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Nicht immer gleich krummnehmen...

Verfasst von: Heiko Rech, Tischlermeister | 21.10.2014

Vielleicht haben Sie das auch schon mal erlebt. Sie schneiden eine Leimholzplatte in kleine Teile und stapeln diese auf. Am nächsten Tag kommen Sie in die Werkstatt und müssen, mit Schrecken feststellen, dass die oben liegende Platte krumm geworden ist. 

Krummes Leimholz

Krumm gewordenes Leimholz

Woher kommt das? Die Erklärung hierfür ist sehr einfach: Holz nimmt Feuchtigkeit aus der Umgebungsluft auf. Ist die Luftfeuchte der Umgebungsluft anders, als die Holzfeuchte, dann gleicht sich die Holzfeuchte an die Luftfeuchte an. Dabei verändert es seine Größe. Nimmt das Holz Feuchtigkeit aus der Luft aus, so wird es größer, gibt es Feuchtigkeit ab, wird es kleiner. Dies geschieht vor allem quer zur Wuchsrichtung. Wenn Sie einzelne Holzteile nun übereinanderstapeln, kann nur das oben liegende Brett Feuchtigkeit aus der Luft aufnehmen (oder eben abgeben). Das aber auch nur an der Oberseite. An die Unterseite kommt keine Luft heran. Nimmt das Holz an dieser Fläche Feuchtigkeit auf, wird es größer. Die Unterseite kann das nicht. Dort findet keine Größenveränderung statt. Das Holz wird daher krumm.

Beugen Sie dieser Situation vor, indem Sie Holz immer so stapeln, dass es rundum in Kontakt mit der Umgebungsluft kommen kann. Im einfachsten Fall bedeutet dies, dass Sie Stapelleisten verwenden. Diese sollten nicht zu dünn sein. Leisten mit einer Stärke von 20 Millimetern haben sich bei mir bewährt. Dennoch kommt es vor, dass sich das obere Brett wölbt. Drehen Sie es von Zeit zu Zeit um oder ordnen Sie die Bretter im Stapel neu an, sodass immer wieder ein anderes Brett oben liegt. Das Gewicht, das von oben auf die restlichen Bretter drückt, hilft noch zusätzlich gegen den Verzug.

holz_krumm_01

Ist das Kind schon in den Brunnen gefallen, also Ihr Holz wurde falsch gestapelt und ist krumm, kann luftiges Aufstapeln helfen. Oft geht der Verzug wieder zurück. Aber leider nicht immer vollständig und nicht immer so schnell, wie er gekommen ist. Stapeln Sie in einem solchen Fall das Holz mit Stapelleisten neu auf. Beschweren Sie den Stapel. Das Gewicht das Sie zum Beschweren verwenden darf aber das Holz nicht bedecken. Auch hier helfen Stapelleisten. Es kann mitunter mehrere Tage dauern, bis der Verzug weniger wird. Eine Garantie, dass Ihr Holz wieder gerade wird, gibt es allerdings nicht.

Gewicht auf Holzstapel

Zusätzliches Gewicht schadet nicht

Ein zweiter Fall, bei dem gerades Holz krumm werden kann, ist der, wenn Sie ihr Holz in der Stärke auftrennen oder einseitig sehr viel abhobeln. Die Holzfeuchte ist nicht gleichmäßig über die gesamte Stärke einer Bohle oder eines Brettes. Es gibt immer leichte Unterschiede zwischen dem Inneren des Holzes und dessen Außenseiten. Vor allem dann, wenn das Holz umgelagert wurde, stellt sich dieser Effekt ein. Trennen Sie das Holz in der Stärke auf, zeigt sich dies dadurch, dass es krumm wird. Zusätzlich werden oft auch noch Spannungen im Inneren des Holzes frei.

Wenn Sie also aus einem dicken Holzstück zwei dünnere durch Auftrennen herstellen, rechnen Sie damit, dass das Holz krumm wird. Begegnen Sie diesem Problem damit, dass Sie nach dem Auftrennen noch genügend Holz zum Abrichten einplanen. Auch das luftige Stapeln, wie oben bereits beschrieben, hilft den Verzug wieder zu verringern.

Übrigens tritt dieser unangenehme Effekt nicht nur beim Auftrennen auf, sondern auch dann, wenn Sie beim Hobeln sehr viel Holz einseitig abnehmen. Hobeln Sie also besser gleichmäßig von beiden Seiten.

Krummes Holz nach dem Auftrennen

Verzug nach dem Auftrennen

Sie werden niemals ganz verhindern können, dass sich Ihr Holz verzieht. Wenn sie sich jedoch über die Ursachen des Verzuges bewusst sind und Ihr Holz entsprechend lagern, dann können Sie dem Verzug zumindest so weit wie möglich entgegen wirken.

Geben Sie Ihrem Holz auch genügend Zeit sich in ihrer Werkstatt zu akklimatisieren. Eile ist hier fehl am Platz. Wenn ich Holz von meinem Holzhändler bekomme, trenne ich es grob auf, hobele es vor und lasse es dann ein bis zwei Wochen in meiner Werkstatt liegen. Erst dann bringe ich die einzelnen Teile auf die benötigten Maße.

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