Bitte warten Sie.'

Die Seite wird geladen.'


Home > Blog > Heiko Rech > Schleifen oder hobeln? Was gibt die schöne...

Schleifen oder hobeln? Was gibt die schönere Oberfläche?

Verfasst von: Heiko Rech, Tischlermeister | 08.11.2016

Es gibt passionierte Handhobler, die nur im Notfall ein Stück Schleifpapier an ihr Holz lassen, da eine gehobelte Oberfläche ja viel schöner ist. Die Mehrzahl der Holzwerker und Schreiner wird aber eher zum Schleifpapier greifen. Das mag vielerlei Gründe haben. Ich möchte mich an dieser Stelle aber lediglich dazu auslassen, ob eine gehobelte Oberfläche wirklich besser, schöner, glatter und brillanter ist, als eine geschliffene, wenn man eine Oberflächenbehandlung durchführt.

Ich habe zwei Hölzer beidseitig vorbereitet. Ein Reststück Eiche, also ein hartes Holz und ein Stück Yellow Poplar, also ein eher weiches Holz. Beide Hölzer wurden jeweils zur Hälfte gehobelt (Schnittwinkel 47°) und geschliffen. Geschliffen wurde in den Abstufungen 120, 180, 240 und 320. Anschließend wurden die Oberflächen mit dem Staubsauger kräftig abgesaugt.

Der Handhobel erzeugt auf beiden Hölzern eine schön glänzende Oberfläche

Der Handhobel erzeugt auf beiden Hölzern eine schön glänzende Oberfläche

Geschliffen wurde mit einem Exzenterschleifer mit geringem Hub

Geschliffen wurde mit einem Exzenterschleifer mit geringem Hub

Die unbehandelte Holzoberfläche

Die noch unbehandelten Hölzer zeigen beide ganz klar einen Unterschied zwischen der gehobelten und der geschliffenen Fläche. Die gehobelte Fläche hat mehr Glanz. Sie fühlt sich richtig glatt an. Die geschliffene Fläche sieht bei beiden Holzarten etwas weniger glänzend aus. Das Gefühl beim Darüberstreichen ist eher samtig glatt, das samtige fehlt der gehobelten Oberfläche gänzlich.

Geölte Fläche

Werden die Flächen geölt, ist kein Unterschied mit bloßem Auge zu sehen. Sowohl die geschliffenen, als auch die gehobelten Oberflächen nehmen gleich viel Öl (Möbel-Hartöl von Natural-Farben) auf. Die anfänglich Vermutung, die geschliffene Fläche sauge stärker, hat sich in diesem Versuch nicht bestätigt. Nach dem Abnehmen des überschüssigen Öles ist kein wirklicher Unterschied in der Oberfläche erkennbar. Beim Probestück aus Yellow Poplar hat die gehobelte Oberfläche ein wenig mehr Glanz. Das ist aber nur erkennbar, wenn man die gegen das Licht hält. Der Unterschied ist auch nur minimal. Wenn man nicht wüsste, das die Vorbehandlung unterschiedlich war, würde man den minimalen Unterschied vermutlich nicht sehen. Bei der Eiche ist auch im Gegenlicht kein Unterschied zwischen der gehobelten und der geschliffenen Fläche zu sehen.

Ein Hinweis zum Öl: Bei dem verwendeten Öl entsteht keine Schicht auf dem Holz, handelt sich um ein eindringendes Öl. Es wird nur einmal aufgetragen und es erfolgt auch kein Zwischenschliff.

Das Öl wurde aufgetragen, konnte einwirken und der Überstand wurde abgenommen.

Das Öl wurde aufgetragen, konnte einwirken und der Überstand wurde abgenommen.

Eiche geölt

Eiche geölt

Yellow Poplar geölt

Yellow Poplar geölt

Eiche geölt

Eiche geölt

Beizen

Spannend wird es beim Beizen. Die geschliffenen Flächen wurden so wie es sich gehört erst gewässert und dann noch einmal mit einem frischen Schleifpapier Korn 400 nachgeschliffen. Danach wurde Wasserbeize mit dem Pinsel aufgetragen. Das Ergebnis ist auch für mich verblüffend: Es gibt keinen sichtbaren Unterschied. Ich habe einen solchen Vergleich, also geschliffen und gehobelt am selben Brett, noch nie gemacht. Ich ging davon aus, dass die gehobelte Fläche viel heller wäre oder zumindest irgendwie anders. Also nicht unbedingt besser, nur eben anders. Aber einen großen Unterschied kann man nicht erkennen. Wenn man genau schaut, erkennt man, dass die geschliffene Fläche bei der Eiche in den tiefen Poren ein wenig heller ist. Beim Yellow Poplar sieht man keinen Unterschied.

Von Vorteil ist beim Beizen aber, dass die gehobelte Fläche nicht gewässert werden muss. Nach dem Beizen fühlten sich die geschliffen/ gewässerte und die gehobelte Oberfläche übrigens gleich an.

Eiche gebeizt

Eiche gebeizt

Eiche gebeizt
Yellow Poplar gebeizt

Yellow Poplar gebeizt

Was ist mit Lack?

Wenn man lackiert oder andere schichtbildende Oberflächenmittel aufträgt muss ein Zwischenschliff erfolgen. Meiner Meinung nach wird dann auch aus einer gehobelten Oberfläche eine geschliffen Oberfläche. 

Und nun?

Natürlich ist das kein wissenschaftlicher Vergleich und die beiden Holzarten bilden auch nur einen kleinen Teil dessen ab, was man testen könnte. Mein kleiner Test bestätigt mir aber die Meinung, die ich bisher auch vertreten habe: Es gibt keinen wirklich relevanten Unterschied zwischen einer geschliffenen und gehobelten Holzoberfläche, wenn Sie behandelt ist. Woran liegt es also nun, dass doch ein Teil der Holzwerker so fest davon überzeugt ist, dass gehobeltes Holz eine schönere Oberfläche bekommt? Ich kann da auch nur Vermutungen anstellen. Ich denke wer seine Oberflächen hobelt und darauf schwört, der möchte aus vielerlei anderen Gründen nicht schleifen. Also beschäftigt sich derjenige auch nicht mit dem Thema Schleifen. Allgemein findet das Schleifen nicht die Beachtung, die es verdient. Wenn eine geschliffene Oberfläche mit einer gehobelten konkurrieren soll, muss der Schleifaufbau auch richtig gemacht werden. Das kann dann auch bedeuten, dass man bis zu einer Körnung von 400 schleift. Nur dann macht ein Vergleich wirklich Sinn. Schleift man beispielsweise nur bis Korn 180, wird die gehobelte Oberfläche geölt, oder gebeizt auch besser aussehen.

Und was ist nun mein persönliches Fazit aus diesem Versuch? Ganz einfach: Es ist egal, ob eine Oberfläche geschliffen oder von Hand gehobelt wird. Hauptsache ist, dass es sorgfältig gemacht wird. Dann klappt’s auch mit der schönen Oberfläche.

Hinweis zu den Fotos:

Es ist recht schwierig den Glanzgrad einer Oberfläche auf einem Foto darzustellen. Außerdem habe ich die Bilder der gebeizten Eiche- Oberfläche etwas nachbearbeitet, damit man auf dem Foto die Unterschiede etwas besser sehen kann. Daher haben die Vergleichsfotos der gebeizten Eiche einen Rotstich.

Kommentare (7)
Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben

Sie sind nicht eingeloggt