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Nachhaltig ernüchtert

Verfasst von: Heiko Rech, Tischlermeister | 14.03.2017

Nachhaltigkeit, Umweltschutz und vernünftiger Konsum. Das sind Dinge, von denen wir täglich hören. Wir trennen unseren Müll, trinken aus Pfandflaschen und machen uns Gedanken darüber, wo unsere Lebensmittel und unsere Kleider herkommen und wie sie hergestellt werden. Momentan versuche ich auch meine Werkstatt etwas nachhaltiger und umweltfreundlicher zu betreiben als bisher. Viele Dinge lassen sich recht einfach umsetzen. So zum Beispiel der Umstieg auf eine energiesparende LED-Beleuchtung oder die konsequente Verwendung von Recycling-Papieren. Auch der weitestgehende Verzicht auf giftige Stoffe wie Lösemittel ist in der Holzwerkstatt umsetzbar. Da sollte es doch auch ohne Problem möglich sein den Hauptwerkstoff, also das Holz aus nachhaltigen und "guten" Quellen zu beziehen. Sollte man meinen. Doch leider ist das in der Praxis nicht so einfach. 

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Die Holzernte erfolgt mit schwerem Gerät

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In den vergangenen Wochen habe ich mich intensiv mit dem Thema, wo denn mein Holz und die Rohstoffe für meine Holzwerkstoffe herkommen auseinandergesetzt. Ich habe mit Experten von Greenpeace und dem FSC gesprochen. Das Ergebnis ist erst einmal ein wenig ernüchternd, aber der Reihe nach.

Ich habe mir in der Vergangenheit nicht immer Gedanken über den Ursprung der von mir verwendeten Hölzer gemacht. Ich ging einfach davon aus, dass in einem modernen Industrieland wie Deutschland nur Dinge verkauft werden, die ich als Kunde auch mit gutem Gewissen einkaufen kann. In weiten Teilen stimmt das auch. Geht man in ein Gartencenter oder Möbelgeschäft und schaut sich dort um, stellt man fest, dass viele Holzmöbel ein FSC-Zertifikat haben. Die kann man also guten Gewissens kaufen. Ebenso ist es mit Papierprodukten. Überall prang das FSC-Logo auf der Verpackung. FSC steht für Forest Stewardship Council. Das ist eine Organisation, die sich für Standards in der Forstwirtschaft einsetzt. Standards, die sowohl dem Wald nutzen, als auch den Menschen. Ich habe Ihnen am Ende des Artikels einige Seiten und Dokumente verlinkt, dort können Sie sich genauer informieren. Eine FSC-Zertifizierung ist freiwillig. Die Erzeuger und Verarbeiter werden nicht dazu gezwungen, sich an die Vorgaben zu halten. Sie tun es freiwillig, meist, weil es inzwischen einfach auch Wettbewerbsvorteile bringt und nicht nur zur Beruhigung des Gewissens. Bei all den Produkten mit FSC-Logo, die man im Geschäft sieht, ging ich davon aus, dass es doch für einen Schreiner oder Holzwerker ein leichtes sein sollte, seinen gesamten Verbrauch an Holz und Holzwerkstoffen auf FSC-zertifizierte Produkte umzustellen. Schließlich wirbt doch sogar mein Holzhändler damit, dass er zertifiziert ist. Die Realität holte mich aber schnell ein. Nach einigen längeren Telefonaten mit meinem Holzhändler, Herstellern von Leimholzplatten, mit Greenpeace und der Pressestelle des FSC, zeigt sich folgendes Bild:

  • Es gibt kaum FSC-Schnittholz im Lager meines Händlers.
  • FSC-Schnittholz muss gesondert bestellt werden.
  • Viele Hölzer stammen zwar vermutlich aus nachhaltiger Forstwirtschaft, es gibt aber keinen Nachweis.
  • Leimholz mit FSC-Zertifikat muss nicht nur bestellt, sondern gesondert produziert werden.
  • Plattenwerkstoffe wie Multiplex oder Tischlerplatten sind nahezu unmöglich mit FSC-Zertifikat zu bekommen.
  • Das verfügbare, zertifizierte Holz wird von den Forstbetrieben und Sägewerken erst einmal an Großabnehmer wie die Möbelindustrie verkauft. Nur sehr wenig kommt als Schnittholz in den regulären Handel.
  • Aus Deutschland kommt nur sehr wenig FSC-zertifiziertes Holz.

Nun kann man natürlich auch sagen, dass dieses ganze FSC-System ja ohnehin viele Schwächen hat und nicht als das Nonplusultra angesehen werden sollte. Das stimmt. Und der FSC selbst und Mitglieder wie Greenpeace geben die Schwächen auch offen zu. Aber es ist derzeit nun einmal der beste verfügbare Standard. Andere Siegel und Zertifikate haben viel größere Schwächen.

Ich habe auch versucht mein Holz lokal zu kaufen. Vom örtlichen Sägewerk, das damit wirbt, das regionale Hölzer ja nachhaltig sind. Noch dazu, wenn sie in der eigenen, mit Biogas betriebenen Trockenkammer getrocknet werden. Wollte ich Bauholz, wäre das kein Problem, das könnte ich dort kaufen. Hölzer für den Möbelbau führen die lokalen Sägewerke hier aber nicht. Einer der Gründe ist, dass die heimischen Bäume zum Teil einfach zu schnell wachsen und nicht die notwendige Qualität haben. Selbst einschneiden lassen und trocknen scheitert bei mir am nicht vorhandenen Lagerplatz. Das dürfte den meisten Holzwerkern ebenso gehen.

Was also soll man tun? Ich kann Ihnen nicht sagen, was Sie tun sollen, ich kann Ihnen nur sagen, was ich in Zukunft versuchen werde:

  • Ich werde immer wieder bei meinem Händler nach FSC-Zertifizierten Hölzern und Werkstoffen fragen. Nachfrage schafft Märkte.Vielleicht wächst ja irgendwann sein Lagerbestand mit zertifiziertem Schnittholz. In einigen anderen EU-Ländern wie den Niederlanden und Luxemburg verlangen öffentliche Auftraggeber inzwischen, dass nur noch zertifizierte Hölzer verarbeitet werden.
  • Ich werde bewusster die Holzarten auswählen, die als unproblematisch angesehen werden (siehe Greenpeace Holzratgeber). Das muss nicht gleichbedeutend mit dem Verzicht auf Tropenhölzer sein. Inzwischen sind auch Holzarten wie Lärche, Buche oder Robinie problematisch. Sie kommen oft aus osteuropäischem Raubbau. Im Zweifel kann man beim FSC und bei den Umweltorganisationen wie dem WWF, BUND oder Greenpeace nachfragen.
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Holzhändler bieten eine sehr große Auswahl an einheimischen und ausländischen Hölzern.

Holzhändler bieten eine sehr große Auswahl an einheimischen und ausländischen Hölzern.

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Zum Schluss möchte ich noch kurz auf das Thema Tropenholz eingehen. Inzwischen sind auch die Umweltschutzorganisationen nicht mehr gegen den radikalen Verzicht auf Tropenhölzer. Mit dem Kauf von Tropenhölzern aus nachhaltiger Forstwirtschaft können Entwicklungsländer wirtschaftlich gestärkt werden. Man kann dem unkontrollierten Raubbau damit entgegenwirken. Nach Auskunft des WWF ist es zum Teil auch inzwischen so, dass in manchen nachhaltig bewirtschaftenden Waldgebieten die Artenvielfalt gegenüber unbewirtschafteten Gebieten höher ist. Ich persönlich schließe für mich Tropenhölzer auch nicht kategorisch aus. Aber ich werde in Zukunft mehr auf die Herkunft und die Zertifizierung achten, als ich es bisher getan habe.

Die Thematik der nachhaltigen Forstwirtschaft ist äußerst komplex und ich bin bestimmt kein ausgewiesener Experte, sondern lediglich ein interessierter Verbraucher. Ich halte es inzwischen aber für sehr wichtig, dass man sich als Verbraucher vor allem als Holzwerker mehr mit diesem Thema beschäftigt. Vor allem finde ich es wichtig, dass man aus Holz möglichst langlebige Produkte herstellt. Denn nur dann ist Holz als Rohstoff erst wirklich nachhaltig. Wenn für Billigmöbel gutes Holz verbraucht wird, das in wenigen Jahren auf dem Sperrmüll landet, ist das alles andere als verantwortungsvoll und nachhaltig. Egal, wo das Holz für diese Billigmöbel herkommt.

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Buchenwald in Deutschland

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Und wie stehen Sie zu dieser Thematik? Haben Sie das Glück auf regionale Hölzer zugreifen zu können? Führt Ihr Händler zertifiziertes Schnittholz? Achten Sie beim Einkauf auf die Herkunft der Hölzer und Holzwerkstoffe oder sind sie schon froh, wenn Sie überhaupt an Schnittholz herankommen.

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Links

Nachfolgend habe ich Ihnen einige, wie ich finde, sehr interessante Seiten und Dokumente verlinkt.

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