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Sägen schärfen – Teil 2

Verfasst von: Heiko Rech, Tischlermeister | 20.09.2016

Bei fast jeder Säge für Holz ist die Schnittfuge breiter als der Grundkörper des Sägeblattes. Das gilt für Handsägen ebenso wie für Kreis- oder Bandsägeblätter. Wäre dem nicht so, würde die Säge kaum durch ein Stück Holz zu bekommen sein. Sie würde unabhängig von Spannungen im Holz sehr schnell beginnen zu verklemmen. Erreicht wird diese breitere Schnittfuge bei Handsägen durch die sogenannte Schränkung. Das bedeutet, dass die Zähne der Säge nach außen gebogen werden. Das geschieht jeweils im Wechsel nach rechts und links.

Durch das Schränken ist es auch möglich, die Säge im Schnitt leicht zu korrigieren, wenn sie verläuft. Eine stark geschränkte Säge kann mehr korrigiert werden wie eine weniger stark geschränkte. Das hört sich erst einmal gut an. Allerdings ist es auch so, dass stark geschränkte Sägen eher zum Verlaufen neigen, als weniger stark geschränkte. Eine zu starke Schränkung ist daher nicht zu empfehlen, sie wird Ihnen nur Probleme bereiten. Leider sind viele Handsägen ab Werk zu stark geschränkt.

Zum Schränken benötigt man ein spezielles Werkzeug: eine Schränkzange. Mit ihr werden die Zahnspitzen minimal nach außen gebogen. Dabei drückt ein kleiner Stift gegen einen Ambos. Zwischen Ambos und Stift befindet sich ein einzelner Sägenzahn. Der Ambos kann auf unterschiedliche Schränkweiten eingestellt werden. Üblicherweise schränkt man vor dem Feilen der Säge, da beim Schränken die frisch geschärften Zähne zu schnell beschädigt werden könnten. Bei meiner Schränkzange handelt es ich um eine Somax No. 250. Es wurde jedoch der originale Ambos gegen einen von Gerd Fritsche ausgetauscht ( http://www.traditional-handplanes.com/index_de.php ). Dieser ist wesentlich härter und kann bei Bedarf sogar mit eigenen Einstellungen versehen werden.

Die Schränkzange wurde mit einem besseren Ambos bestückt.

Die Schränkzange wurde mit einem besseren Ambos bestückt.

Zum Schränken wird die Säge mit dem Rücken in die Feilkluppe eingespannt. Sie werden sich beim Schränken leichter tun, wenn Sie zunächst einmal jeden zweiten Zahn mit einem wasserfesten Stift markieren. Bereits hierbei kann Ihnen eine Stirnlupe gute Dienste leisten.

Eine Stirnlupe macht die Arbeit leichter.

Eine Stirnlupe macht die Arbeit leichter.

Ist jeder zweite Zahn markiert, fällt das Schränken viel leichter.

Ist jeder zweite Zahn markiert, fällt das Schränken viel leichter.

Beginnen Sie mit einer geringen Schränkung. Probieren Sie die Säge aus. Sollte sie klemmen, können sie die Schränkung erhöhen. Sie müssen aber berücksichtigen, dass beim Feilen die Schränkung noch einmal etwas geringer wird. Eine Handsäge muss in aller Regel nur sehr wenig geschränkt werden. Versuchen sie es erst einmal mit wenigen zehntel Millimetern.

Blick von oben auf die Schränkzange ohne Sägeblatt

Blick von oben auf die Schränkzange ohne Sägeblatt

Der Zahn wird mittels Schränkzange nach außen gedrückt

Der Zahn wird mittels Schränkzange nach außen gedrückt

Die geschränkte Säge im Detail

Die geschränkte Säge im Detail

Sie werden nicht umhin kommen erst einmal eigene Versuche und Erfahrungen zu machen. Schnell haben Sie aber ein Gefühl dafür, mit welcher Schränkung Sie persönlich am besten zurechtkommen.

Zum Schränken wird die Säge mit dem Rücken in die Feilklupe gespannt. So haben sie ausreichend Platz für die Schränkzange. Wenn die Zange mit einer Lupe ausgestattet ist, sollten Sie die Zähne, den Bolzen der Zange und das Geschehen ansich gut sehen können. Wenn nicht, hilft eine Stirnlupe. Jeder zweite Zahn wird nun mittels der Schränkzange nach außen gedrückt. Ob Sie dabei am Ende oder am Anfang des Blattes beginnen spielt keine Rolle. Es ist auch egal, ob der erste Zahn nach rechts oder links gebogen wird. Wenn jeder zweite Zahn in eine Richtung gebogen ist, wird die Säge in der Kluppe gedreht und die zweite Hälfte der Zähne wird geschränkt.

Eine zu starke Schränkung kann auf mehrere Arten korrigiert werden:

  1. Gegenschränken
    Man kann jeden Zahn einzeln von rechts nach links und umgekehrt umschränken.
  2. Schränkung entfernen
    Die Säge wird zwischen zwei glatten Stahlflächen regelrecht plattgeklopft. Das geht auch in einem Schraubstock.
  3. Schränkung verkleinern
    Ähnlich wie bei der zweiten Methode wird die Schränkung zurückgeklopft, jedoch wird zuvor ein Klebeband unterhalb der Zahnlinie aufgeklebt. Die Stärke des Bandes bestimmt die übrigbleibende Schränkung.
  4. Zurückfeilen
    Muss die Säge ohnehin geschärft werden, kann man auch zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Wird eine zu stark geschränkte Säge gefeilt, verringert sich auch die Schränkung.
Hat man keinen Schraubstock zur Hand, kann die Schränkung auch zwischen zwei Stahlstreifen entfernt werden.

Hat man keinen Schraubstock zur Hand, kann die Schränkung auch zwischen zwei Stahlstreifen entfernt werden.

Das Zurückfeilen der Schränkung ist auch bei neu gekauften Sägen mit zu starker Schränkung zu empfehlen. Vor allem Sägen im unteren und mittleren Preissegment profitieren von dieser Prozedur. Wenn Sie also mit der neuen Säge noch nicht so ganz zufrieden sind, versuchen Sie es mit einmal durchfeilen. In der Regel schneidet die Säge dann um Längen besser.

Das Schränken von Handsägen geschieht unabhängig davon, ob es sich um eine Längs- oder Querschnittsäge handelt erst einmal auf die gleiche Weise. Eine Säge für Längsschnitte kann jedoch ein wenig stärker geschränkt sein, als eine Säge für Querschnitte. Meiner Meinung nach gilt bei der Schränkung das Motto "Weniger ist mehr". Probieren Sie es einmal aus, eine schwach geschränkte Säge schneidet leicht und Sauber. Sie werden an eine Japanische Säge erinnert werden, die ja auch nur ganz leicht geschränkt ist.

Nach dem Schränken folgt das Feilen. Erst dann ist eine Säge richtig scharf. Dazu aber mehr im dritten Teil dieser kleinen Artikelserie.

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