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Nass oder trocken

Verfasst von: Heiko Rech, Tischlermeister | 25.08.2015

Wer sich mit dem Schärfen von Stemm- oder Hobeleisen beschäftigt wird schnell über die Begriffe "Nassschliff" und "Trockenschliff" stolpern. Mit dem Nassschliff ist das Schärfen unter Zuhilfenahme von Wasser gemeint. Es schließt das Schärfen von Hand auf sogenannten Wassersteinen ein, aber auch die Benutzung von speziellen Maschinen für den Nassschliff. Bei der Maschine hat das Wasser in erster Linie die Aufgabe den zu schleifenden Stahl und den Stein zu kühlen. Beim händischen Schleifen sorgt das Wasser dafür, dass die abgetragenen Stahlpartikel vom Stein herunter geschwemmt werden.

Das Schärfen eines Stemmeisens per Trockenschliff

Das Schärfen eines Stemmeisens per Trockenschliff

Der Nassschliff ist sehr schonend. Die Gefahr einer Überhitzung des Stahls besteht nicht. Dieses schonende Schleifen hat aber den Nachteil, dass der Schliff recht langsam von statten geht. Auch Nassschleifmaschinen tragen im Vergleich zum Trockenschliff nur wenig Material ab. Bei einem normalen Schärfvorgang, bei dem eine stumpf gewordene Schneide nur aufgefrischt werden soll spielt das keine große Rolle. Es ist sogar ein Vorteil, da man nicht unnötig viel Material abträgt. Das verlängert die Lebenserwartung eines Werkzeuges.

Das Schleifen auf Wassersteinen ist materialschonend aber recht langsam

Das Schleifen auf Wassersteinen ist materialschonend aber recht langsam

Will man aber ein Werkzeug schärfen, das Beschädigungen, wie Scharten und gebrochene Ecken hat, wünscht man sich mehr Abtrag. Das geht mit dem Trockenschliff. Trockenschliff bedeutet in der Regel, dass Material abgetragen wird, ohne dass ein Kühlmittel wie Wasser im Spiel ist. Ein typisches Beispiel für den Trockenschliff ist ein sogenannter Doppelschleifer. Ein rotierender Schleifstein sorgt für schnellen Materialabtrag. Dabei entsteht viel Hitze. Und eben da liegt einer der Nachteile des Trockenschliffs. Schnell ist es passiert, dass ein Werkzeug beim Schleifen zu heiß wird. Man erkennt das an einer Verfärbung im vorderen Bereich der Schneide. Der Stahl läuft (blau) an. In diesem Bereich ist der Stahl dann spröde und bricht schnell aus.

Das kann verhindert werden, wenn man dem Stahl, also dem zu schärfenden Werkstück immer weder Zeit zum Abkühlen gibt. Das Eintauchen in Wasser hilft, das Abkühlen zu beschleunigen. Auch der verwendete Schleifstein spielt dabei eine Rolle. Meist sind auf diesen Maschinen Steine montiert, die nicht für das Schärfen von Werkzeugen geeignet sind. Ein feiner Edelkorrund- Stein (meist sind diese weiß) ist für das Schärfen besser geeignet, als die groben, grauen Steine, die meist serienmäßig montiert sind. Schleift man auf einem solchen Stein mit nur mit geringem Druck, entsteht auch nur wenig Hitze. Mit dieser Arbeitsweise trägt man auch nur wenig Material ab und eliminiert einen zweiten Nachteil, der dem Trockenschliff ja immer wieder nachgesagt wird.

Es kommt beim Trockenschliff auch auf den verwendeten Stein an.

Es kommt beim Trockenschliff auch auf den verwendeten Stein an.

Inzwischen bieten unterschiedliche Hersteller mehrere Schärfmaschinen für den Trockenschliff an. Dabei reicht die Bandbreite von altbekannten Doppelscheifern mit Werkzeughalterung, über Kombinationen mit einem Schleifband oder langsam drehende Maschinen, bis hin zu Systemen mit wechselsbaren Schleiftellern. Wer also das hantieren mit Wasser einschränken will, ist mit einem solchen System erst einmal gut beraten. Wer ganz auf Wasser verzichten möchte, findet sogar Lösungen, bei denen die Endschärfe mittels Schleifpate und Polierscheibe hergestellt wird. Ich selbst bevorzuge allerdings das Abziehen mit einem sehr feinen Wasserstein.

Eine Schärfmaschine mit rotierendem Stein und Schleifband

Eine Schärfmaschine mit rotierendem Stein und Schleifband

Der Trockenschliff wird inzwischen oft verdammt, als unprofessionell und werkzeugzerstörend dargestellt. Richtig angewendet ist gegen den Trockenschliff nichts einzuwenden. Er ersetzt den Schrupp- und Schleifstein sehr gut. Mit entsprechenden Vorrichtungen sind auch exakt rechtwinklige Schneiden in bestimmten Winkeln kein Problem. Und wie bei allen Schneiden, die auf einem rotierenden Stein geschliffen werden, sorgt der Hohlschliff dafür, dass beim Abziehen eine Mikrofase entsteht, die viele Holzwerker sehr schätzen.

Durch den Hohlschliff entsteht beim Abziehen eine Mikrofase

Durch den Hohlschliff entsteht beim Abziehen eine Mikrofase

Ein Nachteil des Trockenschliffs darf aber an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben: die Entstehung von Funken. Beim Schleifen ohne Kühlmittel entstehen Funken. Diese Funken sind durchaus in der Lage einen Brand zu verursachen. Beim Schleifen muss also penibel darauf geachtet werden, dass Funken nicht in Holzstaub. oder Späne hineingeraten können.

Der Funkenflug ist in der Holzwerkstatt nicht ganz ungefährlich

Der Funkenflug ist in der Holzwerkstatt nicht ganz ungefährlich

Die Wahl des geeigneten Schärfsystems ist nicht ganz einfach. Und manchmal ändern sich auch die eigenen Anforderungen. Da ist es doch gut, dass uns Holzwerkern inzwischen eine unglaublich große Bandbreite an Hilfsmitteln zur Verfügung steht, aus der sich jeder die beste Lösung heraussuchen kann. Lassen Sie dabei den Trockenschliff nicht ganz außer Acht, auch wenn er inzwischen keine so guten Ruf mehr hat.

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