Leim sehr gut dosieren. Mit einem Pinsel gut verteilen. Es spricht also nichts dagegen, beides zu kombinieren. Von der Arbeit mit dem Leimtopf und einem Pinsel bin ich zum großen Teil abgekommen. Meist trage ich den Leim mit der Leimflasche auf und verteile ihn mit einem schmalen Pinsel. Die meisten Leimpinsel sind mir zu breit. Ich bevorzuge normale Borstenpinsel, bei denen ich die Borsten mit der Schere einfach kürze. Diese Kombination erlaubt sehr sauberes Arbeiten ohne dass man mit Leim unnötig herum kleckst.

Pinsel und Flasche. Ein gutes Team für sauberen Leimauftrag.

Pinsel und Flasche. Ein gutes Team für sauberen Leimauftrag.

Zugegeben, all diese Tipps werden Sie Zeit kosten und erscheinen zum Teil auch übertrieben. Die investierte Zeit ist aber reine Vorbereitungszeit. Sie verringert die eigentlich Zeit des Verleimens und man vermeidet Fehler. Am Ende gewinnt man die investierte Zeit wieder. Es lohnt sich also gleich mehrfach, nicht zwischen Tür und Angel zu verleimen.

Haben Sie auch noch Tipps zum Verleimen? Wenn ja, behalten Sie diese nicht für sich, sondern teilen Sie Ihr Wissen doch mit den anderen Lesern. Die Kommentarfunktion wartet nur auf Sie.

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