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Feuchtgebiet oder Trockenzone?

Verfasst von: Heiko Rech, Tischlermeister | 21.06.2016

Um zu verstehen, warum das Thema Holzfeuchte für jeden Holzwerker, der mit Massivholz arbeitet, wichtig ist, muss man erst einmal wissen, wie Holz auf Feuchtigkeit reagiert. Damit meine ich jetzt nicht den direkten Kontakt mit Flüssigkeiten, sondern die Reaktion auf Luftfeuchte. Holz hat die Eigenschaft, dass es sich in Bezug auf seinen Feuchtehaushalt der Umgebungsfeuchte anpasst. Kommt trockenes Holz in eine Umgebung mit hoher Luftfeuchte, nimmt es Feuchtigkeit auf.  Feuchtes Holz, das man in ein Klima mit geringer Luftfeuchte bringt, gibt Feuchtigkeit ab. Das geschieht solange, bis sich das Holz seiner Umgebung angepasst hat. Je nachdem, wie stark die Unterschiede sind, kommt es dabei zum Quellen und Schwinden des Holzes. Grob gesagt, wird es größer oder kleiner. Das Holz "arbeitet".

Dieses Arbeiten des Holzes gilt es bei der Konstruktion von Massivholzmöbeln zu berücksichtigen. Ein wenig Kenntnis über die eigenen Umgebungsbedingungen wird Ihnen dabei helfen abzuschätzen, wie stark Ihr Holz am fertigen Möbel und während des Baus arbeiten wird.

Zunächst einmal sollten Sie Ihre ganz persönliche Umgebung kennenlernen. Dazu benötigen Sie zwei Messgeräte. Einmal ein Hygrometer, das man für ein paar Euro im Baumarkt kaufen kann. Und ein einfaches Messgerät für die Holzfeuchte. Es muss kein Profigerät sein, es sollte aber auch kein Billigheimer sein, der nur für Brennholzmessungen taugt. Gute Messgeräte gibt es schon für etwa 100 Euro.

Zwei sinnvolle Geräte: Ein Hygrometer und ein Feuchte-Messgerät

Zwei sinnvolle Geräte: Ein Hygrometer und ein Feuchte-Messgerät

Verschaffen Sie sich einen Überblick

Mit diesen beiden Messgeräten verschaffen Sie sich nun einen Überblick. Zunächst einmal nehmen Sie sich das Hygrometer vor. Platzieren Sie es für mehrere Tage in der Werkstatt. Kontrollieren Sie am Morgen und am Abend die Luftfeuchte. Der Absolute Wert ist dabei nicht ganz so wichtig. Interessanter ist, ob es starke Schwankungen gibt. Den gleichen Test machen Sie in Ihrem Wohnraum. Beobachten Sie die Schwankungen auch über das Jahr hinweg immer wieder. Auf die Luftfeuchte in den Räumen werden Sie zwar leider nur wenig Einfluss nehmen können, aber Sie wissen zumindest, ob Sie Ihr Massivholz bedenkenlos über einen längeren Zeitraum in der Werkstatt lagern können. Das ist der Fall, wenn sie keine Nennenswerten Unterschiede (+/- 10%)  in der Luftfeuchte zwischen Ihren Wohnraum und der Werkstatt feststellen können. Üblicherweise herrschen in den hiesigen Gefilden Werte zwischen 50 und 70% in Wohnräumen. Ist das in Ihrer Werkstatt nicht der Fall, sollte Massivholz dort nicht unnötig lange verbleiben.

Mit dem Holzfeuchte-Messgerät überprüfen Sie zuerst einmal die Feuchtigkeit des Holzes, aus dem vorhandene Möbel in Ihrem Wohnraum sind. Sie werden vermutlich Werte zwischen 8 und 10 % messen. Das entspräche dem mitteleuropäischen Durchschnitt. Interessant ist nun der Wert eines Holzstückes, das schon längere Zeit in Ihrer Werkstatt liegt. Hat es den gleichen Feuchtegehalt, ist alles in Ordnung. Ist die Holzfeuchte mehr als 1-2l% höher oder niedriger, als beim Holz im Wohnraum, darf Massivholz nur für kurze Zeit, also während der Verarbeitung in der Werkstatt verbleiben.  Behalten Sie daher den Feuchtegehalt des Holzes in der Werkstatt immer im Auge. Wie eben schon angedeutet ist dabei der Absolute Wert, den das Messgerät anzeigt nicht ganz so wichtig. Der Vergleich Wohnraum/ Werkstatt und die Veränderungen sind viel interessanter.

Ein ganz einfacher Hygrometer reicht vollkommen aus.

Ein ganz einfacher Hygrometer reicht vollkommen aus.

Neues Holz

Ein weiterer, wichtiger Aspekt, ist der Holzeinkauf. Im Holzhandel bekommen Sie sehr oft Kammergetrocknetes Holz. Das bedeutet, das Holz wurde in einer Trockenkammer auf Werte um die 10% Holzfeuchter getrocknet. Das ist alles schön und gut. Aber nicht jeder Holzhändler hat Lagerbedingungen, unter denen diese Werte auch gehalten werden können. Viele Händler lagern zwar überdacht, aber in offenen Hallen. Das entspricht dann wieder der Lufttrocknung. Das Kammergetrocknete Holz wird Feuchtigkeit aufnehmen. Werte zwischen 12 und 16% Holzfeuchte sind dann in Mitteleuropa durchaus üblich. Das ist deutlich zu viel für den Bau von Möbeln. Solches Holz muss noch weiter gelagert werden. Natürlich unter Bedingungen, unter denen es auf die erforderlichen Werte für Ihren Wohnraum kommt. Im Zweifelsfall kann das durchaus der Wohnraum selbst sein.

Dieses Holz muss noch etwas nachtrocknen, bevor es zu einem Möbel werden kann.

Dieses Holz muss noch etwas nachtrocknen, bevor es zu einem Möbel werden kann.

Zusammenfassend kann man also folgendes sagen:

  • Ein einfaches Holzfeuchte-Messgerät macht Sinn, wenn Ihr Holzhändler keine Holzfeuchte von um die 10% garantieren kann.
  • Ein Hygrometer für wenige Euro hilft Ihnen Ihre Situation abzuschätzen.
  • Ist die Werkstatt zu feucht, darf Massivholz dort nicht gelagert werden.
  • Die Kontrolle und das Wissen um die Holzfeuchte/ Luftfeuchte ist kein Ersatz für eine Materialgerechte Konstruktion.

Ich gehe bei Massivholz wie hier beschrieben vor und komme damit sehr gut zurecht. Es ist im Vergleich zum Einsatz von teuren Messgeräten (>400 Euro) oder einer sogenannten Darrprobe immer noch eine recht einfache, schnelle und Kostengünstige Methode für den Holzwerker, der seine Möbel nur für den eigenen Bedarf baut.

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